Singapur
Freitag, 29.8.96
Nach
knappen fünf Stunden landeten wir um 13.30 Uhr in Singapur.
Es war stark bewölkt und hatte 28°C. Mit dem Taxi (20$) ging es
zum Hotel Beaufort auf der Insel Sentosa. Am Empfang
erhielten wir als erstes wieder ein Begrüßungsfax von meinem
Vater. Zuerst drehten wir eine Runde mit dem Monorail. Diese Bahn umrundet
Sentosa kostenlos. In der einfahrenden Bahn winkten eifrig ein paar junge
Burschen, die für Ingrid gleich zusammenrutschten und Platz machten.
In einem anderen Abteil winkte eine Frau mit einem jüngeren Mädchen
Ingrid heran. Ingrid und ich stiegen ein, während Manfred nur noch im
Nachbarabteil Platz fand. Die Mutter des Kindes, fragte Ingrid, ob sie
etwas dagegen hätte, wenn sie ihre Tochter zusammen mit Ingrid
fotografieren würde. Dann wurden die beiden für ein asiatisches
Foto nebeneinander platziert. Sie wollten wissen, wo wir herkämen und
übersetzten Germany in chinesisch. Ich konnte es mir aber keine zwei
Sekunden merken. Nach dem Abendessen fuhren wir mit dem Monorail zum
Strand, von wo aus wir noch die Lasershow besuchten am Merlion. Das ist
eine Aufführung, bei der über die Musik mehrere Springbrunnen
und Laserlicht gesteuert werden.
Samstag, 30.8.96
Bis
8 Uhr schliefen wir aus. Die Sonne schien. Beim Frühstück im
Freien erlebten wir eine Überraschung. Eine ganze Affenfamilie tollte
auf der Wiese und den Bäumen vor uns herum. Überall waren plötzlich
Affen, vom Dach über uns hingen ihre Schwänze herunter. An den
Regenrinnen kletterten sie hinauf. Ich ärgerte mich, die Kamera nicht
dabei zu haben. Mit der Monorail fuhren wir heute morgen zum Strand. Dort
leiten wir uns ein Tretboot aus. Während Manfred und Ingrid auf dem
kleinen, abgesteckten Gebiet herumstrampelten, saß ich am leeren
Strand mit Blick auf Palmen und Wasser. Wie oft sehnt man sich Zuhause
nicht genau an so einen Ort? Anschließend färbte Manfred
unfreiwillig seine Hose blau und rot, weil er sich auf frische, farbige
Verfugung setzte. Manfred war aber nicht der einzige. Als nächste
Attraktion kletterten wir auf den Merlion (das Wahrzeichen von
Singapur). Nachdem wir endlich den Eingang fanden ging es durch ein
Gruselkabinett einen Aufzug hinauf. Oben auf der Plattform hatte man einen
Blick über ganz Sentosa, Singapurs Skyline und den Hafen. Jetzt ging
es nach Asian Village. Ingrid schwitzte so fürchterlich, dass
sie sich nach einer Mütze sehnte. An einem Stand entdeckten wir
welche. Die zugehörige Verkäuferin des Shops war sehr
aufdringlich. Ingrid erstand einen Strohhut, Manfred ein Hemd. Was man
sich im Shop auch ansah, die Verkäuferin stürzte sofort herbei
und bot etwas an. Manfred kam später mit einem 79$ Hemd,
versehentlich auf 30$ runtergehandelt, wieder raus. Die Verkäuferin
war sogar hinterher noch sauer, denn Manfred konnte nur mit AMEX zahlen.
Soviel Bargeld konnten wir dafür nicht entbehren.
Das
geschah ihr aber recht, denn Ingrids Hut wehte erstens dauernd vom Kopf
und zweitens löste er sich im Laufe des Tages langsam auf. Im
angrenzenden Adventure Land war so gut wie nichts los. Und im Asian
Village waren alle Stände geschlossen. (Asian Village ist eine
Nachbildung alter Gebäude aus den verschiedensten Teilen Asiens). Zu
Fuß ging es zum Hotel zurück. Zum Dinner wollten wir eigentlich
auf einen alten Raddampfer, aber es gab nur Fastfood und Plätze in
einem "Wartesaal". Draußen konnte man nicht sitzen. So
entschieden wir uns für das Seafood-Lokal. Das war schon mal nett
aufgebaut. Man wurde an den Aquarien vorbeigeführt, in denen die
Fische der Speisekarte schwammen. Dann ging es einen langen, überdachten
Steg hinaus auf das Wasser. Dort saß man direkt am Meer an alten Nähmaschinentischen.
Fast jeder Tisch hatte eine Bedienung, die zwei Meter entfernt stand. Da
noch nicht so viel los war, standen bei uns zeitweise vier. Das war
manchmal ziemlich nervig. Wir suchten uns jeder ein Gericht aus. Die
Speisen wurden aber nicht so serviert, wie wir uns das vorgestellt hatten,
sondern hintereinander, jedes Gericht für alle drei. Hinterher
schauten wir uns noch zwei spektakuläre Laser-Shows am Merlion an.
Heute nacht, wir waren gerade beim Einschlafen, musste Ingrid plötzlich
rückwärts speisen. Wir schätzten es war die Soße, die
in kleinen Schälchen vor uns stand. Ingrid schüttete sich den
ganzen Schälcheninhalt in ihren Reis, während ich nur probierte
und Manfred gar nichts davon aß. In der Nacht ging mir alles mögliche
durch den Kopf, z.B. dass es Handspülwasser gewesen sein könnte.
