Sydney


Sonntag, 11.8.96

Blick von der Fähre Ankunft in Sydney gegen 16 Uhr. Unser Gepäck erschien auf einem gar nicht für diesen Flug ausgewiesenen Band. Um ein Taxi zu erwischen mussten wir uns erst einmal in einer größeren Schlange einreihen. Es ging aber dann doch recht flott. Das vorgebuchte Harbour Rocks Hotel machte einen netten Eindruck. Es ist ein altes Gebäude in den Rocks, im ältesten Stadtteil von Sydney und war zum Teil ehemalige Arbeiterunterkunft und zum Teil diente es als Lager für Importeure. 1989 wurde es renoviert und als Hotel umgebaut. Wie jedes Jahr, besorgten wir uns zuerst Wochentickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Hiermit kann man im gesamten Innenbereich der Stadt Cityrail, Fähre und Bus benutzen. (27$ für einen Erwachsenen pro Woche, Kinder die Hälfte). Wir setzten uns gleich in die Fähre und wollten eigentlich den Luna Park besuchen. Obwohl heute Sonntag war, war kein Betrieb. Später sollten wir erfahren, dass der Luna Park wegen Lärmbelästigung der Nachbarn geschlossen werden musste. Im Imperial Peking Harbourside, dem besten Chinesen der Gegend, laut aushängenden Urkunden, ließen wir den Tag ausklingen. Ingrid aß Reis mit süß/saurer Soße, ich Fisch, mit derselben Soße und Manfred Känguru mit Chilli Soße. Das Känguru war besonders lecker.


Montag, 12.8.96

Wir konnten zwar gut schlafen, aber Christine, unsere ehemalige Vermieterin in Sydney vermissten wir doch sehr: Die gemütliche Atmosphäre, das schöne Frühstück, die Ruhe und das Vogelgezwitscher am Morgen. Die Temperatur betrug heute morgen 16°C und die Sonne schien. Das Frühstück war o.k., aber bei der Berechnung blickten wir nicht durch. Wir bummelten zum Circular Quay, setzten uns in die Fähre nach Mosman und schaukelten gemütlich, bei schöner Sicht bis zur Endstation. Eingedeckt mit Getränken machten wir uns auf den Weg Richtung Zoo. Den Wandertip hatten wir einer kleinen Broschüre entnommen: "Go walkabout with Sydneys Ferries". Zuerst führte unser Weg mehrere hundert Treppenstufen empor, an toll gelegenen Villen vorbei. Auf einem ganz leeren Spielplatz am Wasser machten wir Halt. Zu Ingrids Freude folgten noch einmal hundert Treppenstufen, dann erreichten wir den oberen Zooeingang. Der Zoo liegt an einem Hang und man kann vom unteren Eingang, der mit der Fähre ab Cirqular Quay zu erreichen ist, mit einer Seilbahn zum oberen Ende fahren oder auch hier unten beginnen. Ingrid jammerte noch eine gute halbe Stunde, dass sie nun nicht mehr mit der Seilbahn den Zoo herauf fahren könne, bis ich ihr einen Stift kaufte, den ich ihr wegzunehmen drohte, wenn sie die Seilbahn auch nur noch einmal erwähnen würde. Das klappte dann einigermaßen. Im letzten Jahr wurde der Taronga Zoo umgebaut. Ein Rundgang durch das Känguru-Gehege wurde angelegt, das Schlangenhaus wurde erneuert. Zurück ging es mit der Fähre. Mittags ist das Thermometer sogar auf 24°C geklettert, das ist Winter in Sydney! Nach einer kleinen Pause im Hotel fuhren Ingrid und ich nach Darling Harbour, während Manfred am Circular Quay auf Fotosafarie ging. Im Löwenbräu Sydney schmausten wir. Ingrid aß Knödel mit Soße, Manfred und ich nahmen Würstchen, Sauerkraut, Kartoffelbrei und Weizen zu uns.


