Anreise


Mittwoch, 13.8.97 

Endlich Urlaubsbeginn! Bei schönstem Sonnenschein starteten wir um 10:30 Uhr unseren Urlaub. Die Taxifahrerin wunderte sich über das wenige Gepäck, in Anbetracht der Dauer und Weite unserer Reise. Dabei waren wir zu dritt, wie gehabt mit einem großen-, einem kleinen Koffer, den großen Rucksack und je einem Handgepäckstück unterwegs. Nach drei Stunden ICE-Fahrt erreichten wir den Frankfurter Hauptbahnhof. Die S-Bahn erwischten wir diesmal sofort. Sogar die Air New Zealand fanden wir erstaunlicherweise auf Anhieb. Der Schalter der Air New Zealand war bereits drei Stunden vor Abflug geöffnet, so dass wir gleich einchecken konnten. Dank Ingrid durften wir wieder zuerst einsteigen. Langsam zogen Wolken ab Norddeutschland auf, und man sah nichts bis zur Küste von Grönland. Dort erhielt man einen phantastischen Blick auf die Schneeberge. Zuerst dachte ich, das Wasser wimmelte von Schiffen. Doch so viele davon, wäre in einer recht unwirtlichen Gegend merkwürdig. Nach längerem Hinsehen entpuppten sich die Schiffe als Eisschollen, toll! Über Grönland selbst war es dann wieder wolkig. Außerdem mussten wir die Kabinen abdunkeln, wegen der blöden Videos. Bei dieser Gelegenheit dösten wir ein paar Stunden. 


Los Angeles

USA: Kalifornien Nach 10¼ Stunden Flug erreichten wir Los Angeles. Soweit der Blick reichte, sah man nur Häuser und Straßen, begrenzt vom Meer. Im Großraum dieser Stadt leben 14 Millionen Menschen, fast so viel wie in ganz Australien. Bei der Passkontrolle erfuhren wir, dass unser amerikanisches Visum nur 10 Jahre seine Gültigkeit besitzt. Wir dachten es gilt lebenslänglich und hatten es vor etwa 11 Jahren beantragt. Machte aber nichts, ohne Visum musste man bloß ein anderes Einreiseformular ausfüllen. Ein Taxi brachte uns zum nahegelegenen Hotel Furama. Das Zimmer war zwar etwas heruntergekommen, aber sonst o.k. für eine Nacht. Von Durst gequält, begaben wir uns noch auf die Suche in der näheren Umgebung. In der Hotelbar fand ein Karaoke-Wettbewerb statt, das hätten wir nicht ertragen, also schauten wir draußen. Unschlüssig verweilten wir vor einem Lokal, als schon der Ober herausschoss und uns einlud, hereinzukommen. Zwar hatten wir keinen Hunger, aber wir aßen dann doch noch eine „Kleinigkeit". Klein gibt es in den USA nicht! Die Portionen schwanken zwischen groß und unbezwingbar. Manfred aß ein Steak, Ingrid und ich teilten uns ein Steaksandwich. Das nahm uns der Ober nicht einmal übel, sondern fragte noch, ob er Ingrids und meine Portion schon in der Küche teilen solle. Gegen Mitternacht gingen wir ins Bett. Es musste gerade ein Flugzeug eingetroffen sein, jedenfalls stampfte eine große Reisegruppe an unserer Zimmertür vorbei. Plötzlich klopfte es bei uns mehrmals an der Tür. Der Gepäckträger hatte sich aber bloß in der Tür geirrt. Bis zwei Uhr lärmten unsere Zimmernachbarn noch herum, dann wurde es endlich still im Hotel. Gegen 5 Uhr schlief ich schließlich ein.

