Perth und der Südwesten

Von Perth aus den Süden erkunden


Sonntag, 18.8.96

Nach 4½ Stunden landeten wir im sonnigen Perth. Die Millionenstadt Perth ist die einsamste Hauptstadt der Welt, denn sie liegt 2700 km von der nächstgelegenen Stadt (Adelaide) entfernt. Aus Angst vor einer westlichen Besetzung Australiens durch die Franzosen wurde die Stadt 1819 von den Engländern gegründet, 41 Jahre nach Sydney. Der AVIS Vertreter war besonders freundlich. Er beschrieb uns den Weg zum Hotel, schloss extra seinen Schalter, um uns das Auto zu zeigen und wie es funktionierte. In Scarborough, einem Badevorort nördlich von Perth, erhielten wir eine ganze Wohnung für uns, bestehend aus zwei Schlafzimmern, einem großen Bad und einem Raum mit Kochecke, Wohnbereich und Esstisch. Vom Wohnzimmerfenster hatten wir Blick auf den Indischen Ozean, der etwa 200 Meter entfernt lag. Sehr bewohnt war die Anlage nicht, da die Temperaturen nicht zum Schwimmen einluden. An der Rezeption kann man sich 24 Stunden am Tag mit den wichtigsten Lebensmitteln eindecken. Außerdem gibt es noch einen Raum mit Münzwaschmaschinen und Trocknern. Als erstes besuchten wir mal den Strand mit fast weißem Sand und vielen kleinen Muscheln. Nachdem wir den Sonnenuntergang am Wasser abgewartet hatten, aßen wir im Thai-Restaurant, direkt neben der Wohnanlage. Ingrid aß kleine Frühlingsrollen und "Elefantenohren" (Krupuk), Manfred und ich aßen vorweg Suppe mit Huhn und Pilzen in Kokosmilch, dann aß Manfred Schwein süß/sauer mit scharfen Chillistückchen und ich Huhn in Curry (scharf und nach Kokos schmeckend). Ein bisschen muss man sich wohl an die Temperaturen gewöhnen, 16°C und keine Heizung. Ingrid und ich stapelten sämtliche Decken des Hauses auf unseren Betten. Gegen 9 Uhr schlief Ingrid schon tief und fest.


Montag, 19.8.96

Ringneck ParrotAn die Zeitumstellung von zwei Stunden noch nicht ganz gewöhnt, wachten wir um 6 Uhr auf und waren munter. Der Himmel war wieder wolkenlos. Ein heller Stern, ich nehme an Venus strahlte uns beim Öffnen des Vorhanges entgegen. Es war recht windig. Die vor unserem Fenster baumelnden Pflanzen klopften leicht gegen die Scheiben. In unserer komplett ausgestatteten Küche frühstückten wir in der Wohnung. Als wir das Haus verließen, wunderten wir uns, dass die Klimaanlagen sämtlicher Nachbarn liefen. Bis uns einfiel, dass es ja die Heizung sein könnte. Das war es dann auch. Gott sei Dank, denn 11°C beim Frühstück waren doch ziemlich frisch. Auf ging es nach Norden. Unsere erste Station war der Joondalup Lake. Der Ort und die Straßen dort sahen wie frisch erstellt aus. Auf einem Picknick-, Spielplatz legten wir eine Rast ein. Zuerst sah ich ein paar weiße Kakadus und war ganz begeistert von dieser "seltenen" Entdeckung. Später merkte ich, dass die Kakadus gar nicht so selten waren. Unter einem Baum am Spielplatz saßen bestimmt 20 rosane Kakadus, Galahs und schmausten irgendwelche Früchte oder Samen. Sie waren gar nicht scheu und grasten dort gemeinsam mit noch zwei grünen Papageien (Ringneck Parrots, die auch Twenty-eight Parrots genannt werden, wegen ihres Rufs), Enten und Tauben. Ingrid verstand nicht, was ich an den Piepmätzen so toll fand. Ich sollte doch lieber sie filmen, denn die Spielgeräte gab es schließlich auch nur hier. Weiter ging es auf endlosen, geraden, hügeligen und leeren Straßen zum Yanchep National Park. Zu Ingrids Freude gab es ein Koala Gehege. Dahinter war ein Botanischer Garten, wo zwei Kängurus genüsslich die kleinen Triebe verspeisten. Das war wahrscheinlich nicht so vorgesehen. An einem angrenzenden See konnten Boote ausgeliehen werden. Heute war aber Ruhetag. Wir fuhren noch bis Guilderton, liefen am schneeweißen Strand entlang und begaben uns auf den Rückweg. An einer Stelle wurde gerade Busch abgebrannt. Vielleicht, damit es hier im Sommer keine unkontrollierten Brände gibt. Am Nachmittag fuhren wir Richtung Perth. Der Feierabendverkehr hatte eingesetzt und es kamen uns eine Menge Autos entgegen. Im 404 ha großen Kings Park, etwas oberhalb von Perth gelegen, hatten wir einen tollen Blick auf die Skyline. Er enthält den Botanischen Garten, viele Wanderwege, Picknick- und Spielplätze, ein Restaurant und Aussichtsmöglichkeiten. Da es leicht tröpfelte und nicht zum Spazieren gehen einlud, fuhren wir in die Wohnung zurück. Abends schmausten wir im Boathouse Seafood Garden, dass zweite von dreien an der Wohnanlage gelegenen Restaurants. Von außen sah es zwar etwas heruntergekommen aus, aber Essen und Service waren optimal. Ingrid aß Minipizza mit Bohnen, Würstchen, Käse Tomaten und dazu Pommes Frites und Salat (ich glaube in Australien gibt es zu jedem Kindergericht Pommes Frites), Manfred aß vorweg eine vegetarische Bohnensuppe, dann Dhufish mit Pommes Frites und ich Red Emperor mit Pommes Frites. Dhufish sah ähnlich aus wir Red Emperor, war aber zarter, schmeckte weniger stark nach Fisch und war teurer.


