Sydney

Zeitverschiebung: MESZ + 8 Stunden


Dienstag, 3. Mai 1994

Darling HarbourNach 5 Stunden und 10 Minuten landeten wir in Auckland/Neuseeland. In der einstündigen Pause sprang Ingrid auf dem Flughafen-Spielplatz herum. Der Kapitän versuchte anschließend die Verspätung durch schnelleres Fliegen und einer kürzeren Pause in Auckland wieder einzuholen. Das gelang ihm zwar, doch war der Flughafen in Sydney derzeit so überlastet, dass wir eine Stunde in der Luft kreisen mussten. Die ganze Mühe war also umsonst. Der Himmel war bewölkt, aber es war trocken. Christine, unsere 80 jährige österreichische Zimmervermieterin im Stadtteil Paddington freute sich tüchtig auf das Wiedersehen. Zum Empfang gab es selbstgebackenen Kuchen. Nachmittags besorgten wir dann unsere Wochenkarten (siehe spätere Reiseberichte) und fuhren damit gleich nach Darling Harbour. Leider ist das Fahrkartensystem modernisiert worden. Man muss jetzt vor und nach jeder Fahrt die Fahrkarten in einen Automaten stecken, wo sie überprüft werden. Letztes Jahr brauchte man die Karten nur vorzuzeigen. Aber die Einheimischen haben selbst noch sehr viel Schwierigkeiten mit dem neuen System. Jetzt muss zusätzlich noch einer dabeistehen, der das Ganze überwacht. "Darling Harbour ist Sydneys Pendant zu Fisherman's Wharf in San Francisco", so steht es in meinem Reiseführer. Was ich für etwas übertrieben halte. Es ist ein riesiger Komplex von Hotels, Museen, Geschäften, Restaurants und Imbissbuden mit breitem Unterhaltungsangebot. 1988 wurde dieser Hafenbereich, der aus heruntergekommenen Kais und Lagerhäusern bestand, umgebaut. Wir bummelten ein wenig durch die Geschäfte, kauften T-Shirts, aßen an einem asiatischen Stand und fuhren dann mit Fähre und CityRail zurück. Zuhause fielen wir um 19.30 Uhr ins Bett. Unsere Zimmernachbarn, ein Paar mit 5-jähriger Adoptiv-Tochter und 2 Angora-Katzen, verhielten sich nicht gerade leise, aber wir schliefen trotzdem. Die Familie stammte aus Sydney. Sie mussten aus ihrer alten Wohnung ausziehen und konnten in das neue Haus noch nicht einziehen, darum wohnten sie vorübergehend bei Christine. Sie tat damit ihrem Sohn Heinz einen Gefallen. Christine schimpfte täglich über die vielen Katzenhaare, die sich überall ablagerten. Stellte Manfred seine schwarze Kameratasche auf den Fußboden, blieben garantiert 10 Haare hängen.


Mittwoch, 4. Mai 1994

Sydneyer OperHeute fuhren wir mit dem CityRail (Stadtbahn) zum Botanischen Garten, besichtigten die Tropen Halle, und wanderten zum Macquarie Point, wo eine große Versammlung von fotografierenden Japanern herumstand. Im 1816 entstandenen Botanischen Garten wurden ursprünglich Samen eingesät. die Gouverneur Phillip um 1788 aus Rio und Kapstadt mitgebracht hatte. Der Garten erstreckt sich über eine Fläche von 29 ha und umfasst inzwischen eine Sammlung von über 4000 Bäumen und Pflanzen aus aller Welt. Im pyramidenförmigen Tropenhaus gedeihen über 1 Mio. Pflanzenarten. Zurück ging es an vielen Joggern,an der Oper vorbei zum Circular Quay. Circular Quay, früher Sydney Cove, war Zentrum der ersten europäischen Kolonie. Dies war auch das letzte Bauwerk von Sträflingen. Sie schütteten Schlamm zum Kai auf und befestigten die Mauer mit Sandstein. Dort setzten wir uns Muffin-essend auf eine Bank und warteten auf die Fähre zur Meadow Bank, denn Manfred hatte die Idee bei Rosemarie und den Kindern vorbeizuschauen (unsere Bekannten aus Sydney). Leider war sie nicht zu Hause, statt dessen trafen wir auf Arbeiter, die das Haus mit Gift gegen Ungeziefer einspritzten. Die Arbeiter hatten wohl schon von uns gehört, jedenfalls fragten sie uns gleich, ob wir der Besuch aus Deutschland wären. Heute Abend hatte uns Christine mit noch zwei Starnberger Studenten, die wegen uns das Zimmer räumen mussten, zum Essen eingeladen. Es gab Kürbissuppe, Hähnchen mit Kartoffeln und Salat und Apfel-Kiwistrudel zum Nachtisch. Die beiden Studenten verdienen sich in München mit Taxifahren das Geld für solche Reisen, war ein netter Abend.


