Fahrt von Sydney nach Brisbane

Von Sydney nach Brisbane

Samstag, 14. Mai 1994

Zum Abschluss frühstückten wir heute im Garten. Die Sonne schien schon auf die Sitzecke. Christine hatte uns zur Feier des Tages Muffins gebacken. Zu unserem Schreck gesellte sich die fürchterliche Lauren zu uns, die wirklich nur Blödsinn im Kopf hatte. Zum Beispiel schnitt sie mit einem dicken Messer auf der Tischdecke Beeren aus dem Garten kaputt, oder sie verteilte Wäscheklammern in den Blättern von Christines Pflanzen und im Fell der beiden Katzen. Als wir die Eier aßen, erzählte sie uns mehrmals, dass sie Eier hasste und sie wollte wissen, ob wir Zucker oder Salz auf die Eier streuten. Gegen 10 Uhr starteten wir schließlich. Christine war ganz traurig und wir natürlich auch. Auf die Minute genau trafen wir am vereinbarten Treffpunkt ein, nur Bruce hatte sich verfahren und erschien etwa 10 Minuten später. Gemeinsam ging es dann über den Freeway (Autobahn), wo man rechts und links die abgebrannten Wälder sah. Rosemarie erzählte mir später, dass der Freeway beim Brand im Sommer tagelang gesperrt war. Über mehrere Aussichtspunkte, von denen man das gegenüberliegende Palm Beach sah, fuhren wir nach Kilcare zum Strand. Eine Weile verweilten wir hier, lunchten, badeten und kletterten auf den Felsen herum. Jetzt machten wir uns auf den Weg zum Ferienhaus. Ich glaube hier könnten mühelos 9 Personen übernachten. Das Haus war vollständig eingerichtet mit kompletter Küche und Warmwasserbereiter. Besonders lustig war das Duschhäuschen mit selbstgebastelter Dusche. Wollte man warm duschen, musste man erst einen Behälter oberhalb der Dusche mit warmen Wasser füllen. Es gab Strom, aber kein Telefon und zu Ingrids Kummer keinen Fernseher. Bruce, Alica und Ingrid verschwanden, um Brennholz zu sammeln. Während Bruce im Garten grillte, tobten die Kinder im großen Garten herum. Es gab Mais, Würstchen und Kartoffeln in Alufolie. Es schmeckte sehr lecker. Familie Everett verabschiedete sich jetzt von uns, und wir ließen den Abend mit einem Glas Rotwein ausklinken.


Sonntag, 15. Mai 1994

Kookaburra vor dem KüchenfensterLeider konnte ich heute nicht besonders gut schlafen oder besser gesagt gar nicht. Sogar mit drei Decken habe ich gefroren wie ein Schneider, und es zog wie Hechtsuppe. Um drei Uhr morgens legte ich mich dann mit dem Kopf ans Fußende, dann ging es einigermaßen. Am nächsten Morgen bemerkte ich, dass ich das Fenster am Kopfende nicht ganz geschlossen hatte. Manfred und Ingrid schliefen gut. Beim Zubereiten des Frühstücks konnte ich einen "Laughing Kookaburra" beobachten, der direkt auf einem Baum vor dem Fenster saß. Weiter ging es nach Newcastle. Nach 1 1/2 Stunden erreichten wir Firma Hertz in Newcastle und holten hier unseren bestellten Kindersitz ab. Auf den Sitz haben wir diesmal bestanden, damit Ingrid nicht übel wurde, wie in San Francisco. Auch hier sah man auf der Fahrt lauter abgebrannte Bäume, aber wir wunderten uns wie schnell alles wieder grün wurde. In der Stadt parkten wir unseren Wagen und bummelten ein bisschen an dem schönen Strand entlang zum Leuchtturm. Obwohl Newcastle die zweitgrößte Stadt von New South Wales ist und eine große Industriemetropole, fanden wir sie recht hübsch und sauber. Am Strand verdrückten wir jeder einen riesigen Hamburger, den Ingrid kaum in den Mund bekam. Über den Highway 1 fuhren wir an Seen und an Wäldern vorbei bis Bulahdelah. Wir bogen Richtung Forster ab, um direkt am Wasser zu fahren. Hier wachsen die größten Eukalyptusbäume von New South Wales. An der Straße stand ein Schild, daß man während der nächsten 15 km mit Kängurus rechnen musste. Als ich das Ingrid erzählte fragte sie mich ganz erstaunt: "Wieso soll ich mir die denn ansehen?" In Forster fuhren wir über eine große Brücke nach Tuncurry, wo wir den Wagen abstellten und den Sonnenuntergang genossen. Zum Übernachten fuhren wir nach Wingham. Im Vorbeifahren entdeckten wir ein nettes Motel, dass zufällig ganz leer war. Der freundliche Officer gab uns das größte und ruhigste Zimmer und brachte uns Milch und Teebeutel. Zu Ingrids Freude stand direkt vor unserem Zimmer ein Trampolin. In einem Hotel, mit ganz leerem Speiseraum und knisterndem Kaminfeuer, aßen wir Abendbrot. Getränke musste man sich von der angrenzenden Bar, mit Durchreiche zum Speiseraum, selber besorgen. Manfred und ich aßen gemischten Grillteller mit Pommes Frites und Ingrid aß Hähnchen mit Reis. Alles zusammen kostete nur umgerechnet 25 DM und es schmeckte sehr gut. Anschließend machten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die City. Es gab hier recht interessante Schaufenster, z.B. gab es Zubehör für Selbstbrauer und Weinhersteller oder einen Teller zum Goldwaschen.