Dienstag, 20.8.96

Hausstrand bei TagDa wir gestern Nacht unsere neuentdeckte Heizung anschmissen, war es beim Frühstück schön warm. Draußen regnete es. Ingrid spielte schön, und ich nutzte das Regenwetter zum Wäschewaschen in den Münzwaschmaschinen (2$ eine Waschmaschinenladung, 1$ Wäschetrockner und 20 Cent das Waschpulver). Während die Waschmaschine vor sich hin arbeitete, testeten wir das Einkaufszentrum um die Ecke. Im Kings ParkWir deckten uns mit Lebensmitteln, Tageszeitung, Karten- und Informationsmaterial über West Australien ein. Manfred entdeckte einen tollen Atlas, der jede Straße, Informationen über Sehenswürdigkeiten und Motels enthielt. In den Stadtplänen von Perth (Millionenstadt) war sogar jede Ampel und jeder Kreisel vermerkt. Dadurch wurde meine Arbeit als Beifahrer und Wegführerin bedeutend vereinfacht. Anschließend schaukelten wir mit dem Auto nach Fremantle, eine Hafenstadt 18 km neben Perth. Sie wurde 1829 von Captain Charles Howe Fremantle gegründet. Die ersten Gebäude wurden mit Hilfe tausender Sträflinge erbaut. Viele von diesen Gebäuden sind erhalten. Mit dem Einsetzen des Goldrausches wurde es eine florierende Hafenstadt. Restaurants und Straßencafes luden bei schönem Wetter zum Verweilen ein. Leider wurde der Regen stärker und wir flüchteten in ein Selbstbedienungs-Fischrestaurant neben dem Fischmarkt. Mit Blick auf die Endeavour-Nachbildung (mit der hatte James Cook 1770 die australische Küste erforscht) konnten wir überdacht draußen sitzen. Auf dem Weg zum Auto leistete Ingrid sich eine Barbie ähnliche Puppe in einem 2$ Geschäft. Das heißt alles was hier angeboten wurde kostete 2$. Manfred kaufte sich einen Schirm, da sich der alte auflöste. Nachmittags machten wir es uns wieder im Haus gemütlich bei Kaffee und Jeanswäsche. Ingrid schaute Kinderstunde im Fernsehen und spielte mit Puppen. Abends schmausten wir wieder beim Thailänder. Nachts stürmte es so stark, dass die Innentüren wackelten und Manfred zum Dämpfen einen Strumpf in die Tür stopfte.


