Hongkong
Zeitverschiebung: MESZ + 6 Stunden
Freitag, 20. Mai 1994
Samstag, 21. Mai 1994
Nach einer Nacht, in der wir sehr gut schliefen, wachten wir mit einem
Superblick über die Stadt auf. Das Frühstück war
reichhaltig und lecker (Lachs, Kuchen, Bananenbrot mit Nüssen...).
Heute wollten wir zum Hafen gehen und mit einer Fähre nach Cheung
Chau fahren. Das ist eine autofreie Insel, etwa 1 Stunde von
Hongkong-Island entfernt. Am Anleger war es fürchterlich laut, voll
und das Wasser lud nicht gerade zum Baden ein. Alles was nicht reden
konnte, wurde einfach ins Wasser geworfen. Wir erwischten die Fähre
und fuhren in der Deluxe-Klasse, was bedeutet, dass man oben mit
Klimaanlage (im Eisschrank) sitzen durfte. Wir haben noch nie einen so bevölkerten
Hafen gesehen, große Dampfer fuhren neben kleinen Dschunken, die
ganz schön hin und her schaukelten. Auf der Fahrt sah man erst, wie
bergig Hongkong ist. Auf der Insel bummelten wir in dem kleinen Fischerort
an den Ständen vorbei, die so klein sie auch waren, vollgestopft
waren von oben bis unten. Der Müll stand einfach daneben. Es war
recht heiß, 32°C und 89% Luftfeuchtigkeit und Ingrid lief schon
rot an im Gesicht. Wir kauften ihr eine Schirmmütze und machten
mehrere Trinkpausen, damit sie nicht umfiel. Unterwegs sahen wir ein paar
Jungs, die mit Steinen auf Vögel warfen, damit sie herunterfielen und
dann zum Verkauf eingesammelt werden konnten. Als
der gemütliche Teil des Spazierweges endete und die Steigung begann,
kehrten wir um. Unterwegs hörten wir plötzlich ein Geräusch,
das sich anhörte, als ob Wasser in Leitungen laut zischte, aber es
waren auf den Bäumen sitzende Zikaden mit einer Länge von etwa
8cm. Unser Rückweg führte durch schattige enge Gassen an Shops
vorbei, wo überhaupt keine europäischen Schriftzeichen mehr zu
finden waren. Nach zwei Stunden Aufenthalt fuhren wir wieder zurück.
Das Schiff war jetzt vollbesetzt und an jedem 5. Tisch wurde lauthals
Karten gespielt. Ingrid versuchte mit Stäbchen Nudeln und Würstchen
zu essen. Die Chinesen um uns herum schauten ihr lachend dabei zu. Ein Löffel
war nicht aufzutreiben. Der einzige Löffel im Raum steckte gut
bewacht in einer Zuckerdose. Diesmal liefen wir zu Fuß vom Anleger
zum Hotel, teils auf einer Fußgängerstraße über der
Autostraße, teils durch miteinander verbundene Einkaufszentren und
teils durch den neuen Hongkong Park. Abends wählten wir ein Dim Sim
Lokal im Shopping Center unterhalb unseres Hotels. Es nannte sich das
beste Dim Sim Lokal in Hongkong. Es gab Suppe scharf/sauer, Spareribs süß/sauer
und Schweinefleisch mit Gemüse, zum Nachtisch Mango Pudding mit "Gummiband".
Das war ein Herz auf dem Pudding, das laut Ingrid nach Gummiband
schmeckte. Manfred und ich versuchten zuerst mutig mit Stäbchen zu
essen, gaben dann aber auf und bestellten Messer und Gabel. Wir waren
etwas enttäuscht von dem Essen, es war recht fett.