Montag, 16. Mai 1994

Fantasy LandHeute Nacht haben wir alle drei sehr gut geschlafen, wir konnten uns auch schön ausbreiten. Als wir aufwachten, schien die Sonne schon wieder und das Frühstück wurde uns durch eine Klappe ins Zimmer gereicht. Manfred ließ sich beim Abschied noch Ratschläge geben für unsere Weiterfahrt, dann ging es weiter. Wir wollten heute mal durchs Gebirge fahren. Der Weg führte an Farmland vorbei, durch Wald und es begegneten uns kaum Leute. Eine Wanderin marschierte mit Rucksack und barfuss die Fahrstraße entlang. Die Landschaft, die ans Allgäu erinnerte, war so schön, dass wir uns aus Spaß vorstellten, auf einer kleinen Farm hier zu leben. Nach 1 1/4 Stunden Fahrt stellten wir unser Auto auf einem ganz leeren Parkplatz ab und spazierten auf einem Waldweg zu den 160 m hohen Ellenborough Falls. Riesige Termitenhügel lagen links und rechts der Straße. Auf einer recht abenteuerlichen Strecke (ungeteerte Straße, sehr schmal und voller Schlaglöcher) gelangten wir nach Waugham. Die Ausblicke bis jetzt waren grandios. Der Abstecher ins Gebirge hatte sich aber auf alle Fälle gelohnt. Zurück an der Küste, hielten wir in Port Macquarie und besuchten Fantasy Land. Hier gab es viele Attraktionen für Ingrid, sprechende Kakadus, das Häuschen von Schneewittchen und den sieben Zwergen, eine Minikirche, ein Hexenhaus, ein Wasser-spuckender Drache, ein schiefes Haus und vieles mehr. Sogar einen frei lebenden Koala entdeckten wir auf einem Baum. Man merkte an den Pflanzen und Gerüchen, dass man so langsam in Richtung Tropen kam. Anschließend bummelten wir noch ein wenig an einem Strand entlang. Das ließen wir uns keinen Tag entgehen, die Füße ins Wasser zu baumeln. Bis es dunkel wurde fuhren wir noch bis South West Rocks. Wieder fanden wir ein nettes Motel. Die Bedienung im zugehörigen Restaurant war sehr langsam, aber das Essen dafür um so besser. Manfred und ich aßen ein Fischfilet "Dory" mit Tasmanischen Lachs, Ingrid Fischfilet mit Reis und Gemüse. Unser Frühstück für morgen wurde uns heute schon komplett ins Zimmer gebracht, mit Kaffeemaschine und Toaster. Heute legten wir eine Strecke von 230 km zurück.


