Kuranda - Townsville


Montag,
5.8.96

Pünktlich um 8.45 Uhr Ortszeit (Mitteleuropäische Sommerzeit + 8 Stunden) landeten wir in Cairns. Die Passkontrolle nahm es sehr genau und am Kofferband schnüffelte ein Hund nach unerlaubt, mitgebrachten Lebensmitteln. Das Wetter war schön, angenehme Temperatur und keine so hohe Luftfeuchtigkeit wie vor drei Jahren im Mai. Auf ging's, im neuen Leihwagen zum Rainforest Resort nach Kuranda, unserer ersten vorgebuchten Unterkunft. Das Ressort besteht aus vielen kleinen Holzhütten, die zwischen den größeren Palmen eingebettet sind. Die Häuschen haben keine Scheiben in den Fenstern, sondern nur Holzklappen davor. Zum Ressort gehört auch noch ein Wallaby Sanctuary. Als wir es besichtigten, durften wir zur Fütterung mit in das Gehege. Wir erkundigten uns beim Pfleger nach dem Unterschied zwischen Wallaby und Känguru und er meinte, der Unterschied läge nur in der Größe, Wallabys wären kleiner. Wir unternahmen einen ½ stündigen Fußweg in die "Innenstadt" von Kuranda, aber es war schwer mit der total übermüdeten Ingrid. Sie fiel hin, schlug sich das Knie auf und weinte. Kuranda befindet sich 30 km nordwestlich von Cairns, ist eigentlich ein ziemlich verschlafenes Dörfchen, aber an Markttagen vollkommen von Touristen überlaufen. Es werden hauptsächlich billige Souvenirs angeboten, aber auch echte Kunstgegenstände von den hier ansässigen Künstlern.


Dienstag, 6.8.96

Wir wunderten uns, warum bei Tage immer kleine Kügelchen von der Palme auf unser Dach polterten. Es waren kleine grüne Vögel, die dort saßen und pickten. Außerdem besuchte uns ein Brush Turkey, der hier seine Runden um die Häuser drehte. Für heute planten wir folgende Tour: Mareeba, durch das Tableland nach Mossman, von dort an der Küste zurück. In der Mossman Gorge, unserem ersten Halt führte ein Spazierweg durch dichten Regenwald. Die Luftfeuchtigkeit war merkbar höher als in Kuranda. Auf der Rückfahrt an der Küste legten wir noch an einigen Stränden Rast ein. Und was für tolle Strände: menschenleer, warmes Wasser, Palmen usw. Im Ressort relaxten wir noch ein bisschen auf unserer Urwaldterrasse. Abendbrot nahmen wir diesmal im Hotel ein. Manfred aß australisches Trio: Känguru-, Krokodilspieß und Emuwürstchen, ich aß Barramundi (ein barschartiger, etwa 1,5 m langer Raubfisch) und Ingrid Fishfinger (Fischstäbchen) mit Pommes Frites und Ketschup. Dazu ließen wir uns einen Shiraz-Cabernet munden.