Bis jetzt, es war 3.30 Uhr lagen Manfred und ich noch wach, da unsere
Nachbarn ein nicht endendes Fest veranstalteten. Die orientalisch
klingende Musik wurde immer lauter. Manfred beschwerte sich an der
Rezeption, dann wurde es endlich still.
Sonntag, 31.8.96
Letzter
Urlaubstag. Leider
verpassten wir die Affen zum Frühstück. Ingrid ging es viel
besser. Sie hatte ohne Unterbrechung geschlafen ohne die nachbarliche
Party mitzubekommen. Nachdem wir unsere sieben Sachen gepackt hatten,
drehten wir noch eine Runde durchs Hotelgelände. Tatsächlich
entdeckten wir noch ein paar Affen. Als die Kameras endlich so weit waren
haben sie sich wieder im Baum verkrümelt. Gegen Mittag zahlten wir
und ließen unser Gepäck in der Aufbewahrung.
Es
regnete und wir fuhren mit dem Monorail zur Underwaterworld. Wie
in Sydney gab es eine Unterwasserröhre, von der man die Fische
beobachten konnte. Man stellte sich auf ein Laufband und wurde einmal
hindurch befördert. Das war ideal zum Filmen, denn hier konnte sich
keiner dazwischen drängen. Nur an der Fütterungsstelle hätten
sie mich fast runter geschoben und Ingrid umgeschmissen. Den Platz den man
einnahm musste man eisern verteidigen, auch wenn man von den asiatischen
Kindern schreiend die Fäuste in die Hüfte gestoßen bekam.
In "unserem" Beer Garden legten wir Rast ein. Da sich Manfred
anstelle einer großen Flüssigkeitsmenge nur Cappuchino
bestellte, erlaubte ich mir die Bemerkung: "Heute ist es ja gar nicht
so heiß, richtig angenehm, nicht?" Da explodierte er fast, er wäre
ein Schweissbollen, wie denn das käme, dass ich gar nicht
schwitzte? 27°C waren es. Man saß hier recht gemütlich mit
Blick auf große, ankommende Passagierschiffe, eine leichte Brise um
die Ohren wehend. Es tröpfelte nur noch ganz leicht und wir machten
uns auf zum Butterfly-Park. Er war nett aufgebaut, aber man sah
wenig Schmetterlinge. Am Eingang befanden sich andere Insekten: Käfer,
riesige tropische Heuschrecken, einen Riesen-Tausendfüßler (20
cm lang) und das "Bewegte Blatt". Zurück im Hotel setzten
wir uns in die Bar und warteten auf unser Abtransport zum Flughafen. Als
unser bestelltes Taxi um 19.30 Uhr nicht erschien, erkundigte sich Manfred
an der Rezeption. Hier erklärte man ihm, dass das Taxi in einen Stau
geraten sei, ob 20 Uhr noch reichen würde. Kurz nach 20 Uhr erschien
es endlich. Vermutlich handelte es sich bei der verabredeten Zeit um ein
Missverständnis. Jedenfalls erschien ein Bentley, wo wir einschließlich
Gepäck im Fußraum, zu dritt nebeneinander, auf der Rückbank
eingepfercht saßen. In der Mitte war kein Gurt vorhanden. Durch eine
Scheibe waren wir vom Fahrer getrennt. An der Seite hing ein Mikrofon,
falls wir mit ihm reden wollten. Mit lauter CD-Musik wurde wir während
der wilden Fahrt berieselt. Vielleicht wegen schlechten Gewissens, fuhr er
wie der Teufel und überholte alle, egal ob rechts oder links.
Rückreise
Sonntag, 31.8.96
In knappen 25 Minuten Rekordzeit erreichte er den Flughafen. Dafür hatten wir eine Stunde eingeplant. Das Flugzeug, leider sehr ausgebucht, startete pünktlich. Ingrid und ich saßen auf Mittelplätzen nebeneinander, fast ganz hinten. Manfred saß zwischen zwei auch recht korpulenten Männern eingezwängt hinter uns. Man sah den freien Platz zwischen den Männern zuerst gar nicht. Ingrids Nebensitzerin, eine Frau vielleicht um die 60, schaute sie so muffig an, dass Ingrid am liebsten sofort mit mir getauscht hätte. Ich versprach ihr ab Bangkok meinen Platz. Das Kindermenü heiterte Ingrid wieder ein bisschen auf, und nach einem Glas Rotwein schrieb sich das Tagebuch auch viel flüssiger. Kurz vor Mitternacht, nach Bangkok-Zeit landeten wir hier. Nach einer Stunde Aufenthalt ging es weiter. Ingrids Sitznachbarin war so müde, dass sie während des Zwischenstops im Flugzeug schlief. Sie entpuppte sich beim weiteren Flug als recht freundlich, war wohl nur todmüde vom langen Flug aus Sydney. Und bekam in Singapur einen Schreck, als ein vermutlich lebhaftes Kind neben ihr saß. Als die ersten vier ihre Mahlzeit erhielten, unter anderem Ingrid und ich, flog die Maschine durch einige Luftlöcher. Ich hatte Schwierigkeiten den Rotwein im Glas zu halten. Schnell einen Schluck nehmen, in die Kaffeetasse stellen und abdecken. Rot gefleckte Sweatshirts machen keinen Spaß. Die Essensausgabe wurde unterbrochen, alle mussten sich anschnallen. Auch wir warteten mit dem Weiteressen, bevor wir uns die Gabel irgendwohin bohrten.
Montag, 1.9.96
Drei Stunden vor Ankunft wurden die Lichter angeknipst und Frühstück ausgeteilt. Pünktlich erreichten wir Frankfurt (Sonnig und 12°C gegen 6.45 Uhr).
Abenteuer Frankfurter Flughafen Teil 2: