San Francisco

Zeitverschiebung: MESZ - 9 Stunden

Samstag, 23. April 1994

Unser Startflughafen hieß diesmal München. So genaue Sicherheitskontrollen wie hier haben wir noch nie erlebt. Die Flüge mit British Airways nach London und von dort nach San Francisco verliefen problemlos. Ingrid war die ganze Zeit wach, erst bei der halbstündigen Warteschleife über S.F. schlief sie ein. Nach 10 1/2 Stunden Flug, landeten wir am Nachmittag in San Francisco. Wir stellten uns auf endlose Kontrollen ein, wie in Reiseführern angekündigt, wurden aber bloß durch gewinkt. Auch unsere Koffer lagen als erste auf dem Rollband. So begaben wir uns nun auf die Suche nach dem Autovermieter ALAMO. Das Wetter war nicht gerade berauschend, die Temperatur betrug vielleicht 11°C, und es tröpfelte ganz leicht. Mit einem Shuttle Bus wurden wir zu ALAMO transportiert. Von hier aus waren es gut 20 Minuten noch in die Stadt. Den schönen Blick, den S.F. während der Fahrt bot konnte Manfred leider nicht genießen, vor lauter Verkehr. Man sah die Cable Cars, die Oakland Bridge und die Golden Gate Bridge. Nach einer längeren Sucherei fanden wir unser vorgebuchtes Hotel Holiday Inn. Wir unternahmen nicht mehr viel, bummelten noch ein bisschen am Wasser entlang, dass zu Fuß schnell zu erreichen ist, und fielen dann müde ins Bett. Vielleicht lag es an der letzten Mahlzeit, vielleicht am vielen Kaffee im Flugzeug, dass ich mir den Magen verdorben hatte. Jedenfalls konnte ich in der Nacht nicht besonders gut schlafen.


Sonntag, 24. April 1994

AlcatrazDer Himmel ist blitze blau, wir setzten uns nach dem Frühstück in den Leihwagen und fuhren über die Golden Gate Bridge in Richtung Muir Woods. Dies soll ein National Park mit den größten Bäumen der Welt sein, den Mammutbäumen. Irgendwie verpassten wir die Abfahrt und landeten deshalb am Muir Beach, an der Küste. Ein paar Hartgesottene in Gummianzügen surften sogar, denn das Wasser war nicht warm. Anschließend fuhren wir dann doch noch Richtung Muir Woods. Der Parkplatz war aber wegen des heutigen Sonntags so überfüllt, dass wir kurz entschlossen unsere Pläne änderten und einmal um die Pablo Bay herum fuhren. Über die Oakland-Bay Bridge kamen wir wieder nach S.F. zurück. Nach einer einstündigen Mittagspause marschierten wir auf den, vom Hotelfenster sichtbaren Russian Hill, einer von 43 Hügeln, auf denen S.F. liegt. Er erhielt seinen Namen von seinen früheren Bewohnern, es waren russische Walfänger. Hier befindet sich außerdem die kurvenreichste Straße der Welt, die Lombard Street, da sie wegen ihrer Steilheit in Serpentinen verläuft. Hier bewunderten wir den Blick auf die Golden Gate Bridge. Am Wasser ging es dann zurück zum Hotel.


Montag, 25. April 1994

Das Wetter war heute sehr wechselhaft, viele Schauer zwischendurch. So, jetzt nahmen wir den zweiten Anlauf zu den Muir Woods. Parkplätze gab es heute mehr als genug. Die berühmtesten Redwood-Mammutbäume, die höchsten der Welt - sie gedeihen nur in Kalifornien und Oregon - wachsen hier. Das durchschnittliche Alter der Mammutbäume beträgt 400 bis 800 Jahre. Die 1 1/2 stündige Runde durch den Park verlief auf dem Hinweg auf geteerter Straße an einem Bach entlang, der Rückweg auf einem Waldweg am halben Hang entlang. Die großen Bäume waren sehr beeindruckend (50m hoch und 2m Durchmesser). Leider fing es jetzt an zu regnen, so dass wir schnell zum Auto liefen. Ingrid wurde leider im Oldsmobil immer übel hinten, wahrscheinlich weil es weich gepolstert war und sie nicht herausschauen konnte ohne Kindersitz. Von jetzt ab durfte sie eben vorne sitzen. Zurück, in der Stadt besorgten wir Ingrid, in einem kleinen Schuhgeschäft mit freundlichem(r) Verkäufer(in), ein paar blinkende Turnschuhe. So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen. Ob der oder die Verkäufer(in) ein Mann oder eine Frau war, haben wir nicht herausgefunden. Zum Abendessen liefen wir nach Chinatown, die größte chinesische Gemeinde außerhalb Asiens. Auf dem Weg dorthin saß alle 200m einer auf der Straße und bettelte um Geld. Chinatown war sehr interessant, die kleinen Läden hatten fast alle noch geöffnet. Wir aßen in einem ganz leeren Restaurant, wo es leider überall wie Hechtsuppe zog. Sogar die Ober standen an ihren Heizlüftern zum Aufwärmen. Das Essen war gut. Ingrid erregte viel Aufsehen mit ihren blinkenden Schuhen und wurde von der Bedienung nach dem Preis gefragt. Auf dem Rückweg liefen eine Menge merkwürdige Gestalten herum, alleine würde ich mich im Dunkeln nicht durch S.F. wagen. Ingrid schlief schon fast im Gehen ein.