Mittwoch,
7.8.96

Millaa Millaa WaterfallUm 7 Uhr standen wir auf, frühstückten, nahmen Abschied von den Wallabys, packten und bezahlten. Mittwochs ist Markttag in Kuranda. Da es noch früh war, ergatterten wir sogar einen schönen Parkplatz. Die Stände waren noch nicht sehr belebt und man konnte sich in Ruhe umsehen. Bei einem sehr gesprächigen, ausgewanderten Wolfsburger kauften Ingrid und ich uns je eine schöne Opalkette. So jetzt brachen wir endgültig auf Richtung Townsville. Zuerst ging es durchs Atherton Tableland bis Innisfail. Das Tableland ist eine Hochebene (700m) und zählt zu den jüngsten Provinzen Nordost-Australiens, in der in den letzten 3 Mio. Jahren über 50 Vulkane rauchten. Dies dauerte fort bis vor 7250 Jahren. Die Landschaft ist hügelig, es wird überall Obst und Gemüse angebaut. Hinter Atherton bog unser Weg ab nach Millaa Millaa. Der Ort erinnerte, wie viele Orte hier an eine kleine Cowboy Stadt. Wir tankten an einer Tankstelle mit selbstgemaltem Shell-Schild und picknickten an einem Spielplatz. Ein kleiner Abstecher noch zu den Millaa Millaa Falls, wo ein paar Leute saßen und picknickten. Beim Betreten des Waldes wurde vor dem Berühren des "Stinging Trees", dem Brennesselbaum gewarnt. Weiter ging es Richtung Küste. Wir fuhren im Wechsel an Bananen- und Zuckerrohrfeldern vorbei. Zur linken hatte man immer Queenslands höchsten Berg im Blick, den Bartle Frere (1600m). Auf dem Bruce Highway ging es weiter nach El Arish. Dort bogen wir nach Mission Beach ab, wo wir ein Quartier suchen wollten. Der Ort wurde 1916 als Missionsstation für die hier ansässigen Aborigines gegründet, wurde aber zwei Jahre später von einem Zyklon zerstört. Jetzt ist es ein beliebter Ferienort, mit Regenwald, bis fast ans Wasser. Warnschilder warnten vor Cassowarys (große flugunfähige Vögel, etwas kleiner als Emus. Sie sind Einzelgänger, leben in Regenwäldern und ernähren sich von Früchten und Beeren). Wir sahen leider keine. Beim Infobüro deckten wir uns mit Unterkunftsprospekten ein, die wir im Auto studierten. Eine gefiel uns von der Abbildung recht gut, aber beim näheren Hinschauen war es dann doch nichts, direkt an der Hauptstraße gelegen. Wir suchten weiter in South Mission Beach. Beim Vorbeifahren entdeckten wir eine nette Unterkunft, die Besitzerin musste uns aber enttäuschen, es war alles belegt. Sie empfahl uns eine andere im selben Ort. Leider (im Nachhinein Gott sei Dank) war dies auch schon belegt, aber die Besitzerin fragte uns nach unserem Preislimit und rief daraufhin eine Bekannte an, die uns mit dem Auto abholte und uns ein tolles Ferienhaus für 75$ die Nacht zur Verfügung stellte. Das gefiel uns so gut, dass wir es gleich für zwei Nächte buchten. Die Vermieterin bedauerte, dass sie uns leider "nur" dieses Haus anbieten könne, ihr zweites Ferienhaus mit Swimming Pool wäre belegt. Dies hat zwei Schlafzimmer, ein Bad mit Waschmaschine, eine Wohnküche und einen riesengroßen Garten. 50 Meter vom Haus entfernt liegt der Strand und wir genossen hier noch einen Abendspaziergang. Wir sahen riesige, angeschwemmte Seesterne (ungefähr 30cm Durchmesser), Kokosnüsse und einen großen Raubvogel, der seine Kreise zog. Dunk Island lag in Sichtweite vor uns.


Donnerstag, 8.8.96

Mit dem Wassertaxi ließen wir uns zu der in Sichtweite gelegenen Insel Dunk Island fahren. In nur zehn Minuten erreichten wir mit sechs weiteren Fahrgästen unser Ziel. Wir liefen am Palmen umsäumten, leeren Strand entlang. Auf abgestorbenen Baumstämmen huschten Eidechsen umher. An so einem Baum rasteten wir. Ingrid baute Sandburgen. Manfred trat sich eine scharfkantige Muschel in die Ferse und natürlich hatten wir kein Pflaster dabei. Durchs die üppige Vegetation des Inselinneren wanderten wir zum Startpunkt zurück. Auf einer Bank, unter einer Kokospalme warteten wir auf unser Wassertaxi. Plötzlich schoss eine Fledermaus vom Baum, direkt auf Manfreds Kopf. Das Ganze war ein Witz vom benachbarten Boots- und Surfbrettverleih. Die Fledermaus war aus Plastik und mit einem Faden ferngesteuert. Das war ein schöner Ausflug. Während ich im Garten Tagebuch schrieb, spazierten Ingrid und Manfred noch mal zum Strand runter. Abends schmausten wir auf unserer Terrasse draußen.


