|
Samstag, 5.8.95
Nach 7
Stunden und 45 Minuten Flugzeit landeten wir um 16 Uhr in Toronto/Kanada.
Die Außentemperatur betrug 23°C bei bedecktem Himmel. Beim
Hertz-Schalter nahmen wir unser Auto in Empfang, einen weißen Ford
Escord. Der größere Wagen, den wir bestellt hatten, war leider
nicht verfügbar, so erhielten wir den entsprechenden Preisnachlass.
In der Stadt fand an diesem Wochenende irgendein Festival statt. Der Mann
am Hertz-Schalter empfahl uns, außerhalb der Stadt ein Hotel zu
suchen. Die Landschaft auf dem Highway durch die Vororte von Toronto war
nicht besonders schön, eher wie alle Stadtautobahnen: viel Industrie,
riesige Stromleitungen und große Werbeschilder am Rand. Wir fuhren
etwa 120 km aus der Stadt heraus Richtung Niagara Fälle, nach Vineland
Station. Direkt am Highway entdeckten wir ein Motel, Days Inn,
was einen guten Eindruck machte. Der Empfang sah recht gut aus, mit
direktem Blick auf einen Swimming Pool. Wir fanden daher den Zimmerpreis
von umgerechnet 150 DM in Ordnung. Als wir das Zimmer aber besichtigten,
bekamen wir einen Schreck. Die Eingangstür sah schon ziemlich
demoliert aus, von der Decke bröckelte der Putz und es roch, wie
schon einmal hinein gepinkelt. Wir ließen uns ein anderes Zimmer
geben, was etwas besser in Schuss war.
|
Sonntag,
6.8.99
Ingrid
war schon vor uns auf, saß angezogen bereit und schrieb Tagebuch,
bis wir Langschläfer endlich aufwachten. Sie hatte auch mehrere
Stunden im Auto und Flugzeug fest geschlafen. Das Frühstück
passte überhaupt nicht zu dem Motel. Es war sehr gut mit freundlicher
Bedienung. Für umgerechnet 18 DM wurden wir satt (Kaffee bzw.
Apfelsaft, Cornflakes, Toasts und Rührei). Auf dem Weg zum
Motelzimmer stellte Manfred fest, dass die dicksten Frauen in Amerika
leben. Über die Weinstraße begaben wir uns nun Richtung
Niagarafälle. Die Straße führte an Weinhügeln vorbei.
Viele deutsch klingende Namen konnte man an den Weingütern finden. In
Niagara Falls, auf der kanadischen Seite, herrschte sehr viel
Trubel. Die Wasserfälle waren sehr beeindruckend, besonders der
Horseshoe Falls. Von ihm stieg eine hohe Wolke spritzendes Wasser auf.
Manfred war eher enttäuscht, er hatte sich die Wasserfälle größer
vorgestellt und inmitten der Natur liegend. Aus dem Reiseführer
entnommen: "Mehr als 10 Mio. Besucher fahren jährlich dorthin,
um die Wasserfälle zu erleben. Es sind 2 Wasserfälle, der
amerikanische ist 328 m breit und stürzt in 2 Stufen 55 m tief; sein
südlicher Teil wird "Bridal Veil Fall", Brautschleierfall,
genannt. Der kanadische "Horeshoe Fall", Hufeisen-Fall, der den
Namen seiner Form verdankt, ist 640 m breit und stürzt 54 m tief."
Besichtigen kann man die Fälle per Boot, per Turm oder einfach nur
vom Ufer, so wie wir. Schließlich hatten wir genug von der Jahrmarkt
Stimmung. Weiter ging es zur US-Grenze. Die Pässe wurden uns hier
abgenommen. In einer überfüllten Baracke (Immigration Büro)
mussten wir Listen ausfüllen und unsere Pässe wieder abholen. Es
herrschte hier ein ziemliches Chaos.
Auf
dem gut ausgeschilderten Seaway Trail am Ontario See entlang, führten
wir unsere Reise fort. Durch Umleitungen, wegen einer gesperrten Brücke,
kamen wir etwas von der Strecke ab und landeten in Ridgeway. In einer
Tankstelle erkundigte sich Manfred nach einem Motel. Die Kassiererin
empfahl uns Medina. Dort angekommen stand ein großes Schild "No
vacancy" und im Büro war kein Mensch zu sehen. Aber neben dem Büro
hing ein Telefon mit einem Zettel, wo man anrufen sollte, wenn das Büro
unbesetzt war. Manfred probierte sein Glück und es klappte tatsächlich.
Er brauchte nur die Nummer seiner Kreditkarte durchgeben, das Zimmer Nr.