Dienstag, 26. April 1994

Blick auf DowntownGanz unerwartet war heute wolkenloser Himmel. Wir marschierten zum Pier 43 1/2, besorgten uns Tickets für die Schiffahrt nach Sausalito (spanisch: "kleine Weiden"), einem Fischerdorf mit Blick auf San Francisco und bummelten bis zur Abfahrt des Schiffes am Pier entlang. Die Fischerboote waren mit ihren frische Fängen zurück, und es duftete an den Ständen schon nach frisch gebratenen Fisch. Man sah dicke Krabben, frische Tintenfische, Krebse und vieles mehr. An einem Steg entdeckten wir plötzlich eine Robbe in den Hafen schwimmen. Sie schrie und schrie und wartete dabei wahrscheinlich auf ihre tägliche Fütterung. Am Anlegesteg sprach uns ein Paar aus Los Angeles an, wo wir herkämen, und ob wir ihnen Tipps für München geben könnten, da sie demnächst einen Trip dorthin vorhätten. München, Salzburg und Prag. Wir empfahlen ihnen den englischen Garten und das Hofbräuhaus. Was sollte man auf die Schnelle sonst empfehlen? Der Ort Sausalito, erinnert sehr stark an die Riviera, enge verwinkelte Straßen, manche mit steilen Holztreppen verbunden. Kennzeichnend für den Ort sind auch die vielen Hausboote. 6500 Einwohner leben derzeit in Sausalito. Auf dem Schiff zurück, spielten wir mit Ingrid "Ich sehe was, was du nicht siehst". Ingrid dachte sich die Herzchen auf ihrem Slip aus und zog dabei auf dem Schiff fast ihre Hose aus, um sie uns zu zeigen. Zum Sonnenuntergang fuhren wir noch zum Point Vista und zum Muir Beach, die Abendstimmung genießen, hat sich gelohnt!


Mittwoch, 27. April 1994

Pier 39Ingrid fragte heute beim Frühstück: "Was haben Papa und Hanni (ihre Kindergärtnerin) gemeinsam ?", Antwort: "Hanni häuft sich genauso viel auf den Teller wie Papa". Am Nebentisch saß eine ganze Reisegruppe mit Deutschen, von denen man hier sehr viele traf. Auf dem Scienic Highway fuhren wir heute an der Küste entlang Richtung Zoo. Er war schön angelegt, mit sehr viel Grün, sogar so grün, dass man die Tiere suchen musste. Anschließend kutschierten wir noch den Highway am Pazifik entlang, wo wir die Ausblicke auf schroffe Felsen und lange Strände genossen. Den Nachmittag verbrachten wir am stillgelegtem Pier 39, einem 1978 eröffneten Komplex von 130 Geschäften und 23 Restaurants. Hier herrschte eine Menge Rummel. Außerdem hatte man eine Seehundkolonie angesiedelt, die hier schlief und gefüttert wurde. Es machte viel Spaß zuzusehen, wie sie sich gegenseitig mit viel Getöse schubsten, stritten und übereinander kletterten bis jeder seinen Schlafplatz eingenommen hatte.