Donnerstag, 5. Mai 1994

MonorailAuf Ingrids Wunsch fuhren wir heute eine Runde Monorail von Town Hall bis Harbourside. Die Monorail, bei der unsere Wochentickets nicht galten, zieht eine Schlaufe durch Innenstadt, Chinatown und Darling Harbour. Gesamtfahrzeit einer Runde 15 Minuten. Auf dem Weg dorthin schauten wir uns in einem interessanten Laden um, mit Australien Andenken und Ausrüstungen für Outback-Expeditionen. In Darling Harbour fand zufällig eine Schafscher-Vorführung statt, bei der Ingrid ganz begeistert zuschaute. Wir bummelten durch den chinesischen Garten, genossen Kaffee trinkend, die jetzt endlich bleibende Sonne, während Ingrid auf einem angrenzenden Spielplatz spielte und Tauben und Möwen scheuchte. Mit der Fähre ging es zum Circular Quay zurück. Ein großes Passagierschiff "Fairstar" ankerte hier gerade und war kurz vor dem Auslaufen. Die Passagiere warfen Luftschlangen zu ihren Angehörigen, die an Land standen. Heute waren wir wieder bei Christine eingeladen, es waren noch Reste von gestern übrig. Ingrid spielte noch mit der recht wilden Lauren bis zum Schlafengehen. Man musste dauernd aufpassen, dass sie Ingrid keine Seile um den Hals legte, denn Laurens Mutter war wohl alles egal, Hauptsache ihren Katzen ging es gut.


Freitag, 6. Mai 1994

Heute sind wir mit Everetts in der Stadt verabredet. Außer Alica, die in der Schule war, trafen wir die ganze Familie am Circular Quay. Zuerst spazierten wir zum Aussichtspunkt Observatory Park, zwischen den Rocks und der Harbour Bridge gelegen, wo Ingrid mit Lloyd herumtoben konnten, dann kletterten wir den Pylon Lookout, einem Stützpfeiler der Harbour Bridge hinauf, der als Museum und Aussichtsturm ausgebaut war. Wieder trafen wir mehrere Gruppen Österreicher und Deutsche. Blick vom Pylon LookoutDafür war der Blick über den ganzen Hafen, bis zu den Blue Mountains um so schöner. Mittags mussten Everetts leider zurück und Alica von der Schule abholen. Wir entschlossen uns, sie auf der Fähre zu begleiten und wieder zurückzufahren. Aber Bruce und Rosemarie luden uns gleich ein, mitzukommen. Ingrid fuhr mit Bruce los, Alica abholen und wir besichtigten den Rohbau ihres Anbaus. Draußen konnten wir leider wegen der vielen Mücken nicht sitzen. Bruce suchte uns eine Menge Kartenmaterial heraus für unsere bevorstehende Fahrt nach Brisbane, telefonierte gleich mit seiner Schwester, die eine Autostunde vor Brisbane wohnte, dass sie uns ein Zimmer richtete zum Übernachten und organisierte uns das Ferienhaus seines Onkels für eine Nacht, dass etwa 2 Stunden von Sydney entfernt lag. Zum Dinner luden wir Everetts dann zum Chinesen ein. Hier hatte man eine schöne Aussicht und das Essen, in vielen kleinen Schälchen auf einem Drehteller gereicht, war sehr lecker. Gott sei Dank waren sie recht kinderfreundlich, denn Alica und Ingrid liefen dauernd herum und Lloyd kleckerte in einem Meter Radius.