Dienstag, 17. Mai 1994

South West Rocks oder Byron Bay?Wie immer ist das Wetter schön. Manfred schlief heute Nacht probehalber neben Ingrid im Doppelbett, aber es war wohl sehr nervig. Fast hätte er mich zum Tauschen geweckt. Immer wenn er kurz vor dem Einschlafen war, hatte er ein Bein im Bauch oder eine Hand im Gesicht. Es war morgens schon so warm, dass wir keine langen Hosen mehr brauchten. Auf Empfehlung des Officers machten wir einen kleinen Abstecher zum Leuchtturm, was sich auf alle Fälle lohnte. Von hier hatte man einen herrlichen Blick auf kilometerlange, menschenleere Strände mit blitze blauem Wasser und auf die bewaldeten Berge in der anderen Richtung. Wenn man hier keinen Strand für sich alleine findet, dann hat man selber schuld. Für heute nahmen wir uns vor, eine große Strecke zurückzulegen, damit uns noch etwas Zeit in Brisbane blieb. Ab Coffs Harbour sah man riesige Plantagen mit Bananen und hinter Grafton Zuckerrohr. Eigentlich wollten wir uns Grafton anschauen, aber wir waren enttäuscht von der Stadt. So besorgten wir uns nur im Touristenzentrum etwas Kartenmaterial für die Weiterfahrt. Unterwegs schmausten wir noch einen Hot Dog, dann ging es weiter. Der Highway wurde sehr oft 4-spurig, so dass man dicke Brummis relativ schnell wieder los wurde. Oft kamen Warnschilder vor kreuzenden Kängurus oder Koalas, aber wir sahen nur ein totes Känguru im Straßengraben liegen. Einen kleinen Stop legten wir in Ballina, etwa 200 km vor Brisbane ein. Ich wollte unbedingt im Maritime Museum das Balsafloß von Thor Heyerdahl sehen, mit dem 1973 eine Expedition von ihm, von Equador hierher segelte. Anschließend bummelten wir noch am Strand entlang am "Shelly Beach", wo Manfred eine große Muschel fand und eine dicke, gerade gestrandete Qualle entdeckte. Die Qualle hatte bestimmt einen Durchmesser von einem Meter und bewegte sich noch. Zum Übernachten fuhren wir nach Byron Bay, der östlichste Ort Australiens. Wir landeten im Bay Beach Motel, wo bedeutend mehr los war als in den vorherigen Motels. Beim Ausladen des Autos sprach uns unser Autonachbar plötzlich auf deutsch an. Wir bekamen einen fürchterlichen Schreck, aber er war Australier und sprach nur sehr gut deutsch, weil er ein Jahr dort gelebt hatte. Zum Abendessen gingen wir in das zum Haus gehörende Thai Restaurant. Die Bedienung war besonders aufmerksam und freundlich. Vorweg aßen wir Hühnersuppe mit Pilzen, Zitronengras und Kokosmilch, Manfred aß dann Ente mit Gemüse, Ananas und Lychie, ich Schweinefleisch süß/sauer und Ingrid probierte von beidem. Dann folgte noch der obligatorische Abendspaziergang. Manfred rief noch bei Bruce Schwester in Kingscliff an, dass wir morgen ein paar ausgeliehene Sachen vorbeibringen würden, aber nicht übernachten wollten. Zurückgelegte Strecke heute: 382 km


Mittwoch, 18. Mai

Als erstes brachen wir zum Leuchtturm von Byron Bay auf. Hier liegt der östlichste Punkt Australiens. Ein Spazierweg führte auf den Klippen entlang mit toller Aussicht, wie in den Prospekten beschrieben: endlose Strände, blaues Wasser, Berge im Hintergrund und steile Klippen mit Bergziegen unter uns. An diesen Punkt trafen wir wieder mehrere Deutsche. Anschließend ging es teils auf dem nicht ganz leeren Highway, teils auf Seitenstraßen am Meer entlang nach Kingscliff. Auf Anhieb fanden wir die Straße, wo Bruce Schwester wohnte. Sie empfing uns sehr freundlich, führte uns durch ihr riesengroßes Haus und bot uns selbstgebackene Kekse an. Ingrid spielte solange mit den beiden älteren Kindern, sie waren 5 und 3 Jahre alt. Das Baby schlief, der Mann arbeitete als Lehrer im Ort. Draußen stand ein Swimming Pool und drei Aquarien befanden sich innerhalb und außerhalb des Hauses. Sie erzählte uns, dass das Klima hier recht gleichmäßig wäre, sowohl im Winter, als auch im Sommer wären es immer ungefähr 28°C. Wir hielten uns nicht lange auf und fuhren weiter zur Gold Coast. Dies ist ein riesiger Touristenrummelplatz mit der Hauptstadt Surfers Paradise. Es reihten sich ein Hochhaus neben zwei andere. Hier hatte man die Chance auf einen überfüllten Strand zu treffen, ähnlich wie an der Adria. Ich weiß nicht, warum die Leute, die dort waren ausgerechnet von dieser Ecke so schwärmen. Auf der Spit, das ist eine Landzunge mit großen Vergnügungsparks, besuchten wir Sea World. Der Eintritt betrug etwa 100 DM für uns alle drei, dafür war innerhalb des Parks alles frei. Wir nahmen an der Delphinshow teil, Manfred fuhr Achterbahn, wir Wasserkanu, wo Manfred, der vorne saß klitschnass wurde. Dann ging es weiter mit Karussell, Eisenbahn, Haishow. Dies war ein Kino, und anstelle der Leinwand stand dort ein riesiges Becken mit Haifischen, wo die Taucher zwischen den Haien herumschwammen. Dort wurde uns die Entwicklung des Tauchsports vorgeführt. Weiter ging es nach Brisbane. Im Dunkeln suchten wir den Vorort Wynnum, denn mitten in der Stadt wollten wir nicht wohnen. Im Waterloo Bay Hotel, mit sehr gutem Restaurant machten wir halt. Die Bedienung war sehr freundlich. Manfred aß Tintenfischringe mit roter Chillisoße vorweg, dann Rumpsteak und hinterher Erdbeeren mit Vanillepudding, Ingrid "Fish und Chips" und hinterher Eis mit warmer Schokoladensoße und ich Barramundi und den gleichen Nachtisch wie Ingrid. Manfred und Ingrid hatten am Abend beide rote Punkte an den Armen. Wir haben bis heute nicht herausgefunden, warum. Zurückgelegte Strecke: 200 km