Mittwoch, 21.8.96

BottlebrushDer Regen hatte nachgelassen, die Sonne ließ sich immer mehr blicken. Ingrid hätte am liebsten noch einen Regentag, da sie es in der Wohnung so gemütlich fand. Um 8.30 Uhr sahen wir uns im Fernsehen die Deutsche Welle an. Wir wollten mal ein paar Nachrichten aus der Heimat sehen. Bis jetzt hatten wir in den Zeitungen nur einen kleinen Randartikel über Deutschland entdeckt, und der berichtete über das Punkertreffen in Hannover. Wir fuhren in den Kings Park, bummelten durch den hübschen Botanischen Garten, mit schönen Ausblicken auf den Swan River und Perth. Beim Informationsstand erwischten wir zufällig die Perth Tram (ein Bus mit Anhänger, der wie eine Tram aussieht). Wir hatten freie Platzauswahl und setzten uns ganz hinten in den Anhänger zum Filmen. Die Stadtrundfahrt dauerte eine gute Stunde. Danach boten wir Ingrid noch ein Highlight in Small World. Dort ist alles in Miniformat aufgebaut (Märchenkulissen, Eisenbahnen, Autos, Bauernhäuser der verschiedenen Erdteile...). Leider herrschte Fotografierverbot, was mit einer Kamera überwacht wurde. Nur ein Raum enthielt keine Überwachungskamera, was Manfred schnell zu einem heimlichen Foto nutzte. Weiter gab es hier viele Knöpfe zum Drücken, woraufhin sich etwas in Bewegung setzte. An den Wänden hingen Poster mit einer Werbung für das Nürnberger Spielzeugmuseum. In einem Kiosk im Kings Park holten wir uns eine Kleinigkeit zum Schmausen. Während ich einen Platz freihielt, Ingrid Pommes Frites auf dem Tisch abstellte und wieder verschwand, setzte sich ein dicker schwarzer Rabe frech auf die Bank. Ich zog die Pommes schnell zu mir. Der Vogel wäre am liebsten auf den Tisch gehüpft. Durch den Botanischen Garten, der wirklich sehr hübsch angelegt war, ging es zurück zum Auto. An einem Strand hielten wir kurz. Ingrid und ich testeten mit den Füßen die Wassertemperatur, Manfred fotografierte die Wellen, bis ihm plötzlich eine davon bis über die Knöchel Wasser in die Schuhe laufen ließ. Den Sonnenuntergang verbrachten wir am "Hausstrand".