Samstag, 7. Mai 1994

Heute morgen stand Ingrid schon um 6.30 Uhr auf, riß die Vorhänge zur Seite und sang. Es war wie verhext, eine Stunde später erschien Christine bei uns und rief: "Frühstück ist fertig". Da wir heute mit Everetts im Zoo verabredet waren, wollten wir um 8.30 Uhr frühstücken. Als wir Christine darauf hinwiesen, daß es erst 7.30 Uhr ist, bekam sie einen schönen Schreck. Sie hatte vom Bett aus die Schläge der Uhr gezählt und sich um eine Stunde vertan. Naja, so hatten wir schön viel Zeit und konnten ganz gemütlich zum Zoo fahren. Beim Circular Quay passierte uns ein kleines Malheur, Der Automat spuckte Ingrids Wochenticket nicht wieder aus. Bis kurz vor Abfahrt der Fähre warteten wir auf den Aufseher, der aber nicht erschien. Wir schworen uns, die Karte nur noch dann vom Automaten prüfen zu lassen, wenn ein Aufseher in der Nähe war, dann fuhren wir einfach ohne Fahrkarte mit. Den ganzen Vormittag verbrachten wir mit Familie Everett im Taronga Zoo. Am Nachmittag trennten sich unsere Wege. Wir fuhren mit der Fähre zurück und Manfred bemühte sich leider vergebens um Ingrids verlorene Fahrkarte. Der erste schickte uns zu einer anderen Anlegestelle, der nächste telefonierte mit der Hauptticketverkaufsstelle und schickte uns dort hin. Hier erfuhr Manfred, dass man keine Fahrkarte in dem Automaten gefunden hätte, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als ein neues Wochenticket zu kaufen. Abends fuhren wir noch mal mit dem Bus in die Oxfort Street. Hier reihte sich ein Restaurant an zwei andere, und so entdeckten wir ein nettes italienisches Lokal: Cafe Perusco, dessen Besitzer aus Brescia stammte. Manfred aß Lasagne, Ingrid Spaghetti mit Fleischbällchen und ich Spaghetti mit Tintenfisch. Zum Nachtisch gab es Nougat-Eiscreme. Anschließend bummelten wir noch etwas durch Kings Cross, Sydneys Vergnügungsviertel. Dank Ingrid ließen uns die Türsteher der Lokale zufrieden.


Sonntag, 8. Mai 1994

Eigentlich hatten sie für heute schlechtes Wetter versprochen und anfangs sah es auch so aus, aber als wir schließlich aufbrachen, strahlte die Sonne. Mit dem Bus fuhren wir zur Watsons Bay, gegenüberliegend von Manly am Port Jackson. Bergauf gelangt man nach The Gap, Klippen, die senkrecht zum Meer abfallen. Der Blick war herrliche, Richtung Ozean, und Richtung Stadt. Zurück ging es wieder, teils an schönen Villen, an dem bekannten Fischrestaurant Doyles vorbei, teils am Strand entlang und über die Parsley Bay Hängebrücke. Auf den Bäumen unterwegs entdeckten wir Scharen von Papageien, bzw. wir hörten sie laut schreiend von einem Baum zum anderen fliegen. Wir marschierten bis etwa Vaucluse House, dann wurden wir langsam schlapp, außer Ingrid, sie lief fröhlich voran. Die letzte Ecke fuhren wir dann mit dem Bus nach Edgecliff, kauften ein bisschen ein und tranken in Christines Garten Kaffee. Christine war am heutigen Muttertages von ihren Kindern eingeladen. Zum Abendessen fuhren wir wieder einmal in die Oxfort Street, denn dort war die Auswahl am größten. Diesmal wählten wir ein Kambodschanisches Restaurant. Ingrid aß "Elefantenohren" mit würziger Hackfleischsoße und anschließend Reis, Manfred Fleisch mit Gemüse und ich Tintenfisch, Krabben und Muscheln mit Zitronengras. Es war mal ein Versuch wert, aber chinesisches Essen schmeckt uns doch besser. Als wir nach Hause kamen, war die wilde Lauren auch wieder da, so dass wir gleich ins Bett flüchteten.