Dienstag, 13.8.96

Nachts in "The Rocks"Der Himmel war wolkenlos, das Thermometer zeigte am Hotelfenster 12°C. Die Einheimischen liefen mit dick wattierten Winterjacken oder Mänteln und manchmal auch mit Handschuhen zur Arbeit, an unserem Hotelfenster vorbei. Das es selten kälter wird als jetzt, erkannte man an der Zimmerausrüstung. Fast überall gab es Ventilatoren oder Klimaanlagen, aber keine Heizungen. Irgendwie hatte es das Personal darauf abgesehen uns so schnell wie möglich loszuwerden. Trotz dicken Pullovers zog es wie Hechtsuppe an der offenen Terrassentür. Dann fingen sie mitten beim Frühstück mit Staubsaugen an. Mit dem Cityrail fuhren wir nach Cronulla, einem unserer Lieblingsstrände, südlich von Sydney gelegen, an der Botany Bay. Ingrid zog schlauerweise kurze Hosen an, es wurde nämlich recht warm. Das Wasser war glasklar, mit schönen Wellen. Nach etwa einer Stunde Strandbummel setzten wir uns in den Sand zum Lunch (Schoko mit Fanta). Ingrid baute eine Sandburg. Am Horizont zog eine riesige gelbbraune Dunstwolke entlang. Wir dachten an ein Buschfeuer, aber am nächsten Tag lasen wir in der Zeitung, dass keiner wusste, woher sie kam. Ein Buschfeuer war nicht gemeldet. Ein paar Surfer und ein paar eiserne Schwimmer hielten sich im Wasser auf, sonst gehörte uns der etwa 8 km lange Strand allein. Abends schaukelten wir noch einmal mit der Mosman-Fähre hin und zurück, dann speisten wir im ganz leeren Pancake-Restaurant in "The Rocks". Manfreds war mit Salami, Käse...belegt, meine mit Schweinefleisch süß/sauer und Ingrids mit Schokolade. Nach dem Essen war Ingrid noch so aktiv, sie wollte unbedingt über die Harbourbridge laufen. Also taten wir das noch.


Mittwoch, 14.8.96 

Der Sydney Tower brennt Beim Frühstück heute morgen haben wir ein paar freche Spatzen beobachtet, die sogar ins Zimmer flogen. Wetter war wieder wolkenlos mit 18°C um 10 Uhr am Hotelfenster. Mit dem 325 Bus fuhren wir vom Circular Quay zur Watsons Bay, am South Head, der südlichen Begrenzung der Port Jackson Einfahrt. Der Blick von den Klippen des Watsons Bay Parks auf Ozean und Stadt waren atemberaubend. Zurück bummelten wir am Strand und an Doyles vorbei, dem berühmtesten Sydneyer Fischrestaurant, zur Bushaltestelle. Der Strand lud nicht zur Rast ein, ein starker Wind blies uns fast die Perücken vom Kopf. In Edgecliff bei Paddington stiegen wir aus dem Bus und besuchten Christines Haus, unsere frühere Vermieterin. Es war unbewohnt und die schönen großen Gartenpflanzen fehlten. Im Trumperpark legten wir eine Pause ein. Plötzlich rief Manfred: "Der Sydney Tower brennt!" Es stiegen dicke gelbe Rauchschwaden aus dem Turm. Wir vermuteten eine Feuerwehrübung. Im Fernsehen erfuhren wir aber am Abend, dass die australischen Olympiateilnehmer aus Atlanta heute in Sydney begrüßt wurden. Mit dem Cityrail ging es in die Stadtmitte zum Martin Place. Durch den Botanischen Garten, am Opernhaus vorbei, spazierten wir zum Circular Quay. Das Thermometer zeigte nachmittags 27°C! An einem Digeridoo-Schnitzer und einem Dudelsackpfeifer vorbei schlenderten wir zum Hotel zurück. Ingrid hatte das Wort Dudelsackpfeifer nicht richtig verstanden und fragte ob der Mann Nudeln im Sack hätte, oder warum er so hieße? Zum Abendessen ging es ins Big Reds, ein Häuserblock neben unserem Hotel gelegen. Hier gibt es australische Spezialitäten. Manfred und ich schmausten als Vorspeise, australische Bushplatte: kalten Scheiben Känguru, Krokodil, geräuchertes Emufleisch und Hackfleisch vom Wasserbüffel, eine Frucht die aussah und schmeckte wie Tomatenorange und eine sternförmige gelbe Frucht, dazu Mangosoße. Als Hauptspeise aß Ingrid Wurst mit Kartoffelbrei, Manfred Filetsteak und ich Tasmanischen Lachs. Am Quay entlang, Warff 4/5, wo alle möglichen Veranstaltungen stattfanden schlenderten wir zum Hotel zurück. Für morgen verabredeten wir uns mit Christian, einem Bekannten aus unserer Heimat, der hier seinen, in Australien lebenden Vater während der Sommerferien besuchte.