11 war nicht abgeschlossen. Der Schlüssel lag innen. Das Zimmer war
kein Vergleich zu dem von gestern. Es war sauber, groß und kostete
nur halb so viel. In Medina waren die Gehwege schon hoch geklappt. Aber
nach längerem Suchen fanden wir eine Pizzeria. Als erstes schnippte
mir Manfred, versehentlich meinte er, eine Fliege in den lockeren T-Shirt-Ärmel.
Ich bekam sie zuerst nicht heraus. Das war ein komisches Gefühl. Wenn
ich eine Weile still saß, krabbelte es plötzlich wieder unterm
Arm. Ich war schon drauf und dran, mich zu entblößen, als die
Fliege doch noch den Ausgang fand. Ingrid aß Spaghetti, Manfred
bestellte sich eine mittelgroße Pizza und ich eine Pizza Bambino.
Manfreds Pizza hatte bestimmt einen Durchmesser von 60 cm, und meine hatte
Tortengröße. Wir schafften beide vielleicht knapp die Hälfte,
denn die Böden waren etwa doppelt so dick wie bei uns. Die Bedienung
brachte uns Behälter zum Einpacken, wir mochten nicht ablehnen. Draußen
wussten wir aber nichts Rechtes damit anzufangen. Im Zimmer befand sich
kein Kühlschrank, also wohin damit? Wir suchten nach einem
Abfalleimer. Manfred entdeckte einen und versuchte die Pizza
hineinzustopfen. Als es gar nicht funktionierte, merkten wir schließlich,
dass der Mülleimer ein Briefkasten war. Gott sei Dank hat uns keiner
zugeschaut. So kann es Greenhorns gehen.
|
Montag, 7.8.95
Nach
einer ruhigen Nacht, fuhren wir zum Frühstück zu einem
Familienrestaurant. Es gab nur recht massive Sachen, außer für
Kinder. So aß Manfred Pfannkuchen mit Speck, Ingrid Toast mit
Marmelade und ich "French Toast" (armer Ritter) mit Ahornsirup
und Würstchen. Wenn man die Amis an den Nebentischen beobachtete, weiß
man warum sie so dick sind. Die meisten essen Bratkartoffeln, Speck und Rührei.
Und alles wird erst einmal ordentlich nachgepfeffert und -gesalzen.
Anschließend unternahmen wir einen kleinen Stadtbummel durch Medina.
Da ich in einem Schaufenster billige LEVIS-Jeans entdeckte, die bei uns
das dreifache kosteten, betraten wir den Laden. Ganz ungestört
konnten wir hier, als die einzigen Kunden herumstöbern. Leider kannte
Manfred seine amerikanische Größe nicht, und so testete er
zuerst mal bei den größeren Hosen. Er begann mit einer Jeans
mit der Bezeichnung "Dickie". Plötzlich hörte ich
Ingrid lachen und lachen. Manfred berichtete, dass die Hose einen so
riesigen Bauch hatte, dass zwei Manfreds hineingepasst hätten.
Bei
den kleineren Größen fanden wir beide je eine lange und eine
kurze Jeans. Im Nachbargeschäft erstanden wir auch für Ingrid
eine kurze Hose. Die Verkäuferin schätze Ingrid gleich auf die
richtige Größe und freute sich so darüber, dass wir gleich
ins Gespräch kamen. Wir wurden gefragt, woher und wohin, was bei uns
die Sachen kosteten usw. Schließlich war die ganze Belegschaft,
bestehend aus drei Frauen und einem Mann um uns herum versammelt.
Visitenkarten wurden getauscht und eine Verkäuferin schenkte uns
einen selbst gebastelten Weihnachtsstern. (Niagara Fälle sprachen wir
wohl so falsch aus, dass sich die Belegschaft totlachte, als sie endlich
herausbekamen, was wir meinten.) Nachdem wir lange Zeit geplaudert hatten,
drängten wir zum Motel, denn wir mussten unser Zimmer bis 11 Uhr geräumt
haben. Die Verkäuferin meinte, keine Eile, sie kenne den Besitzer und
wir könnten uns auf sie berufen, falls wir wegen der Zeit Ärger
bekämen. Weiter ging die Fahrt. Eine kleine Fotopause mussten wir
kurz vor Medina an einem "Zementwerk" einlegen. (Cemetery =
Friedhof, aber als Manfred das Schild zum ersten Mal sah, dachte er es wäre
ein Zementwerk.