Donnerstag, 22.8.96

YorkUm 7 Uhr standen wir auf, frühstückten, packten unsere Sachen und brachen kurz vor 9 Uhr auf. Geplant war folgende 6 tägige Rundreise: Startpunkt Perth, von hier Richtung Osten über York, nach Hyden, Richtung Süden nach Albany und über Pemberton zurück nach Perth. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir langsam die Stadtgrenze von Perth. Da beinahe jede australische Familie ein Einfamilienhaus bewohnt, haben Städte in diesem Land immense Ausdehnungen. Platz gibt es ja auch genug, besonders in West Australien mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern, das 5 mal so groß wie Deutschland ist. Blumen in CorriginUnd davon leben eine Millionen in ihrer Hauptstadt Perth. Eine Zeitlang fuhren Fahrzeuge mit Überbreite vor uns, die Silos transportierten. Nach 86 km, oder 1½ Stunden erreichten wir York. Dies ist eine alte Goldgräberstadt, die im alten Stil wieder restauriert wurde. Wir schlenderten ein wenig die Hauptstraßen auf und ab und fuhren weiter. Unser Ziel für heute war das 340 km von Perth entfernte Hyden mit seinem Wave Rock. Die Straßen wurden immer einsamer und zum Teil schnurgerade. Kam man über eine Kuppe, ging es weitere 40 km geradeaus. Nur einige Autos begegneten uns. Da so wenig Betrieb auf den Straßen war, grüßten sich die Autofahrer untereinander. Nach weiteren 2 Stunden erreichten wir Corrigin. Der Ort hat vielleicht 500 Einwohner, wird aber schon seit 60 km angekündigt. Nach längerer Suche entdeckten wir sogar ein kleines Lokal. Wir setzten uns in die Gaststube mit drei Tischen. Manfred aß Nachos mexikanischer Rindersoße, ich Sandwich mit Huhn und Salat und Ingrid Hot Dog mit Käse und Tomate. Dazu tranken wir Coke. Der ganze Spaß kostete 14$, inklusive einem selbstgebackenen Apfelmuffin zum Nachtisch. Übrigens habe ich in Corrigin zwei Postkarten eingeworfen, die nur fünf Tage nach Deutschland brauchten. Anschließend bummelten wir noch auf einen versprochenen Spielplatz, neben dem verlassenen Bahnhof gelegen. Als wir uns dort etwas umsahen stand eine Frau in der Tür des alten Bahnhofsgebäudes und fragte uns nachdem "Woher und Wohin?". Sie lud uns in ihr Büro ein, gab uns Tipps für unterwegs (Stop einlegen am Gorge Rock) und erzählte uns von ihrer Arbeit. WaverockSie machte eine Bestandsaufnahme sämtlicher Pflanzen in dem Shire (ca. 50 km x 50 km), das heißt sie presste die Pflanzen in ihrem Herbarium und fand ihre Namen heraus. Seit Februar waren es schon 2000 Pflanzen. Manfred, der mit seinem Fotoapparat herumlief, bot sie an, er könne gerne die gepressten Pflanzen fotografieren, die im Moment draußen nicht blühten. Dann rannte sie ins Gebüsch und schenkte uns zum Abschied eine gelb blühende Pflanze mit der Bemerkung, diese wäre eine australische Nationalpflanze. Den Namen haben wir nicht verstanden. Aber nach längerer Suche in meinen Büchern müsste es sich um die "Golden Wattle" handeln. Die Straße wurde einspurig, d.h. schon breit genug für zwei Autos, aber nur in der Mitte geteert. Bei Gegenverkehr musste man eben mit einem "Bein" ausweichen. Am Gorge Rock legten wir, wie empfohlen eine Rast ein. Es handelte sich um einen riesiger Felsen, auf dem man herumlaufen konnte. Aber beeindruckender fand ich die Termitenhügel. Bevor wir uns ein Quartier suchten in Hyden, wollten wir lieber noch die letzten Sonnenstrahlen ausnutzen und den Wave Rock besuchen. Der Eintritt kostete 5$. Zuerst dachten wir es wäre Nepp, aber es ist lohnte sich auf alle Fälle. Das Gebiet umfasst 23 ha, in dem sich der riesiger 2,7 Milliarden Jahre alte Granitfelsen befindet. Er hat eine Höhe von 15 Metern und ist auf der Westseite vom Wind so ausgehöhlt, dass er die Form einer großen Welle besitzt. Die verschiedenen Farben entstanden durch die unterschiedlichen Minerale, die vom Regen in Form von Bändern aus dem Fels herausgespült wurden. Wir waren froh, dass wir den Fels noch abends besucht haben. Erstens schien die Sonne nur abends so schön dagegen, zweitens regnete es morgen. Von anderen Touristen übrigens keine Spur, außer zwei weiteren Paaren. Oben, auf dem Felsen konnte man spazieren gehen mit Fernsicht zu allen Seiten. In Hyden fanden wir dann auch ein Motel. Vor dem Abendbrot setzten wir uns an den brennenden Kamin, wo wir mit zwei Paaren ins Gespräch kamen, die wir schon am Wave Rock trafen. Sie stammten aus Brisbane bzw. Perth, reisten gemeinsam und waren vielleicht im Alter von 60 Jahren. Dann ging es zum Dinner. Es war ein großes Salatbuffet aufgebaut. Dazu konnte man sich an der Theke rohes Fleisch aussuchen und selber grillen auf einem, in der Mitte des Raumes stehenden, riesigen Grill. Diese Arbeit wurde mehr oder weniger freiwillig von den Männern ausgeführt. Die Getränke holte man sich aus der angrenzenden Bar. Vor dem Schlafen arbeitete Ingrid noch ihr Essen in einem Fitnissraum wieder ab.