Montag, 9. Mai 1994

Barrenjoe Lighthouse auf Palm Beach Heute stand Palm Beach auf dem Programm. Dieser Badeort liegt etwa 60 km nördlich von Sydney auf einer ausgedehnten Landzunge. Millionäre, Film- und Popstars haben sich hier niedergelassen. Darum fühlten wir uns hier in der richtigen Gesellschaft. Mit der CityRail ging es bis Circular Quay, weiter mit der Fähre nach Manly und von dort mit dem Bus nach Palm Beach. Insgesamt dauerte die Fahrt drei Stunden. Die Lage der Häuser an den Hängen erinnerten stark an die Riviera. Zuerst am Wasser, dann einen Wald-/Felsenweg hinauf, spazierten wir hinauf zum Barrenjoey Lighthouse. Er wurde 1881 erbaut und diente früher als Signal für die Flußschiffe auf dem Hawkesbury River. Hier setzten wir uns ins Gras, genossen die Aussicht und picknickten. Möwenjagend und Muschelsuchend liefen wir zur Bushaltestelle zurück. Zufällig erschien der Bus auch gerade. Der freundliche Fahrer erklärte uns wo wir umsteigen mussten, damit wir die Fähre noch rechtzeitig erreichten, so brauchten wir für den Rückweg nur 2 1/4 Stunden. Abends waren wir bei Christine zu einem 3-Gänge-Menü eingeladen. Es gab Nudelsuppe, Kartoffeln, Fleisch und Spinat und zum Nachtisch Erdbeeren mit Weintrauben. Ingrid half Christine anschließend beim Abtrocknen und es machte Spaß zu lauschen, was sich die beiden erzählten. Ingrid seufzte: "Das Leben ist nicht schön!" Auf die Frage von Christine warum, antwortete sie, weil sie bald wieder wegfahren müsse. Leider erschien noch das Wahnsinnsmädchen Lauren, die wieder allen möglichen Blödsinn anstellte, Stühle fielen hinter ihr zu Boden, Christines Schlafzimmer wurde durchsucht, aus der Garage wurden alle möglichen Gegenstände angeschleppt und verteilt, aber es war bis zu dem Zeitpunkt trotzdem ein netter Abend.


Dienstag, 10. Mai 1994

Trotz Wettervorhersage war der Himmel heute wieder wolkenlos. Wir fuhren mit der CityRail nach Cronulla, das liegt nördlich vom Royal National Park, bzw. auf der gegenüberliegenden Seite des Flughafens an der Botany Bay. Hier deckten wir uns mit Picknickutensilien ein und wanderten los. Zuerst konnten wir uns nicht entscheiden, Manfred war für den Weg nach Süden, auf einem geteerten Strandweg an Häusern und steinigem Strand mit Gezeiten-Schwimmbädern entlang, ich war für Norden, durch Dünen hindurch an einem Sandstrand direkt am Wasser entlang. Schließlich entschieden wir uns für Manfreds Version, da wir die Sonne so im Rücken hatten. Der Weg endete etwa nach 25 Minuten. Wir kehrten um und liefen in die andere Richtung. An einer Stelle mit Spielplatz packten wir unser Lunch aus und beobachteten die gierig kreischenden Möwen, die überall gefüttert wurden. Der Strand zog sich kilometerweit hin. Ununterbrochen folgte ein Flugzeug dem anderen am Horizont. Mit der CityRail war es eine gemütliche Sache. Man fuhr etwa 1 Stunde, bis Redfern überirdisch, dann unterirdisch und schon war man ohne Umsteigen in Edgecliff. Mit Zeitung und Wein bewaffnet begaben wir uns wieder zu Christine. Zum Essen ging es wie üblich in die Oxfort Street, diesmal zu einem Italiener, dessen Angestellten keine Silbe italienisch konnten. Dies war ein B.Y.O. (Bring your own) Lokal, das heißt wir konnten uns eine Flasche Wein im benachbarten Bottleshop kaufen, um ihn in dem Lokal zu trinken. Der Wein wurde uns geöffnet und man zahlte dann 2$ Korkgeld. Ingrid aß Spaghetti, Manfred grüne Bandnudeln mit scharfer Soße und ich Pizza Hawaii mit Ananas. Ingrid, die sich ein bisschen umschauen wollte, wurde von der Bedienung gleich angesprochen und auf englisch gefragt, ob sie die Toilette suchte. Da Ingrid leider nicht englisch antworten konnte, ließ sie sich dort hinführen, verweilte dort einige Minuten und kam wieder zurück.