Darum
nannten wir Friedhöfe von nun an nur noch Zementwerke.) Jedenfalls
war dieser besonders niedlich (kitschig). Auf jedem Grab wehte ein kleines
amerikanisches Fähnchen. Über Felder, durch Dörfer und
Obstplantagen ging es nach Rochester. Alle 300 Meter wurden Äpfel,
Pfirsiche, Himbeeren und Kartoffeln zum Kauf angeboten. Maurer wurden in
diesem Teil der USA arm, es gab nur Holzhäuser. Kirchen aller möglichen
Konfessionen sah man, am häufigsten die Baptisten Kirchen, aber auch
Katholische-, Methodisten-, Jehova- und Nazarena Kirchen. Das Autofahren
ist sowohl für den Fahrer als auch für den Beifahrer sehr
entspannend. Man fährt gemütlich vor sich hin, keiner überholt
und man braucht auch nicht zu überholen. Sogar in den Städten
warten die Amerikaner geduldig hinter einem Auto, das auf der Abbiegespur
hält, weil der Fahrer noch einen Blick auf die Karte werfen muss.
Hupen hört man eigentlich nie. Die Wegweiser an den Straßen
enthalten fast ausschließlich Straßennummern z.B. Richtung 6
North, oder 50 East... Das vereinfacht sehr das Kartenlesen, denn jede
Straße hat eine Nummer. Man muss also nicht unbedingt die nächsten
fünf Orte kennen, wie bei uns. Ab Rochester ging es den "Seaway
Trail" am Ontario See weiter. Kurz vor Sodus Point entdeckten
wir zu Ingrids Vergnügen eine fürchterlich kitschige
Minigolfanlage mit Neuschwanstein-Nachbau. Eine Runde spielten wir auf der
leeren Anlage. Ingrid war begeistert. In Sackets Harbour entdeckte
Manfred ein nettes Motel, dass aber leider schon belegt war. Die
freundliche Besitzerin schickte uns zu einem 20 Meilen entfernten Motel,
zwischen Stone Mill und Pearch River gelegen, das ihr auch gehörte.
Es war zwar keiner da, aber sie glaubte Zimmer 9 wäre nicht
abgeschlossen. Das stimmte. Das Motelzimmer war mit lauter kitschigen
Kleinigkeiten geschmückt. Es gab kein warmes Wasser und in meinem
Bett musste ich erst eine Kakerlake entfernen, dafür war es ruhig und
kostete nur 39$. Abends bummelten wir noch ein bisschen durch Sackets
Harbor und genossen den Sonnenuntergang über dem Wasser. Der Ort ist
wohl ein geschichtsträchtiger Platz aus dem Unabhängigkeitskrieg.
Jedenfalls gibt es hier ein Denkmal der Gefallenen und ein Museum. Im
Steak- und Seafood House schmausten wir Abendbrot. In Deutschland zurück,
erhielten wir ein schriftliches Dankeschön von der oben erwähnten
Motelbesitzern.
|
Dienstag, 8.8.95
Die
Sonne knallte in unser Zimmer, darum erwachten wir schon recht früh.
Gegen 8 Uhr brachen wir auf, um im Nachbarort uns und das Auto zu
verpflegen. In einem typisch amerikanischen Schnellimbiss in Depauville
frühstückten wir. Ein Mann saß vor dem laufenden Fernseher
an der Theke und blickte gebannt auf eine Familienserie, die gerade lief.
Als sie zu Ende war, verharrte er in absoluter Bewegungslosigkeit und
starrte weiter auf den Bildschirm. Die Bedienung schlurfte durch das
Lokal, mehrere "Panzer" kamen noch herein. Ingrid aß
Cornflakes, Manfred Rührei mit Toast und ich Toast mit Marmelade. Das
ganze für 7$. Hinter Clayton machten wir einen Abstecher auf der 81
North zu einer der "Tausend Inseln". Die Thousand Islands
liegen im Ausfluss des Ontario Sees und im Oberlauf des
St.-Lorenz-Stromes. Die wirkliche Zahl der Inseln wird heute mit 1753
angegeben, von denen etwa 2/3 zu Kanada gehören. Wir besuchten Wellesley
Island. Man hatte einen tollen Blick auf viele kleine Inselchen mit
manchmal nur einem Haus und einem Baum besetzt. Der Ausflug hierher hatte
sich gelohnt. Bis Morristown fuhren wir noch mit tollem Blick auf die
Inselchen am St. Lawrence River entlang, dann ging es ins Landesinnere.
Die Häuser wurden immer ärmlicher. Weiter ging es in den Adirondack
Park an vielen Seen vorbei. Es wurde immer gebirgiger und bewaldeter.