Freitag, 23.8.96

Straße in WAHeute morgen um 7 Uhr beim Tagebuchschreiben, die anderen beiden schliefen noch, fand draußen schon ein lautes Vogelkonzert statt. Zwischendurch krächzten immer wieder die australischen Raben mit ihrem nicht sehr schönen Klang. Es hörte sich an, wie wenn meine Schwester und ich früher das Mittagessen nicht mochten und zur Freude unserer Mutter dies lauthals mit öäääh, öäääh kundtaten. Etwa 20 km hinter Hyden schlugen wir einen unbefestigten Weg Richtung Lake Grace ein. Die Fahrbahn war knallrot, so wie man es sich in Australien vorstellt. Nach weiteren 23 km wurde daraus wieder eine befestigte Straße. An einem lila schimmernden See hielten wir kurz. Er lag so einsam, dass ich mehrere, alte und neue Känguruspuren entdeckte.Unser Weg führte die Chester Pass Road durch Gebirge, Stirling Range (höchster Gipfel etwa 1000 Meter hoch), bis wir am frühen Nachmittag Albany erreichten. Eine hübsche Stadt mit 26.000 Einwohnern, die älteste europäische in West Australien (1826). Im Informationsbüro deckten wir uns mit Prospekten über Unterkünfte ein und ließen uns die Highlights von Albany beschreiben. Damit setzten wir uns in ein Café und sortierten aus, was uns gefiel bzw. nicht. Drei kamen in die engere Auswahl. Das erste hieß Coraki, etwa 10 km von der Stadtmitte entfernt, am Oyster Harbour gelegen. Es war leicht zu finden, und wir erhielten ein großes Haus mit drei Schlafzimmern. Die kleineren Hütten waren belegt. Ein so tolles Haus hatten wir noch nie für 90$ die Nacht plus 15$ für Bettwäsche und Handtücher (Nie stimmt nicht ganz, das Haus in Mission Beach war genauso groß und schön und billiger). Wir bummelten ein bisschen zu dem Wasser, wo man sich Kanus ausleihen konnte. Auf einer kleinen Insel, nicht weit vom Ufer entfernt, saßen mehrere Pelikane. Zum Coraki gehört außerdem noch ein Gehege mit 2 Kängurus, 2 Emus und 2 Schafen. Unser einziges Nachbarhäuschen schien unbewohnt zu sein. An unsere Terrasse grenzte eine große Wiese mit einer Schaukel und dahinter sah man direkt auf das Wasser. Am Abend entfachte Manfred ein gemütliches Kaminfeuerchen.


Samstag, 24.8.96

Little BeachIrgendwann wachten Manfred und ich auf und dachten der Radiowecker liefe, weil Ingrid damit den ganzen Abend gespielt hatte. Es hörte sich an, als wenn ein Mensch immer die gleiche Pausenmelodie pfiff. Wahrscheinlich war es ein Vogel, der Wecker war es jedenfalls nicht. Um 6.30 Uhr setzte dann ein richtiges Vogelkonzert ein. Sogar Kookaburras hörte man lachen. Manfred bemühte sich schon um ein gemütliches Feuerchen, was ihm ohne Anzünder schließlich schon nach einer Stunde gelang. Das Frühstück war trotz der 14°C im Haus sehr lecker. Wir fuhren einfach wahllos mal nach Nanrup, an den Nanruper Beach, dann weiter an die Two Peoples Bay (Little Beach). An dem Strand, mit wirklich schneeweißem Sand hielten wir uns eine gute Stunde auf. Zwei Autos kamen zwischenzeitlich, die Besatzung mit dicken Ferngläsern ausgerüstet. Um diese Jahreszeit sind wohl öfter Wale zu sehen. Unsere Zimmerwirtin erzählte uns von Mietern, die in der Nähe einen Strandspaziergang unternahmen und dabei sieben Wale entdeckten, unter anderem welche, die mit voller Länge raussprangen. Man müsse nur zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Ingrid turnte mit Vorliebe auf den vielen Felsen am Little Beach herum. Kletterte man am Ende des Strandes einen steilen Weg hinauf, folgten weitere unberührte Strände. Wie bestellt, blieb es sonnig, solange wir uns hier aufhielten. Kaum saßen wir im Auto fing es an zu regnen. Einen kleinen Abstecher unternahmen wir zum Emu Point, der zwar sehr bekannt ist, aber Little Beach gefiel uns bedeutend besser mit seinem weichen, weißen Sand. Hier sind eher viele spitze Muscheln und mehr Menschen. Nachmittags schnitzte Manfred Anzündhölzle. Zum Sonnenuntergang fuhren wir noch Richtung Mt. Adelaide, einen der zwei Aussichtsberge von Albany. Da der Mt. Adelaide gesperrt war, wählten wir den Mt. Clearence gegenüber. Die Sonne kam jetzt immer mehr hervor, so dass man von hier einen schönen Rundblick hatte (Albany, Oyster Harbour, Ozean mit Inseln). Abends entfachte Manfred wieder ein schönes Kaminfeuerchen. Mit Fischstäbchen, Hamburgern, Sandwich und Rotwein genossen wir unseren Abend daheim. Die Nacht war sternklar. Am Feuerchen sitzend hörte man von draußen nur Frösche quaken und in der Ferne einen Hund bellen.