Donnerstag, 15.8.96

Barrenjoe LighthouseHeute morgen war es etwas bewölkt und die Temperatur betrug 16°C. Christian holte uns mit dem Auto seines Vaters vom Hotel ab. Durch die Stadt, über die Harbour Bridge fuhr er nach Norden, Richtung Palm Beach, wobei wir an mehreren Punkten, zum Beispiel North Head, die Aussicht genossen. North Head liegt gegenüber South Head, dass wir gestern besuchten. Christian erzählte uns alle möglichen interessanten Hintergründe der Stadt. Zum Beispiel, dass der Bennelong Point, auf dem das Opernhaus steht nach einem Ureinwohner benannt wurde, der dort lebte. Dieser gab Arthur Phillip im Jahre 1788 die Halbinsel, der Aborigine wurde im Tausch dafür nach London geschickt. Der Name Manly stammte vermutlich von "man", da der Aborigines Stamm, der dort lebte sehr männlich wirkte. In Palm Beach ließen wir uns im netten Flamingoes Restaurant nieder, wo wir von der Terrasse den Blick aufs Meer genossen. Plötzlich entdeckte Manfred Delfine auf dem Meer, toll! Gerade war ich damit beschäftigt, die Kamera für die Delfine einzustellen, einen erwischte ich noch, als mir ein grüner Papagei genau in das Blickfeld lief. Zu zweit kamen sie auf dem Geländer angewandert, und ließen sich von Christians Hand mit Zucker füttern. Das war alles schön für uns arrangiert, Delfine, Papageien, was wollten wir mehr? Weiter ging es zum Leuchtturm. Hier oben trafen wir keinen Menschen und die Sicht war kilometerweit (Strände, Buchten, Inseln...). Ich könnte hier ewig sitzen. Auf dem Rückweg gerieten wir in den Feierabendverkehr. Christian lud uns zu seinen Vater in Castle Hill auf einen Kaffee mit Kuchen ein. Das Haus war ein Traum! Riesige Eingangshalle mit brennendem Kamin, Kochecke, Wohnecke, und davon abgehend die Zimmer. Alles mit viel Licht von oben und den Seiten. In dem riesigen Garten standen alle möglichen selbstgebastelten Spielgeräte. Ingrid durfte die zwei Guinea Pigs der Kinder streicheln. Der Vater berichtete von "netten Tierchen", die im Sommer zu Besuch kämen, zum Beispiel eine große Echse im Garten oder handgroße Spinnen im Haus, weniger niedlich. Nach dem Kaffee verabschiedeten wir uns und Christian brachte uns nach Parramatta zum Bahnhof. Wir mussten übrigens ungefähr drei Stationen nachlösen. Bis hierher reichte die Wochenkarte nicht. Übrigens hatte Ingrid eine Entdeckung gemacht: Im Plan des Cityrail-Netzes ist jede Strecke mit einer anderen Farbe gekennzeichnet. An den Bahnhöfen wird der Ortsname mit dieser Farbe unterstrichen, dessen Linie hier hält, oder dessen Linie auf diesem Bahnsteig hält. Hatten wir noch gar nicht bemerkt.