An den Straßen wurde jetzt kein Obst mehr angeboten, sondern
Ahornsirup und Mais. Ein kurzes Päuschen legten wir noch an einem See
ein, weil er so schön einsam dalag. Es badete nur eine kleine Gruppe
Radler. Das Wasser sieht überall in den Adirondacks ganz dunkelbraun
aus durch gelöstes Eisen. Langsam wurde es Zeit eine Unterkunft zu
suchen, außerdem gefiel es uns in diesem Gebirge sehr gut. Ich
erinnerte mich, in der Nähe von Syranac Lake, in Ray Brook
ein schönes Motel gesehen zu haben.
Es
bestand aus lauter kleinen Blockhütten, die ganz malerisch an einem
kleinen, namenlosen See lagen. Glück gehabt, eine Hütte war noch
frei. Wir waren davon so begeistert, dass wir gleich für vier Nächte
bis Samstag buchten. Im Häuschen gab es ein Schlafzimmer, ein
Wohnzimmer, eine voll eingerichtete Küche, ein Bad und eine Essecke
mit Blick auf den See. Zwischen Hütte und See war sogar eine
Feuerstelle, drei bequeme Polstergartenstühle und ein Picknicktisch
mit Bänken. Wenn man Lust hatte, konnte man sich ein Ruder- oder
Paddelboot aussuchen und auf den See hinausfahren. Den Grillplatz mussten
wir abends unbedingt testen. Also besorgten wir uns vom nächsten
Supermarkt Würstchen, Fleisch, fertige Salate und Brötchen. Zum
Trinken gab es Old Milwaukee. In dem riesigen Einkaufszentrum entdeckten
wir zum ersten Mal Deutsche. Sie standen vor dem Regal mit Milchprodukten
und schimpften über die labberige Milch. Denn es gab hier weder
Jogurt noch Milch mit mehr als 2% Fett. Schweinefleisch gab es so gut wie
gar nicht, dafür viel preisgünstiges und zartes Rindfleisch. An
der Salatbar hatte man eine Auswahl von 65 Salaten und 20 verschiedenen
Dressings (Ingrid und ich zählten sie extra). Wir kauften noch drei
Tageszeitungen, aber von außerhalb der USA stand so gut wie gar
nichts drin. Nur der Bosnienkrieg wurde nebenbei erwähnt. Weiterhin
lasen wir noch einen großer Artikel über die Schwarzbären
im Adirondack Park in einer Zeitung. Es gab hier noch etwa 4000 Bären
und die Regierung überlegte, ob sie zum Teil abgeschossen werden
sollten, da sich die Probleme mit den Touristen häuften. Das Grillen
hat übrigens Spaß gemacht, das werden wir wohl wiederholen.
|
Mittwoch, 9.8.95
Die
Sonne schien, und wir genossen unser Frühstück mit Blick auf den
See. Als wir heute aus dem Fenster schauten, waren beide Mülleimer
vor der Tür umgeworfen, und der Müll lag verstreut herum. Das
mussten irgendwelche Tiere gewesen sein, denn Rabauken hätten mehr Lärm
gemacht. Manfred kam mit einem Nachbarn in Gespräch, der schon seit über
30 Jahren hier seinen Urlaub verbrachte. Der erzählte ihm, dass er
1964 mal in unserer Hütte wohnte, da hatte ihm ein Waschbär
(Raccoon) den Mülleimer umgeworfen. Naja, dann war das bei uns
vielleicht auch einer. Anschließend unternahmen wir auf dem leeren
See eine wunderschöne Bootsfahrt. Wir sahen Seerosen, Enten, sogar
Wasserschildkröten und kleine Fischchen. Im Wasser lagen dicke Baumstämme,
die manchmal aus der Oberfläche herausragten. Ingrid wurde als
Steuermann eingeteilt, da sie vorne saß. Wir versuchten ihr
Seemannsprache beizubringen (Steuerbord und Backbord), denn die Navigation
war nicht einfach. Das Wasser ist genauso dunkelbraun, wie alle Gewässer
hier. Eigentlich wollten wir heute einen Wasserfall besichtigen, aber auf
dem Weg dorthin entdeckten wir einen Sessellift, mit dem wir unbedingt
fahren wollten. Der Lift führte auf den 1053 Meter hohen Whiteface
Mountain. Das ganze Gebiet wurde zu den olympischen Winterspielen 1930
und 1980 in Lake Placid erschlossen. Man fühlte sich wie in den
Alpen, und der Ausblick über das Adirondack Gebirge, bis hin zum Lake
Champlain war einmalig, trotz Ingrids Frage: "Was wollen wir
eigentlich hier oben?". Die Berge sind vollständig bewaldet mit überwiegend
Nadelbäumen, Birken und Ahorn. Nur ein paar Seen blitzen zwischen den
Bäumen durch. Der Whiteface Mountain ist der einzige Berg der
Umgebung mit ein paar Schneisen zum Skilaufen. Laut Reiseführer ist
der Adirondack Park neben Alaska das größte Wildnisgebiet der
USA, so groß wie der ganze Staat Vermont. Seine Berge gehören
zur Gebirgsgruppe der Appalachen im Nordwesten des Staates New York mit höchsten
Erhebungen von 1200 bis 1400 m. Es gibt hier 2300 Seen und zahlreiche Flüsse
und Bäche. Seinen Namen erhielt er 1857 zur Erinnerung an einen hier
lebenden Indianerstamm. Auf dem Rückweg kauften wir im Supermarkt
noch Grillgut. Manfred wollte an der Kasse schon beim Einpacken helfen,
als die Kassiererin ihm energisch mitteilte, dass dies ihr Job wäre.