Sonntag, 25.8.96

Natural BridgeDie Nacht war sehr frostig (Rekord in diesem Urlaub: 4°C draußen und 8°C im Schlafzimmer). Die sechs Wolldecken hielten zwar warm, aber das Gesicht war eisig. Den übrigen Familienmitgliedern machte die Kälte nicht so viel aus. Manfred erbarmte sich und schmiss um 6.30 Uhr den Kamin an, damit wir eine Stunde später am Feuer frühstücken konnten. Mitten beim Essen hörten wir draußen einen Vogel jammern. Als wir die Terrassentür öffneten, blickte uns ein Magpie erwartungsvoll an. Er hatte sich von vorgestern wohl noch gemerkt, dass wir ihn mit altem Weißbrot gefüttert hatten. Vier bis fünf Stückchen pickte er auf, dann reichte es ihm. Ein etwas kleinerer Magpie setzte sich laut schimpfend, mit Flügeln schlagend so weit entfernt auf die Wiese, dass wir ihm nichts zuwerfen konnten. Der größere Vogel erbarmte sich und brachte dem kleineren ein Stückchen. Auf dem Weg zur Frenchman Bay besichtigten wir noch die Brig Amity, ein Nachbau des Schiffs, welches die ersten Siedler 1826 nach West Australien brachte. Es war interessant, wie eng es in den Kajüten zuging. Der Kojengröße nach, waren die Menschen bedeutend kleiner als heute. Langsam wurde es wärmer und man konnte sogar kurzärmelig herumlaufen. Unser erster Stop auf der Frenchman Bay war der Strand am Ende. Aber wieder kein Vergleich zum Little Beach. Unser nächstes Ziel, The Gap und Natural Bridge werden in jedem Führer erwähnt. The Gap ist eine 24 Meter hohe Felsspalte, wo das Wasser bei starker Brandung bis oben spritzt. Natural Bridge ist ein Granitfels, der die Form einer Brücke hat. Eine italienische Reisegruppe befand sich zufällig auch an der Brücke, als plötzlich ein lauter Aufschrei durch die Menge ging. Ich dachte schon es wäre etwas passiert, aber es war nur die Brandung, die die Italiener so in Entzücken versetzte. Auf dem Rückweg deckten wir uns mit Kuchen und Fleisch ein. Nach einer Kaffeepause paddelten Ingrid und Manfred, während ich einen Spaziergang am Wasser unternahm. Abends schmausten wir wieder Zuhause und schauten ein bisschen TV. Ingrid und ich ließen nachts unsere Zimmertüren zum Kamin geöffnet, so waren die Temperaturen erträglicher.


Montag, 26.8.96

William BayManfred entfachte um 6 Uhr ein Feuerchen. Eine Stunde später krabbelte auch schon die Sonne hervor. Auf ging's Richtung Walpole, unser letzter Tag in Albany war angebrochen. Die Vermieterin gab uns für heute Nacht einen Tipp, wo wir schlafen könnten: "Che sera sera" bei Walpole. 12 km hinter Denmark bogen wir Richtung Ozean zur William Bay ab. Bei einem schneeweißen Strand, namens Green's Pool legten wir Rast ein. Das Wasser schimmerte in allen Farben, und natürlich weit und breit keine Menschenseele. Auch ein Tipp unserer Zimmerwirtin. Zwischendurch hörten wir immer mal wieder ein quietschendes Geräusch, wie von einer Baumaschine. Weit und breit war aber keine zu sehen. Bis Manfred plötzlich den "Übeltäter" entdeckte, ein Windrad in den Dünen, das Grundwasser in einen Behälter für das öffentliche WC pumpte. Bei jedem Windstoß fing das Rad an zu quietschen und zu pfeifen. Von dem daneben liegenden kleinen Tümpel erklangen merkwürdige Töne. Es hörte sich an, als ob an einer tiefen Gitarren Saite gezupft wurde. Manfred dachte an einen, im Gebüsch versteckten Lautsprecher. Aber es klang aus jedem Gestrüpp. Richtig unheimlich, das quietschende Rad, die merkwürdigen Töne. Wir erinnerten uns an einen Film aus dem Outback Australiens, bei dem jedes Mal ein Monster erschien, wenn sich das Windrad drehte. Das Monster entpuppte sich am Schluss des Films als eine Baggerschaufel. Am nächsten Tag entdeckten wir in einem Buch, dass es sich um einen Banjo Frog handelte, der die seltsamen Töne erzeugte. Der Unterkunftstipp "Che sera sera" lag ganz einsam im Wald, etwa 14 km von der Hauptstraße entfernt. Hier hätten wir Natur pur. Aber es war uns doch zu weit ab vom Schuss für eine Nacht. In drei Tagen mussten wir am frühen Morgen im 450 km entfernten Perth sein. Am Valley of Giants hielten wir zu einem Tree Top Walk. Dies ist ein mit Gerüsten angelegter Weg, in Höhe der Baumgipfel. Die hier wachsenden Karri Trees (Eukalyptusbäume), sind die dritt größten Bäume der Welt. Manfred, dem das Wetter nicht behagte, blieb im Auto und arbeitete unsere weitere Reiseroute aus, Ingrid und ich erkundeten den Weg durch die Baumwipfel. An der Kasse sagte plötzlich eine Frau: "Hello Ingrid". Ich dachte, ich hätte mich verhört und ging weiter. Dann meinte Ingrid, dass ihr die Frau bekannt vorkäme und zwar aus dem Motel in Hyden, wo wir vor vier Tagen übernachtet hatten. Und richtig, sie war es. Als nächstes Ziel gaben sie Pemberton an. Zufälligerweise hatte Manfred sich unabhängig davon, das gleiche Ziel überlegt. Wir fuhren dorthin und machten Halt im Forest Lodge Motel. Wieder ein Glückstreffer! Wir erhielten eine kleine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer mit Küche und Bad. Und besonders toll, in jedem Zimmer waren Heizstrahler, Heizdecken sogar auch noch. Im Supermarkt erstand Manfred ein 10$ Hemd. Im gemütlichen B.Y.O. Restaurant Shamrock, wir saßen schon beim Essen, stürmten plötzlich wieder unsere Bekannten aus Hyden ins Lokal. Es gab ein großes Hallo mit Adressentausch. Nach dem Essen luden wir sie auf ein Gläschen Wein in unsere Unterkunft ein. Es wurde ein netter Abend mit Jim + Joey aus Brisbane und John + Yvone aus Perth. John fragte uns, wer uns die tollen Reisetips gegeben hätte, z. B. dieses Motel, Pemberton oder den Tree Top Walk? Wir zeigte ihm das in Perth erstandene Buch, das von seiner Regierung herausgegeben wurde: "The West Australian Travellers Atlas" für 25$. Gegen 23 Uhr fielen wir müde ins Bett.