Mittwoch, 11. Mai 1994

Heute wollten wir eine Wanderung in Manly mit Heinz, Christines Sohn, unternehmen. Mit seinem Taxi holte er uns am Fähranleger in Manly ab und startete mit einer Sight-Seeing-Tour durch Manly, an der ehemaligen Quarantäne Station vorbei, wo sich auch Heinz zwei Wochen aufhalten mußte, als er vor 20 Jahren hier mit dem Schiff in Sydney ankam, dann ging es weiter zum North Head. Dort sind eine Menge Wanderwege an steil abfallenden Klippen angelegt, ähnlich wie gegenüber am South Head an der Watsons Bay, dass wir am Sonntag besuchten. Ab Mosman starteten wir dann unsere Wanderung über die Spit-Bridge, die gleich hinter uns gesperrt und für Schiffe hochgezogen wurde für einige Minuten. Es fuhr aber nur ein Segelschiff hindurch. Genau ab diesem Zeitpunkt begann es zu regnen. Wir stellten uns ein paar Minuten unter Büsche, bis es nur noch leicht tröpfelte. Der Weg verlief durch Wald, mit Blick auf die Bucht und über Wiesen, Felsen, Strand und durch abgebranntes Gebüsch. Heinz erzählte uns an einer Stelle, dass man von hier aus öfter Wale beobachten könne. Der Regen wurde mal stärker, mal ließ er ganz nach. Als wir einen Aussichtspunkt, ohne irgendein Haus in der Nähe erreichten, goss es in Strömen. Schirme hatten wir keine dabei, nur Kapuzen. Als wir schließlich durchnässt eine Siedlung erreichten, hielt ein freundlicher Mann mit heruntergekommenen Auto und lauter Gerümpel auf der Rückbank. Auf Heinz Frage hin, ob er uns für 10$ nach Hause fahren würde, nahm er uns tropfnass mit. Das war eine abenteuerliche Fahrt, die Scheiben beschlugen sofort, dass er zunächst blind fuhr. Aber wir waren froh, endlich ein Dach über dem Kopf zu haben. Bis auf die Unterwäsche durchnässt, stattete uns Diana, Heinz Frau erst einmal mit trockenen Sachen aus. Unsere Kleidung warf sie in den Trockner. Ingrid hatte nicht ein einziges Mal gejammert, obwohl sie ebenso naß war wie wir, einschließlich Haare und Gesicht. Zum Aufwärmen gab es Kaffee und selbstgebackene Muffins. Beim Kaffee hörten wir draußen plötzlich Pinguine schreien. Sehen konnte man sie nicht. Heinz erzählte, daß sich nachts schon welche im Swimming Pool verirrt hätten, nicht herauskamen und laut schrien. Mit Netzen mussten sie wieder herausgefischt werden. Abends aßen wir am Fähranleger mit der Familie in dem Fischrestaurant "Cove". Vor dem Essen warf ihr 18 Monate alter Sohn Thomas erst einmal einen Teller zu Boden, aber die Bedienung meinte es wäre halb so schlimm, gestern haben Kinder sogar das Essen durch das Lokal geworfen. Als Vorspeise gab es gegrillten Tintenfisch mit Reis, Manfred aß anschließend gegrillten Fisch mit scharfer Soße, ich Tunfischsteak mit Kürbis und Spargel und Ingrid "Fish & Chips".


Donnerstag, 12. Mai 1994

Im Travel-Info-Zentrum besorgten wir uns Informationsmaterial für unsere bevorstehende Fahrt nach Brisbane und wechselten bei der Advance Bank anschließend ein paar Travellerschecks. Bei Hertz bestellten wir ein Auto für morgen. Zurück schlenderten wir bei besserem Wetter durch den Botanischen Garten, genossen auf einer Bank die Sonne, fuhren vom Martin Place zurück zu Christine und holten sie zum Aquarium ab. Christine kam die Fahrt dorthin wie eine Weltreise vor, zuerst mit der CityRail, dort einmal umsteigen und dann mit der Fähre. Insgesamt dauerte die Fahrt eine Stunde. Mit ihrem Rentnerpass darf sie für 1$ pro Tag mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt herumfahren, einschließlich Fähren. Das Aquarium kannte sie noch nicht mit den Röhren, von denen man die Haie und andere Fische beobachten kann. Die Barrier Riff Nachbildungen und die Seehunde, die um uns herumschwammen, gefielen ihr auch sehr gut. Hier entdeckten wir auch einen Seeigel, den wir beim Baden in der Südsee sahen. Im Nachhinein waren wir ganz schön leichtsinnig ohne Badeschuhe dort zu schwimmen. Zum Abendessen luden wir Christine ins Woolshed, nach Wooloomooloo ein. Dies Lokal gehört ihrer ehemaligen Schwiegertochter Inge. Von ihr wurden wir gleich begeistert empfangen. Die Mannschaft hatte mit Ingrid ihren Spaß, sie wurde in die Küche geschickt und sollte dort den Namen des Kellners sagen. Als sie in die Küche marschierte und Chan Chai Check sagte, lag die ganze Besatzung auf dem Boden vor Lachen. Von einer alten Dame, die seit 25 Jahren jede Woche mit ihrem Mann dies Lokal besuchte, am gleichen Platz saß und das gleiche aß, erhielt Ingrid zwei Haarspangen geschenkt. Manfred aß Lamm mit Gemüse, Christine Fischfilet, Ingrid Reis mit Soße und ich probierte Känguru mit Gemüse. Es schmeckte ähnlich wie Wild.