Sonntag, 22. Mai 1994
Heute
ist leider unser letzter Urlaubstag. Die Mücken mochten mich gestern
wohl besonders gern, jedenfalls schmierte ich mich heute vorsichtshalber
ein. Nach einem reichhaltigen Frühstück, mit Blick zum
Swimming-Pool fuhren wir mit dem Taxi zur Peak-Trambahn. Nach 1/4 Stunde
warten in der Schlange, fuhren wir mit der Bahn, die wie die Cable Cars in
San Francisco funktioniert, auf den 300 m hohen Berg, der Peak
genannt wird. Hier machten wir einen Rundweg um den Berg herum. Vom ganzen
Weg hatte man einen schönen Blick auf den Hafen mit den vielen
Schiffen und den Inseln. Da heute Sonntag war, wanderten hier viele
Hongkonger. Wenn man in der Sonne ging, traf einen fast der Schlag, aber
im Schatten unter den Bäumen war es recht angenehm. Wir sahen
unterwegs viele große Schmetterlinge. An der Bahnstation befand sich
ein riesiges Einkaufszentrum, wo wir herumliefen um uns abzukühlen
(Klimaanlage). Wollte man hier im Restaurant essen, musste man erst
Schlange stehen. Wir fuhren wieder herunter und bummelten durch den
Hongkong Park. Steht man hier irgendwo Schlange, wunderte man sich als
Europäer, dass man plötzlich am Ende der Schlange stand, auch
wenn man sich vorher irgendwo in der Mitte befand. Hält man auch nur
1 cm Abstand zum Vordermann, wird die Lücke von mehreren Chinesen
ausgefüllt. Was uns im Park wunderte, dass bei den Familienausflügen
eine Person oft ein Megaphon dabei hatte. Im Einkaufszentrum unter unserem
Hotel schmausten wir in einem englischen Restaurant Spaghetti, bummelten
durch Spielzeug- und Büchergeschäfte und wurden dann von der
freundlichen Dame, die uns zum Flughafen begleiten sollte, wieder
abgeholt.
Rückreise
Sonntag, 22. Mai 1994
Die Fahrt war wieder interessant, da standen Barracken, wo Hunderte von Menschen drin wohnten, direkt neben supermodernen Bank- und Hotelhochhäusern. Als Europäer hat man wohl keine Chance hier im Straßenverkehr. Es wird gedrängelt, gehupt und irgendwie geht es trotzdem voran im dicksten Gewühl. Der Service ging so weit, dass wir uns nicht mal um unsere Bordkarten kümmern mussten. Während wir uns in einer Schlange bei Qantas anstellten, drängelte unsere Führerin sich am nächsten Schalter ganz nach vorne und besorgte unsere Karten. Der Abflug war planmäßig und dauerte 2 1/4 Stunden bis Bangkok. Leider hatten wir hier knappe 4 Stunden Aufenthalt. Wir sahen uns die Shops an und in der letzten Stunde legte sich Ingrid auf den Fußboden und schlief. Kaum im Flugzeug angekommen, schlief sie gleich wieder ein und wir bekamen sie auch zum Abendbrot nicht mehr wach.
Montag, 23. Mai 1994
Da wir einen schweren Transport im Flugzeug hatten und viel Gegenwind herrschte, brauchten wir, laut Kapitän, eine Stunde länger, also 11 Stunden und 40 Minuten. Der Flug verlief recht angenehm, die Landung war so sanft, dass alle Beifall spendeten. In Frankfurt mussten wir erst eine Weile warten, bis wir aussteigen durften, da unser Gate mit einem defekten Lufthansa Flugzeug belegt war, das man gerade abschleppen wollte. Leider hatte sich der Führer des Abschleppautos so stark verletzt, dass er nicht mehr fahren konnte, und es gab wohl Schwierigkeiten bei der Beschaffung eines Ersatzfahrers. In Frankfurt waren es 12°C und es regnete. Daraufhin bot uns der Pilot an wieder zurückzufliegen ins 28°C warme Bangkok. Mit der Passkontrolle und dem Gepäck verlief alles problemlos. Der ICE war recht leer. Neben uns saß ein Paar mit großem Hund. Um dem Hund ein bisschen Bewegung zu verschaffen, wanderte der Besitzer auf und ab und ließ sich in einem eigenen Abteil nieder. Ingrid tastete sich langsam auch dorthin und blieb schließlich ganz dort. Pünktlich um 13 Uhr waren wir wieder zu Hause. 43 Stunden waren wir jetzt ohne Schlaf. Diese Nacht schliefen wir dafür gute 10 Stunden.