Zurück in Sherwood Forest relaxten wir bei Kaffee und Kuchen und
einer kleinen Bootsfahrt auf "unserem See". Abends grillten wir
natürlich wieder.
|
Donnerstag, 10.8.95
Als
wir erwachten, war der Himmel wieder blitzblank. Obwohl es tagsüber
an die 30°C warm wurde, kühlte es in der Nacht doch ziemlich
stark ab. Nach Sonnenuntergang waren wir froh über unsere langen
Hosen und warme Pullis. Heute fuhren wir zum High Falls Gorge
zwischen Lake Placid und Wilmington gelegen. Diese Schlucht entstand durch
den Ausable River. Über kleine Brücken und Stege kann man durch
die Schlucht laufen und von Aussichtsplattformen auf den 213 Meter hohen
Wasserfall blicken. Dafür, dass man in einer halben Stunde
durchmarschieren kann, ist es eine teure Angelegenheit, 11$ für uns
drei. Nachmittags bummelten wir ein bisschen durch den 1819 gegründeten
Ort Saranac Lake. Hier ist nicht so viel Trubel wie in Lake Placid
und es gibt einen schönen Spazierweg am See entlang. Wegen seiner
klaren Gebirgsluft versuchte hier der Autor der Schatzinsel, Stevenson
seine Tuberkulose auszukurieren. Abends fand wieder unser obligatorisches
Grillen statt. Ingrid kochte ich Nudeln, da sie kein Fleischfan war. |
Freitag, 11.8.95
Das
erste Mal nach langer Zeit, dass der Himmel bedeckt war. Unsere Haut hatte
auch eine Pause verdient. Die Mülltonne lag heute schon wieder
umgeworfen vor unserer Haustür. Nach einer morgendlichen Bootsfahrt
auf dem Haussee fuhren wir nach Ausable Chasm. Dies ist eine tiefe
Schlucht an der Stelle, an der der Ausable River in den Lake Champlain
fließt. Ausable Chasm gehört zu den ältesten organisierten
Touristenattraktionen der USA (seit 1870). Ein Fußweg führte über
steinerne Stufen, hölzerne Treppen und Brücken durch die
Schlucht bis zum Table Rock, vorbei an massiven Felsformationen (Potsdamer
Sandstein), die einem Elefantenkopf und einer Kathedrale ähneln.
Eigentlich ist die Schlucht für Fußgänger Einbahnstraße.
Am Table Rock geht es mit einem Boot weiter. Aber erstens wollte Ingrid
nicht in das Boot, zweitens haben wir vergessen, uns Tickets zu besorgen
am Eingang. So drehten wir am Ende gegen den Menschenstrom wieder um.
Hier, zwischen den hohen Felsen war es fürchterlich schwül, uns
lief das Wasser aus allen Poren. Auf dem Rückweg legten wir einen
Stop in Lake Placid ein und bummelten an den Schaufenstern
entlang. Diese Stadt war schon zweimal Austragungsort der olympischen
Winterspiele und sie liegt an den beiden Seen Lake Placid und Mirror Lake.
Im Hintergrund sah man den höchsten Berg New Yorks herausragen, den
Mount Macy. Vor dem Olympiazentrum wurde täglich ein frischer
Schneehaufen abgeladen (und das bei 30°C), damit sich die Touristen
im Schnee fotografieren lassen konnten. Auch das Geschäft mit dem
Weihnachtsschmuck boomte. Nachmittags gab es einen heftigen Gewitterguss.
Wie bestellt hörte der Regen aber zum Grillen auf. Es war zwar noch
etwas feucht draußen, aber wir hatten das Brennholz unter der Hütte
ins Trockene gelegt. Heute piesackten uns zum ersten mal die Mücken
ganz fürchterlich. Ich glaube Manfred zählte am nächsten
Tag fast 15 Stiche. Nur Ingrid wurde vollständig verschont. |
Samstag, 12.8.95
Heute
morgen, als wir erwachten regnete es. Es war unser letzter Tag in Sherwood
Forest. Kaum zu glauben, dass erst eine Woche Urlaub vorbei war.