Freitag, 9.8.96

LucindaNachts stürmte es sehr stark. Zum Abschied von Mission Beach besuchten wir ein letztes Mal den Strand, in der Hoffnung, dass heute Nacht einiges angespült wurde. Aber es war nicht viel. Auf der Weiterfahrt nach Townsville legten wir in Lucinda eine kleine Rast ein. Der Weg dorthin war sehr ruhig. Im Ort selbst gab es ein paar Häuser und einen Campingplatz. Wir stellten unser Auto ab und wanderten am Strand entlang. Hier steht die älteste noch funktionierende Zuckermühle Australiens, und es führt eine 5,7 km lange "Jetty" (Laderampe) auf das Meer hinaus, um den Zucker auf die Frachtschiffe zu verladen.Wir bummelten ein bisschen am Wasser entlang und suchten Muscheln. Am Beginn wurde vor Krokodilen gewarnt in den Fluaamündungen. Nonstop ging es jetzt nach Townsville. Unterwegs fuhren wir immer wieder an langen Zügen vorbei, die Zuckerrohr abtransportierten. In Townsville suchten wir zuerst erfolglos nach unserem vorgebuchten Hotel, so stellten wir das Auto in der Innenstadt ab und liefen zum Infostand in der Fußgängerzone. Hier erhielten wir großzügige Auskunft, auch was wir uns unbedingt ansehen sollten. Da sich gegenüber direkt das Qantas-Büro befand, bestätigten wir gleich unseren nächsten Flug bei einer sehr freundlichen Mitarbeiterin. Im Seagulls Resort, direkt am Meer gelegen, erhielten wir ein schönes Dreibett Zimmer. Es war nicht ausgebucht, denn wir konnten sogar wählen, ob Erdgeschoss oder 1. Stock. Wir erforschten die Anlage, nahmen in der Happy Hour einen Drink an der Bar zu uns und schmausten im angrenzenden Lokal im Freien. Der Garten war romantisch mit Fackeln beleuchtet. Manfred aß Hähnchen, ich wieder mal Barramundi und Ingrid Huhn mit Pommes Frites. War sehr lecker. Besonders gern mag ich das Gemüse in Australien. Es ist frisch, nicht so weichgekocht und so fürchterlich gesalzen, wie bei uns. Während die Salate oft nur aus Rieseneimern verschiedener grüner Blattsorten bestehen.