Donnerstag, 19. Mai 1994

BrisbaneNach einer ruhigen Nacht im Hotel gab es ein schönes Frühstück im Zimmer. Das Wetter ist, wie seit Tagen, wolkenlos. Die roten Punkte auf Ingrids und Manfreds Armen waren spurlos verschwunden. Wir fuhren nach Brisbane zu Hertz und brachten den Leihwagen zurück. Jetzt hatten wir für die Stadt noch den ganzen Tag zur Verfügung. Zuerst bummelten wir am Botanische Garten entlang, in Richtung Fußgängerzone, wo wir ein riesiges fünf stöckiges Einkaufszentrum betraten. In der einen Hälfte waren einzelne Shops untergebracht, in der anderen Hälfte befand sich ein Kaufhaus, wie etwa Karstadt bei uns. Das obere Stockwerk war ein riesiger Vergnügungspark mit Karussells, Spielautomaten, Eisenbahn... Ingrid konnte sich gar nicht davon trennen. Dann gab es mehrere Shops, wo man sich die Zukunft vorhersagen lassen, oder selber Karten legen konnte. Eigentlich sind wir nur hereingekommen um eine neue Filmkassette zu kaufen und Geld zu wechseln. Blieb man am Ende einer Rolltreppe unschlüssig stehen, wurde man gleich angesprochen und gefragt, ob man uns helfen könne. So etwas kann man sich in einem deutschen Kaufhaus nicht vorstellen. Draußen in der Fußgängerzone stießen wir auf einen Schülerchor-Wettbewerb. Zufällig sang gerade eine Gruppe "Muß i denn zum Städtele hinaus". Nach einer Stärkung bei McDonald, unternahmen wir auf dem Brisbane River eine 1 1/2 stündige Rundfahrt mit einem Schaufelraddampfer, war ganz nett. Da wir uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht recht auskannten, fuhren wir mit dem Taxi zurück nach Wynnum. Hier schlenderten wir noch an den Strand, von dem wir uns eigentlich etwas mehr versprochen hatten. Der Sandstrand war vielleicht 20 m lang, der Rest bestand aus Steinen. Auf dem Rückweg sahen wir uns noch ein paar Shops an, dann genossen wir die letzten Sonnenstrahlen auf unserer Zimmerterrasse. Abends aßen wir im gleichen Lokal, Manfred aß wieder Tintenfisch mit Chillisoße vorweg, dann Thaihähnchen, ich Schweinesteak mit Blaubeeren und Ingrid Nudeln mit Pilzen und Tomaten. Zum Nachtisch gab es wieder Vanilleeis mit warmer Schokoladensoße. Manfred und Ingrid drehten anschließend eine Runde, während ich die Koffer packte.


Freitag, 20. Mai 1994

Heute war unser letzter Tag in Australien. Um 9.00 Uhr wurden wir mit dem Taxi zum Flughafen transportiert. Dort kauften wir noch Mitbringsel und schrieben Karten, dann ging es los. Das Flugzeug war nicht sehr voll, wir hatten zwei Plätze am Fenster und einen Mittelplatz, wobei wir uns in der ganzen Reihe ausbreiten konnten. Die Sicht war gut, erst ab dem Äquator zogen immer mehr Wolken auf. Allein vier Stunden flogen wir nur über Australien. Es war das erstemal, dass ich eine Wüste gesehen habe. Eigentlich stellt man sich eine Wüste viel eintöniger und langweiliger vor. Manchmal bestand sie nur aus roten Felsen, dann aus Sand mit ausgetrockneten Flußläufen, die man als schwarze Striche sah und es gab auch richtige Gebirge. Zwischendurch erkannte man einzelne Wasserstellen, Straßen und wenige Häuser. Bevor wir Australien verließen, flogen wir über die zerklüftete Nordküste, mit endlosen Stränden soweit das Auge reichte, Wald, sandige Flußmündungen und das Meer in allen Farben schillernd. Dann ging der Flug lange Zeit nur über Wasser mit vereinzelten kleinen Inseln dazwischen.

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