Wenn man so viel erlebte, kam einen die Zeit viel länger vor. Nach
dem Frühstück verabschiedeten wir uns von dem Motelbesitzer, ließen
uns noch einen Prospekt geben und starteten los. Inzwischen ließ der
Regen nach und Manfred besorgte sich in Lake Placid ein Pfeifenanfängerset,
Ingrid einen kleinen Stofftier-Schwarzbären und ich ein T-Shirt.
Weiter ging es über Saranac Lake, den Weg 3 durch die Adirondacks bis
Plattsburgh. Hier gab es wenig Farmen, aber verstreute Wohnhäuser.
Und überall an der Straße wurden die unmöglichsten Sachen
und Gerümpel zum Kauf angeboten. Ab Plattsburgh führte unsere
Straße am Lake Champlain entlang, den Weg Nr.9 und 9N zum Rouses
Point. In diesem kleinen Ort, dem letzten in New York, bevor wir nach
Vermont reisten, bummelten wir ein bisschen und schmausten in einem
typisch amerikanischen Imbiss. Hier am Lake Champlain war es sonnig und
schwülwarm. Unsere nächste Station hieß Burlington in
Vermont. Hier fielen die großen intakten Farmen auf, und die
fehlenden überdimensionalen Werbeschilder an den Straßen. Aus
dem französischen übersetzt bedeutet Vermont: grüne Berge
(Les verts monts), denn mehr als 60% der Fläche sind mit Wald
bedeckt. ¾ der Bevölkerung lebt hier von der Landwirtschaft. In
der 1773 am Lake Champlain gegründeten Stadt Burlington
leben heute ca. 38.000 Menschen. Einen davon, eigentlich vier, wollten wir
einen Besuch abstatten, darum die lange Fahrt hierher. Für morgen
waren wir verabredet, aber jetzt brauchten wir erst einmal eine
Unterkunft. Hier in der Stadt war es uns zu hektisch, so probierten wir
unser Glück in Waterbury, Richtung Green Mountains im Holiday
Inn. Der Ort liegt etwa 30 Meilen von Burlington entfernt. Der
Blick von hier auf die Berge war toll. Auf einer Bank im Grünen
testete Manfred seine neue Pfeife. Aber ich stellte fest, dass Pfeife
rauchen zwar ekelhaft schmeckt, aber gut riecht, wenn es ein anderer
raucht. Manfred gewöhnte sich wohl langsam daran. Abendessen gab es
im Hotel.
|
Sonntag, 13.8.95
Die
Sonne strahlte aus allen Löchern. So gut wie die letzten vier Nächte
schliefen wir hier natürlich nicht, aber wir waren ja auch sehr verwöhnt
von unserer Blockhütte. Punkt zehn Uhr trafen wir am verabredeten
Punkt in Burlington ein. Unser Bekannter Franz kam uns schon mit
der kleinen Gloria auf dem Arm entgegen. Er fuhr mit seinem Auto vorweg,
und wir folgten ihm zu seinem Haus. Es war ein großes Reiheneckhaus.
Ging man den 50 Meter hohen Abhang hinter seiner Terrasse hinunter, war
man direkt am Lake Champlain. Wir frühstückten ein zweites Mal
auf der Terrasse, mit schönem Blick über den ganzen See bis hin
zu den Adirondacks. Die Mieter der Häuser teilten sich den Swimmig
Pool, den wir im Anschluss besuchten. Ingrid wollte gar nicht mehr
heraus aus dem Wasser. Als Wasserspielzeug waren hier gerade farbige,
schwimmende, biegsame, etwa ein Meter lange Kunststoffstangen modern. Man
kann sich drauflegen oder sie irgendwo unter stopfen, wie ein
Schwimmreifen. Glorias Eltern waren ständig bemüht, dass die
etwa drei Jahre alte Gloria nicht ihre Badehose auszog. Kaum drehten sie
sich um, war sie schon wieder unten. Natascha erzählte mir, dass ein
Nachbar schon einen schriftlichen Beschwerdebrief erhalten hatte, da seine
Kinder nackt badeten und nicht in die Umkleidekabine gingen, tstststss.
Nach dem Baden bummelten wir zurück und starteten mit dem Grillen auf
der Terrasse. Franz und Natascha erzählten ein bisschen von hier.