Donnerstag, 28. April 1994

Blick von den Twin PeaksZum Abschluss unseres San Francisco Aufenthaltes stand heute der Golden Gate Park auf dem Programm. Das Wetter spielte mit, es war wieder schön. Bis zum Jahre 1871 befand sich hier, auf der 5 km langen und 800 m breiten Fläche nur trockenes Dünenland. Jetzt erwarten den Besucher mehr als 5000 Pflanzen und Baumarten, mehrere Seen, Reit- und Wanderwege, Museen, Gewächshäuser und vieles mehr. Zuerst ging es zu einem See, wo wir ganz alleine ein Tretboot mieteten und gemütlich einmal die kleine Insel umrundeten. Sogar Wasserschildkröten entdeckten wir. Es war eine idyllische Fahrt, wie durch einen Dschungel. Ingrid steuerte, Manfred trat und ich filmte. Hinterher ging es zu Ingrids Freude zum Spielplatz, wo es ein altes Herrschel-Spielmann Karussell von 1912 gab. Ingrid fuhr 2 Mal, für umgerechnet je 40 Pfennig. Die Fahrt dauerte mindestens fünf Minuten. Nachmittags genossen wir die Aussicht von den Twin Peaks, zwei 300 Meter hohe Hügel der Stadt, zwar nicht die höchsten, das ist der 10 Meter höhere Mount Davidson, aber mit dem besten Blick auf Stadt und Bucht. Vom Ozean stieg allmählich Nebel auf. Abends ging es zum Abschluss noch mal zum Pier 39. Wir beobachteten die Seehunde, bummelten durch die Shops und aßen im Chic's Place. Unser Blick vom Restaurant fiel auf die Bucht, auf das ehemalige Gefängnis Alcatraz, den aufziehenden Nebel und die Seehunde, toll! Bei Kalifornischem Rotwein genossen wir unsere Henkersmahlzeit, Manfred aß Steak mit Shrimps, ich aß Heilbutt aus Alaska und Ingrid Fish und Chips.


Freitag, 29. April 1994

Zum letzten Mal ließen wir uns das Frühstück in San Francisco schmecken, packten anschließend, und fuhren mit unserem Leihwagen, da wir noch etwas Zeit hatten, an der Küste entlang. An einer Unfallstelle gerieten wir leider in einen Stau, und so begaben wir uns direkt zum Flughafen. Hier suchten wir eine Weile vergeblich nach dem Qantas-Schalter. Unsere Ratlosigkeit sah man uns wohl an, jedenfalls sprach uns eine Dame in einem amtlich aussehenden Schalter an, ob wir Deutsche seien und unsere Fluglinie suchen würden. Sie beschrieb uns den Weg und bat uns sehr aufdringlich um eine hohe Spende für irgendwelche armen Kinder, ich glaube es war für Jugoslawien. Auf die Ausrede, wir hätten nur noch große Dollarscheine, zog sie ein ganzes Bündel Geldscheine hervor und sagte, sie könne in jeder Währung wechseln. Ingrid drückte sie gleich Aufkleber in die Hand, so dass Manfred schließlich doch ein paar Dollar locker machte. Leider war der beschriebene Weg falsch, das stellte sich erst später heraus. Mit der USAir flogen wir dann nach Los Angeles. Eine Dame von Qantas nahm uns in Empfang und brachte uns zur Abflughalle. Zusammen mit einer Australierin suchten wir jetzt unser Abflug-Gate. Sie fragte einen herumstehenden, wieder amtlich aussehenden Mann, der uns den Weg wies, dann aber seinen Ausweis zückte und auch für irgendwelche wohltätigen Zwecke sammelte. Unser Flugzeug stand schon bereit, es wurde gerade beladen. Die Maschine musste so viel Gepäck aufnehmen, dass die halbe Economy-Klasse wegfiel. Wir waren nicht besonders viele Passagiere, so hatten wir das große Glück, in der 1. Klasse sitzen zu dürfen. Das war wie Tag und Nacht, riesengroße breite Sessel mit Möglichkeit zur Liegestellung und Beinauflage und eine Stewardess für 10 Passagiere. Ingrid musste natürlich alle Knöpfe ausprobieren, Liegestellung rauf und runter, Beinablage hoch, Gepäckfächer fünf mal auf und zu, Tischchen raus und rein, Aschenbecher anschauen, Rolläden an den Fenstern hoch und runter und Kopfhörer rein und raus. Jedenfalls war sie schön beschäftigt. Das war der erste Flug, bei dem ich bereute, dass er so schnell vorüber war. Unterwegs fiel mir auf, dass der abnehmende Mond am Äquator auf dem Rücken liegt, und auf der Südhalbkugel wie ein zunehmender Mond bei uns aussieht. Nach knapp acht Stunden landeten wir um Mitternacht Ortszeit in Papeete, Tahiti.

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