Samstag, 10.8.96

Hafen von TownsvilleDa uns das Schwimmbad gestern so anlachte, zogen wir vor dem Frühstück los, um eine Runde zu schwimmen. Ingrid und ich bekamen fast einen Schlag in der kalten Luft. Das Wasser war genauso kalt. Drei Minuten hielten wir das aus, dann flüchteten wir ins warme Zimmer. Manfred hielt sich eisern und schwamm ein paar Runden. Das Frühstück im Freien schmeckte sehr lecker. Da wir in Townsville, das wir viel schöner als Cairns fanden, nur einen ganzen Tag zur Verfügung hatten, mussten wir heute ein großes Programm absolvieren. Townsville ist mit rund 124.000 Einwohnern die Hauptstadt Nord-Queenslands und gleichzeitig zweitgrößte Stadt des Bundesstaates. Den Auftrag zur Gründung eines landwirtschaftlichen Stützpunktes in Nord-Queensland von dem Sydneyer Geschäftsmann Robert Towns wurde hier von einem John Melton Black erfüllt. Dieser Mann nahm Tausende Ureinwohner von polynesischen Inseln gefangen und verschleppte sie hierher. Der Sklavenhandel mit den sogenannten "Kanaken" wurde in Australien "blackbird-trading" genannt. Jetzt hat Townsville Schwierigkeiten mit Cairns als Touristenstadt mitzuhalten. Die nächsten internationalen Flughäfen sind Cairns oder Brisbane. Um Ingrid eine Freude zu bereiten besuchten wir Billabong, einen Tierpark mit einheimischen Tieren, etwa 17 km südlich der Stadt. Besonderen Spaß bereiteten Ingrid die Kängurus, die frei zwischen den Besuchern umher hüpften. Ein kleiner Junge passte einen Moment nicht auf, und schon riss ihm eine Gans die Futtertüte aus der Hand. Die bekam er natürlich nicht zurück. Die Vorführerin der Koalashow erzählte uns, wenn wir zerrissene Hemden bei den Pflegern bemerken würden, so stammten die nicht von den Krokodilen, sondern von den Koalas. Wir sahen tatsächlich einige mit Löchern an der Schulter. Als wir an einem Ententeich vorbeikamen entdeckte Manfred ein Krokodil, was wir ihm natürlich nicht glaubten, da sich keine Absperrung vor dem Teich befand. Später erkundigte sich Manfred bei dem Krokodilpfleger. Der bestätigte seine Beobachtung. In dem Teich lebten einige, für den Menschen ungefährliche Süßwasser-Krokodile. Bei der Krokodilshow wurde uns eine spektakuläre Show gezeigt. Ein vier Meter langes Salzwasser-Krokodil tauchte komplett unter Wasser, man sah es nicht mehr in dem trüben Teich. Der Pfleger schlug ein paar Mal mit einer Harke auf die Wasseroberfläche, bis plötzlich blitzschnell ein großes offenes Maul hervorschoss. Ein paar harmlosere Tiere gab es natürlich auch. Auf dem Weg zurück in die Stadt, füllten wir Auto und uns kurz mit Benzin und Hamburgern auf. Unser nächstes Ziel, das Aquarium. War ganz nett, besonders die Riff-Nachbildung. Überall standen Studentinnen der angeschlossenen Universität und gaben besonders den Kindern Auskunft und Anleitung zu den Versuchen. Wir fragten nach dem Box Jelly Fish, und sie brachte uns gleich ein eingelegtes Exemplar. Sie sehen aus wie weiße Quallen mit meterlangen Tentakeln. Anschließend relaxten wir ein bisschen im Hotel. Zum Sonnenuntergang fuhren wir auf denCastle Hill, ein 286 Meter hoher Granitfelsen. Dieser Ausflug hatte sich gelohnt. Der Blick reichte von Magnetic Island, Townsville, den Hafen, bis zur Great Dividing Range. Hinter den Bergen ging die Sonne in den schönsten Farben unter.


Sonntag, 11.8.96

Markt in Townsville Wenn man bei Sonnenaufgang aufwachte und noch ein bisschen vor sich hin döste, hörte man schon tausend unbekannte Vogelstimmen. Zwischendurch krächzten Horden von Loris vorbei. Beim Frühstück warteten auch wieder zwei Vögel auf herunterfallende Krümel. Schade, heute war unser letzter Tag in Queensland. Da unser Flugzeug erst gegen Mittag flog, hatten wir noch etwas Zeit. Das Auto parkten wir am "Strand" und bummelten Richtung Stadt los. Die Sicht war ganz klar und es war bedeutend wärmer als gestern. Jedenfalls nervte Ingrid: "Mir ist zu heiß". Am heutigen Sonntag war in der Fußgängerzone Markt. Aus jeder Ecke hörte man andere Lifebands spielen. Der Flughafen in Townsville war gemütlich, leer und groß. Plötzlich hörte man ein Schrei und ein Stöhnen von einem Schalter. Da kein Mensch aufstand, schaute Manfred vorsichtshalber nach. Eine Angestellte war ausgerutscht und hatte sich wohl den Arm gebrochen. Manfred sagte einer Kollegin Bescheid, die den Arzt rief. Jetzt, nachdem alles geregelt war, erhoben sich mehrere Neugierige von ihren Plätzen, um auch etwas von dem Ereignis mitzubekommen. Mit einer halben Stunde Verspätung hob das Flugzeug ab. Es musste noch eine gerade stattfindende Flugshow abgewartet werden. Später durfte Ingrid in meiner Begleitung sogar zum Piloten vorwandern, zur Cockpit-Besichtigung. Ingrid wunderte sich, dass der Pilot und seine Kopilotin nichts zu tun hatten und sich mit uns unterhalten konnten, trotz der tausend Schalter.

 

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