Beiden gefiel es gut, nur die Winter waren sehr hart. Es kann bis zu -30°C
werden. Und die Häuser waren so gut wie gar nicht isoliert, dass es
an allen Ecken und Enden reinzog. Im Schlafzimmer wurde es dann nie wärmer
als 15°C. Im letzten Winter hatte Natascha sämtliche zur Verfügung
stehenden Handtücher zum Abdichten der Türen und Fenster
verwendet. Gemütlich sah es dann nicht mehr aus. Dafür waren die
Sommer um so schöner. Markus, der 16 jähriger Sohn, musste über
Manfreds Sprüche so lachen, dass er sie am liebsten auf Tonband
aufgenommen hätte, um mal wieder lachen zu können. Zum Beispiel
sagte Franz, der im Bund Naturschutz sehr aktiv war: "Ich kämpfe
bis zum letzten Baum", worauf Manfred erwiderte: "Ich kämpfe
bis zum letzten Weißbier". Ich hoffte nach dem Abend, dass
Franz nicht zu sehr beleidigt war. Ich fand, dass es ein sehr schöner
Tag war. Gegen 21 Uhr brachen wir auf. Franz brachte uns noch bis zur
Autobahnauffahrt, dann ging es mit der schlafenden Ingrid auf dem Rücksitz
zum Holiday Inn zurück.
|
Montag, 14.8.95
Ein
paar Blicke zurück in die Green Mountains, dann ging es wieder
Richtung Thousand Islands". Wir wollten auf der kanadischen
Seite des Ontario Sees zurück nach Toronto fahren. Zuerst auf der
Autobahn (Interstate 89), am Lake Champlain entlang, dann überquerten
wir den See und fuhren durchs Landesinnere von New York. Unter anderem
querten wir ein Indianer Reservat, in dem es an der Straße hauptsächlich
Geschenkartikel und Glückspielhallen gab, die wohl in New York
verboten waren. Sonst merkte man eigentlich nicht, dass man durch ein
Indianer Reservat fuhr. Die Grenze nach Kanada bereitete überhaupt
keine Probleme. Die Zöllnerin plauderte mit uns über unseren
Urlaub und wünschte uns einen guten Aufenthalt in Kanada. Auf der
anderen Seite des Ontario Sees fuhren wir neben der Autobahn bis
Kingston, dann den Königsweg 33 bis zu einer Stelle, wo es nur
noch mit Fähre weiterging. Zu Ingrids Bedauern dauerte die Fahrt auf
der Fähre nur sieben Minuten. Die Häuser auf der kanadischen
Seite sahen bedeutend stabiler aus, als auf amerikanischer. Die Menschen
waren anscheinend wohlhabender als drüben. Auch sah man hier mehr
Fabriken (Nylon, Strom...). Auf der Halbinsel folgten wir einem Wegweiser
Richtung "Bett". Je länger wir dem Weg folgten, desto
unbewohnter wurde es. Nach einer guten halben Stunde entdeckten wir wieder
ein Schild "Bed & Breakfast". Das Haus hieß Apple
Basket Inn", und lag inmitten eines riesigen Gartens. Drum
herum waren Felder mit Apfelbäumen. Wir fragten nach einem Zimmer,
und bekamen von der freundlichen Besitzerin, die gerade im Garten beschäftigt
war, zwei große, miteinander verbundene Räume. Ein kleiner Mops
folgte Ingrid auf Schritt und Tritt, Treppe rauf, Treppe runter. Hier im
Haus war alles in Form von Äpfeln eingerichtet, Aschenbecher,
Seifenhalter, usw.. Vom Hunger geplagt, besuchten wir das Nachbardorf.
Vorhin hatten wir dort ein Gasthaus entdeckt. Wir erhielten noch einen schönen
Tisch im Freien. Die Bedienung war sehr freundlich, und das Essen sehr
lecker. Ingrid aß Hot Dog mit Bratkartoffeln und zum Nachtisch ein
Schälchen Smarties, Manfred und ich aßen Gulasch mit frischem
Brot und Salat. Dazu tranken wir Sleeman Beer. Die Bedienung bat uns noch
zum Schluss, ob wir uns wohl ins Gästebuch eintragen könnten.
Denn sie nahm an, dass wir nicht aus Kanada stammten. Abends trafen wir in
unserer Pension noch Deutsche aus dem Saarland. Sie waren hier auf
Verwandtenbesuch, und wohnten in diesem Haus schon seit drei Wochen.