Freitag, 13. Mai 1994

SkippyUnser letzter Tag in Sydney war angebrochen. Morgen wollten wir, gemeinsam mit Everetts nach Killcare fahren, wo sich das Ferienhaus von Bruce Onkel befand. Manfred und Bruce vereinbarten einen Treffpunkt für morgen, bei McDonald in Hornsby, etwa 30 km von Christine entfernt. Nach dem Frühstück setzten wir uns in Bewegung zum Autovermieter. Dort angekommen, wurde uns mitgeteilt, daß der Wagen leider schon weg war, denn wir wären eine Stunde zu spät dran. Das fanden wir nicht besonders nett, denn auf unsere Frage gestern, ob wir Punkt 10 Uhr erscheinen sollten, tat dieselbe Frau so, als ob eine Stunde hin oder her keine Rolle spielen würde, denn wir bezahlen ja ab dem bestellten Zeitpunkt. Aber auf englisch zu streiten, fanden wir zu mühsam. Eine halbe Stunde sollten wir warten, bis die nächste Ladung Autos vom Flughafen gebracht wurde. Wir vertrödelten die Wartezeit, erkundeten, wie man mit dem Auto am besten zu Christine fand. Zurück bei Hertz, teilte man uns mit, dass der bestellte Kindersitz leider auch nicht vorhanden war, aber wir könnten ihn auf der Fahrt in Newcastle abholen. Jetzt wurden Manfreds Personalien aufgenommen, außerdem wollten sie unsere Flugtickets sehen, die wir natürlich nicht dabei hatten. Jedenfalls kamen wir uns dabei wie Schwerverbrecher vor, die unbedingt ein Auto stehlen wollten. Der bestellte Ford Laser entpuppte sich als ein Hyundai. Und nach anfänglichen Vollbremsungen konnte Manfred sich ganz gut im dichten Stadtverkehr vorwärts bewegen. Als Manfred dann einmal sanft bremste, rief Ingrid von hinten, Papa sollte noch mal so schön anhalten. Wir fuhren durch den neuen Harbour Tunnel, zum 25 km nördlich von Sydney gelegenen Waratah Park. Hier wurde die australische Fernsehserie "Skippy, das Känguru" gedreht, die einzige Serie, die außerhalb Australiens Erfolg hatte. Auf dem Weg hierher verloren wir unsere erste Radkappe, die wir auch nicht wiederfanden. Der Park war schön angelegt, ganz im Grünen, mit vielen Koalas, die stündlich gestreichelt werden durften. Zum Ärger der Japaner durften die Koalas aber nicht geblitzt werden beim Fotografieren. Weiter liefen hier noch Kängurus und Emus herum, die man füttern durfte, Wellensittiche, durch deren Voliere man gehen konnte, Dingos, Krokodile, Kakadus und andere einheimische Tiere. Auf dem ganz leeren Spiel- und Picknickplatz verdrückten wir jeder einen Hot Dog und Eis, dann unternahmen wir noch eine Fahrt mit dem "Bushtrain" durch das Gelände. Auf dem Rückweg kundschaftet wir den Treffpunkt für morgen aus, damit wir nicht so lange suchen mussten und merkten uns die Fahrtzeit. Zum Abschluss kochte Christine noch mal für uns. Es gab Spinatsuppe, Knödel mit Hähnchen in Soße und Eis zum Nachtisch. Dazu tranken wir unseren australischen Lieblingswein, Long Flat Red.

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