Freitag, 16.8.96 

Wetter heiter, Temperatur 12°C morgens. Mit der Fähre ging es nach Manly. Von hier starteten wir den 10 km langen Scenic Walk von Manly zur Spit Bridge. Plötzlich entdeckten wir einen Wasservogel, der aus etwa 10 Meter Höhe im Sturzflug senkrecht ins Wasser schoss. Im ersten Abschnitt führte unser Weg an blühenden Vorgärten vorbei, teils auf der Straße, teils am Wasser entlang, zu einem Spielplatz. Ingrid stöhnte schon, sie könne nicht mehr. Dann wurde aus den Vorgärten Buschland und aus den Straßen Kletterwege, Felsen rauf, Felsen runter, über Brücken, durch dichtes Gebüsch. Jetzt sprang Ingrid voran, fand es toll und jammerte überhaupt nicht mehr. Die Ausblicke wurden schöner: Blicke auf North Head, South Head, Manly, Ozean..., toll! Am Ende angelangt war Ingrid ganz enttäuscht, dass wir das Ziel schon nach 4½ Stunden erreicht hatten. Manfred und ich staunten über Ingrids Kondition. Touristen sind uns nur wenige begegnet. Wahrscheinlich ist der Weg recht unbekannt. Manfred kannte ihn durch Heinz, dem Sohn unserer früheren Vermieterin Christine. Mit dem Bus 144 und der Fähre ging es zurück. Am Circular Quay warf ich immer einen Blick auf das Thermometer: 16 Uhr, 20°C. Zum Abendessen fuhren wir in die Oxfort Street, bei Kings Cross. Die Auswahl an Restaurants ist so groß, dass wir uns nicht entscheiden konnten. Schließlich landeten wir im indischen Lokal Bombay. Bei unseren früheren Besuchen gefiel uns die Oxford Street, wegen dieser Auswahl. Nachdem wir aber Lokale in den Rocks kennengelernt hatten, fanden wir diese Straße nur noch laut und hektisch. Ingrid aß eine Reispizza mit Tomate, Paprika und Zwiebeln, Manfred Lamm Vindaloo und ich Lamm mit Cocos-Sahne-Soße.


Samstag, 17.8.96 

Plötzlich, es war 2 Uhr nachts, spielte in unserem Zimmer lautstark Musik. Manfred dachte unser Radiowecker wäre angesprungen, aber es war nicht bei uns. Er telefonierte mit der Rezeption, und nach kurzer Zeit hörte man das Telefon unter uns läuten, ein kurzes Sorry und das Radio wurde abgestellt. Dafür lief jetzt der Fernseher, aber etwas leiser. Während ich mir Ohropax in die Gehörgänge presste, konnte Manfred noch ganze Telefonate vom Inhalt unfreiwillig mithören. Naja, heute morgen ist es heiter und 8°C. Da Manfred seine Jeans endgültig durchgearbeitet hatte fuhren wir auf Christians Tipp zum Dowings-Kaufhaus, wo Manfred auch fündig wurde. Das Kaufhaus liegt zwischen Centerpoint und Queen Victoria Building (QVB). Es ist von der Fläche nicht groß, dafür hat es eine Menge Stockwerke und eine große Auswahl. Preislich ist es auch o.k.. Anschließend bummelten wir noch durchs Queen Victoria Building. Dieses Einkaufszentrum wurde 1898 erbaut und 1982 für 75 Mio $ restauriert. Möchte man dort einkaufen, sollte man aber einen dicken Geldbeutel mitbringen. Anschließend drehten wir auf Ingrids dringenden Wunsch 1¼ Runden im Monorail. Mit Mühe ergatterten wir einen Sitzplatz. Die Bahn verbindet Stadtzentrum mit Darling Harbour. Die Fahrt ist nicht gerade billig und nicht im Wochenticket enthalten. Am Nachmittag schlenderten wir durch den Markt in den Rocks, wo an jeder 2. Ecke eine Liveband spielte und alles verkauft wurde von Aboriginal-Kunst bis Opalen und anderer Handwerkskunst. Die Stimmung gefiel uns gut, Musik, blauer Himmel, nettes Publikum. Abends setzten wir uns in die Manly Fähre, genossen den Sonnenuntergang hinter der Harbour Bridge und spazierten noch durch die Passage in Manly mit einem Karussell für Ingrid. Im Amstrongs, einem netten Restaurant direkt an der Fährstation gelegen, ließen wir den schönen Tag ausklingen.


Sonntag, 18.8.96 

12°C und heiter. Paola war heute beim Frühstück mehr auf Zack als gestern. Sie vergaß weder Teller, noch Löffel, noch Tassen und auch den Kaffee brachte sie uns freiwillig. Obendrein entschuldigte sie sich, dass sie sich unsere Zimmernummer nach einer Woche immer noch nicht merken konnte. Gegen 9.45 Uhr erschien das bestellte Taxi zum Flughafen. Der Taxifahrer war ein recht gesprächiger, lustiger Mann aus Fidschi. Das Flugzeug, eine Boing 737-400 startete mit einer 3/4 Stunde Verspätung. Der Flug verging im Flug.

Von Kuranda nach Townsville Startseite Reisebericht 1996 Perth und Südwestaustralien