Nachts war es so leise, dass man sogar mit offenem Fenster schlafen
konnte. Nur die Grillen hörte man.
|
Dienstag, 15.8.95
Das
Wetter war wieder schön. Aus Mitleid mit den Saarländern, setzte
uns die Wirtin am Frühstückstisch zusammen, damit die Armen mal
wieder deutsch reden konnten, meinte sie. Zuerst gab es ein Tellerchen
zurechtgemachtes Obst (Wassermelone, Honigmelone, Papaya, Kiwi, Ananas und
Kiwieis), dann Müsli zur Selbstbedienung und hinterher noch Rührei
mit Tomate, Zucchini und Kochschinken. Nachdem wir paar Tips von der
Gegend erhalten hatten, verabschiedeten wir uns schweren Herzens. Das war
wirklich eine nette Unterkunft. Auf Empfehlung der Wirtin fuhren wir zu
den Sandbanks. Dies war ein großer Park mit Dünenstrand.
Man hatte zur Auswahl, Lagunenwasser oder offene See. Wenn der
Salzgeschmack nicht fehlen würde, könnte man sich wie am Meer fühlen.
Das gegenüberliegende Ufer des Ontario Sees konnte man nicht
erkennen. Als Ingrid und ich gerade badeten, entdeckte Manfred eine etwa
80 cm lange Schlange, die gerade aus ihrem Versteck, nahe unseres
Lagerplatzes, flüchtete. Bei einer Tankstelle erkundigte sich Manfred
danach und erfuhr, dass es wahrscheinlich eine "Milksnake" war,
und nicht besonders giftig sei. Das heißt, man fühlt sich nach
einem Biss ein bisschen unwohl, aber man braucht nichts zu unternehmen. Da
wir uns nicht durch das volle Toronto quälen wollten, fuhren wir
etwas mehr ins Landesinnere. Unterwegs sahen wir immer wieder überfahrene
Tiere, Waschbären, Igel... Die Straßen gingen kilometerlang
immer geradeaus und es herrschte wenig Verkehr. In Port Perry, 70
km vor Toronto, legten wir eine kleine Pause am Lake Scugog ein.
Eis leckend entdeckten wir ein Infozentrum, wo wir uns Unterlagen mit Übernachtungsmöglichkeiten
besorgten. Nach einer längeren Diskussion bzw. Suche entschieden wir
uns für das Railroadhouse Motor Motel, mitten im Ort,
war ganz o.k.. Abends bummelten wir ein bisschen die Geschäftsstraße
entlang und schmausten in einem Chinarestaurant. Das wir aus Deutschland
waren, erzählte die Besitzerin gleich dem Koch als Besonderheit. Der
steckte seinen Kopf hervor und betrachtete uns. Leider hatte ich höchstens
die Hälfte dieser Riesenportion geschafft. Auf unsere Bemerkung, dass
wir das Essen unmöglich bezwingen könnten, fragte uns die
Bedienung ganz verwundert, ob bei uns die Menschen nicht so dick wären?
Wir bummelten noch ein bisschen am See entlang zu einem großen
Spielplatz. Hier konnte sich Ingrid austoben. Hinterher sahen wir noch
beim Damenbaseball zu, wurden aber nicht schlau aus den Regeln.
|
Mittwoch, 16.8.95
Die
Frau an der Rezeption erkundigte sich gleich, wie wir geschlafen hätten,
und drückte uns einen Gutschein für das Familienrestaurant gegenüber
in die Hand. Wie fast überall in Kanada und USA gab es nur große,
gehaltvolle Portionen. Weiter ging unsere Fahrt nach Toronto. Der
Verkehr wurde immer dichter. Schließlich landeten wir auf
10-spurigen Straßen, und man musste höllisch aufpassen. Obwohl
wir noch ein paar Stunden Zeit hatten, kamen wir von dem Gedanken ab in
die Innenstadt zu fahren bei dem Verkehr. Lieber fuhren wir noch Richtung
See. In Oakville tankten wir und vertrieben uns die restliche Zeit
an einem, mit Wasser berieselten Spielplatz. Gegen 15 Uhr stürzten
wir uns wohl oder übel wieder ins Gewühl, Richtung Flughafen.
Die Leihwagen Rückgabe war gut ausgeschildert. Wir checkten gleich
ein, bummelten herum, kauften eine "Welt am Sonntag" und
warteten auf das Flugzeug. Überpünktlich, vor 19 Uhr starteten
wir mit einer Boing 767. Allein fünf Stunden flogen wir über den
amerikanischen Kontinent. Zuerst konnten wir gar nichts sehen. Unter uns
tobten wohl heftige Gewitter, denn wir mussten uns anschnallen. Dann sah
man die Rocky Mountains, Felsen, Dörfer, grüne Täler, eine
Gegend, wo lauter runde, dunkle Löcher waren und weiße Flächen,
entweder Schnee oder Salzwüste mit steilen Felsen. Kurz bevor wir den
Kontinent verließen, flogen wir über weiße Berge und
riesige beleuchtete Großstädte an der Küste.
|