Dienstag, 27.8.96 

Tram in PembertonNachts ließ ich die Heizung im Schlafzimmer an. Es wurde richtig schön warm. Manfred schürte um 6.30 Uhr im Wohnzimmer schon ein Feuerchen, damit es beim Frühstück auch schön warm war. Temperatur draußen: 16°C und Sonnenschein. Bei einem Rundgang durchs Motelgelände entdeckten wir alle möglichen, unbekannten, hübschen Pflanzen, sowie dick beladene Orangen-, Pampelmusen- und Zitronenbäume. Auf dem Grundstück stand eine aufgebaute Tierfalle, in der Größe zweier übereinander gestapelter Schuhkartons. Ich weiß nicht, wen sie damit fangen wollten. Dann flogen die oben schon erwähnten Ringneck Parrots und noch eine kleinere buntere Sorte, die Western Rosellas herum. Vor den Fenstern des Hotelrestaurants hing eine Fütterungsstelle, auf der tummelten sich die kleinen Papageien. Wir fuhren zum Touristenbüro und sahen uns dort ein bisschen um. Übrigens steht hier ein Aquarium mit einem Marron. Jetzt wussten wir endlich was das ist, was gestern im Restaurant für 24$ das Stück angeboten wurde: Sieht aus wie Hummer, lebt aber im Süßwasser. Wir ließen unser Auto stehen und marschierten zum Bahnhof. Mit der Tramway ging es durch den Eukalyptuswald mit seinen berühmten Karri Trees (drittgrößten Bäume der Welt und größten in Australien). Die Bäume wachsen ein bis zwei Jahrhunderte in die Höhe bis sie etwa 75 Meter erreicht haben, dann gehen sie in die Breite. Ihre Rinde pellt sich zwischen Februar und März. Der Tramfahrerin, eine richtige Ozzi-Mate mit Lederhut und Cowboyhemd, machte ihre Arbeit richtig Spaß. Entschuldigung, ich meine Stockmanhemd, Cowboys gab es hier ja nicht. Sie erzählte eine Menge und amüsierte sich dabei. Zwei Pausen wurden eingelegt, während denen man herumlaufen konnte. Zurück brauste die Eisenbahn mit einer Spitzengeschwindigkeit von 35 - 40 km/h. Der ganze Ausflug dauerte knappe zwei Stunden. Die Ingrid versprochene Kanufahrt fiel im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser, es goss in Strömen. So beschlossen wir noch zwei berühmte Karri Trees im Naturpark zu besichtigen. Auf dem ersten wurde in 62 Metern Höhe eine Plattform errichtet, auf die man hinaufklettern darf. Früher diente sie dazu, ausgebrochene Buschfeuer schneller zu sichten. Leider (Gottseidank) ist es für Kinder verboten die glitschigen Metallstufen hochzuklettern. Ingrid weinte vor Enttäuschung. Sie hatte sich so darauf gefreut. Den nächsten berühmten Karri Tree erreichte man über einen mit Schlaglöchern gespickten Weg. Dieser Baum ist 74 Meter hoch, 2,80 Meter breit und wurde in der Mitte zum Hineinkrabbeln ausgehöhlt. Abends aßen wir, als die einzigen Gäste im Motel. Die Eltern des Obers, der auch gleichzeitig als Koch arbeitete, stammten aus der Schweiz. Er behauptete er könne kein deutsch, nur schweizerdeutsch. Er wünschte uns zum Essen: "Einen guten miteinand". Manfred aß Süßwasserfisch mit Thaisoße, Kartoffel und Salat, Ingrid Lasagne mit Spinat und ich Porterhousesteak mit Kartoffel, Quarksoße und Salat.


Mittwoch, 28.8.96

Jetti in BusseltonHeute nacht hatte es tüchtig geregnet. Manchmal so laut auf unser Wellblechdach, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Aber die Einheimischen freuten sich über den Regen, denn in den letzten Jahren herrschte ziemliche Trockenheit. Und sie leben ja hauptsächlich vom Möbelbau, Holzhandwerk und natürlich den Touristen, die sich die großen Karri Trees ansehen. Als ich heute morgen ins Wohnzimmer schaute, hatte Manfred schon längst ein Feuerchen entfacht und vor der Terrasse weideten zehn kleine Western Rosellas. So, jetzt ging es wieder Richtung Perth, morgen war Abflug. Unsere erste Station heute war Busselton. Dort ist die längste hölzerne Jetti, 2 km, auf der südlichen Hemisphäre. Sie wurde 1855 erbaut, 1978 vom Zyklon Alby zerstört und dann wieder aufgebaut. Wir liefen gute 45 Minuten bis zum Ende und zurück. Man hätte auch mit einer Bahn fahren können. Auf der Jetty saßen nur ein paar Angler, die dicke Krebs fingen. Busselton bekam 1995 die Auszeichnung: Touristenort des Jahres. Der Strand war kilometerlang. Den Rest der Strecke nach Perth fuhren wir in eins durch. Am Great Eastern Highway entdeckten wir ein nettes Motel: Regency Motel. Damit morgen alles reibungslos funktionierte, stoppten wir den Weg zum Flughafen, erkundigten uns wo AVIS war und ließen uns schon Sitzplätze bei Qantas reservieren. Seltsam, von hier aus ging das! Er versprach uns sogar Fensterplätze. Zum Abschied schmausten wir noch im Seafood Lokal in Scarborough. Die Bedienung Heidi erkannte uns wieder und freute sich, dass wir unseren letzten Abend bei ihr verbrachten. Vor dem Hotel spielten wir mit einer Katze, die so anhänglich war, dass sie noch lange miauend vor unserer Zimmertür saß.


Donnerstag, 29.8.96

Die Nacht war sehr kurz, um 4.50 Uhr klingelte der Weckert. Als ich aus der Haustür trat, um Ingrid ein Sweatshirt aus dem Kofferraum des Autos zu holen, empfing mich schon "unsere" Katze mit lautem Miau. Zum Flughafen brauchten wir nur 15 Minuten. Die Rush Hour hatte noch nicht eingesetzt. Das Flugzeug, eine zwei Wochen neue Boing 767-338 startete pünktlich. Lustig war Ingrids versprochener Fensterplatz. Dies war der einzige Fensterplatz im Flugzeug ohne Fenster. Dank zäher Verhandlungen Manfreds mit einer Stewardess, durften wir unsere Plätze mit einem freien Fensterplatz tauschen. Leider mussten wir jetzt die Rolläden schließen, damit sich die anderen Fluggäste ungestört "Das Phantom" reinziehen konnten. 50% der Filmzeit wurden hier wohl für Schlägereien vergeudet. Das ärgerte mich immer wieder, dass man bei der schönsten Aussicht die Rolläden für die dämlichen Filme schließen musste. Ich empfahl Ingrid den Film zu verschlafen, was sie auch ohne Zögern tat. Manfred döste und ich las.

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