Minirunde durch Kalifornien

Donnerstag, 14.8.97 

Santa MonicaUm 7.45 Uhr (eigentlich 6.45 Uhr) wachten wir bei bewölktem Himmel und 20°C auf. Später stellten wir an der Rezeption fest, dass wir uns bei der Zeitumstellung um eine Stunde vertan hatten. (Ich hatte wohl zweimal die Sommerzeit dazugerechnet). Auch gut, so waren wir schön früh dran. Das Frühstück war o.k. Die riesige mexikanische Reisegruppe, die uns gestern Abend störte, saß musizierend auf den Gängen herum und wartete auf die Abreise. Mit dem Hotelbus brachte man uns zum Flughafen, wo wir unseren Leihwagen, einen Plymoth von „DOLLAR Rent a car" abholten. Als erstes fuhren wir mal aus der Stadt hinaus, Richtung Norden. In Santa Monica Bay legten wir ein kleines Päuschen ein. Inline Skater und Fahrradfahrer bevölkerten den geteerten Strandweg. Modells in Santa MonicaInline Skaten ist hier ein richtiger Volkssport für jede Altersgruppe. Auch ein paar Skater mit Segeln waren darunter. Auf dem naheliegenden Pier herrschte eine Menge Trubel mit Riesenrad, Achterbahn, Fototermin mit einem berühmten Schauspieler aus Pappe, usw.. Weiter ging es durch Malibu mit toll gelegenen Villen an den Santa Monica Mountains, auf den dicht befahrenen Highway 1 bis Ventura. Dem 33 Freeway folgend, machten wir einen Abstecher in die Coast Ranges. Die Straße wurde immer leerer, gebirgiger und trockener. Rechts von uns lagen ab Cuyama kilometerweit schwarze, abgebrannte Berge. Oft kreuzten kleine, graue Eichhörnchen die Straße. In einer Schleife ging es zur Küste zurück, über Santa Maria nach Guadalupe und Pismo Beach. Hier fanden wir direkt am Highway ein nettes Motel mit Swimming Pool, das „Blue Seal Inn". Sofort stürzten wir uns in die Fluten. Das Wasser war schön warm. Ich konnte vor 1 Uhr kein Auge schließen. Lange donnerten noch Autos vorbei. Aber besonders schlimm waren die vorbeiziehenden, kreischenden Gruppen. Mir war schleierhaft, warum man ausgerechnet hier an der Hauptstraße entlang spazieren musste, bis ich am nächsten Morgen einen Campingplatz als Nachbarn entdeckte. Seitdem nahm ich mir vor, in Zukunft einen großen Bogen um Campingplätze zu machen.


Freitag
15.8.97 

CoastrangesAllmählich wurde uns die Küste zu langweilig. Wir wollten in die Berge, zu den Greenhorn Mountains, den südlichsten Zipfel der Sierra Nevada. Dazu fuhren wir zurück nach Santa Maria, dann auf der 166, auf der wir gestern gekommen waren bis Cuyama. Kaum erreichten wir das Gebirge, knallte die Sonne erbarmungslos auf uns nieder. (Gegen 10.30 Uhr: 31°C). Die Landschaft östlich der Coast Ranges: Die Berge sind zum Teil nur noch mit kargem Gebüsch bedeckt. Es sieht hier eigentlich schon wie Wüste aus. Trotzdem gibt es große Plantagen. Angebaut werden Wein, Zitrusfrüchte, Erdnüsse, Mangos und so weiter. Aber es muss alles bewässert werden. Sonnenuntergang am Lake Isabella Auf einer recht lebhaft befahrenen Stadtautobahn querten wir Bakersfield, und landeten schließlich in den Greenhorn Mountains. Dem Kernriver folgend, ging es auf einer breit ausgebauten Strecke durchs Gebirge. Am Lake Isabella hielten wir nach einem netten Motel Ausschau, denn die Gegend lud zum Verweilen ein. Der etwa 15 km lange Stausee liegt idyllisch, inmitten der Berge. Die freundliche Dame des Informationsbüros in Kernville empfahl uns das Motel: „Falling Waters Resort", etwas außerhalb des Ortes. Wir fuhren gleich dorthin und erhielten leider nur für heute ein freies Häuschen, da Wochenende war. Die Anlage war sehr großzügig angelegt. Wir deckten uns im Ort mit Lebensmitteln ein und machten es uns in der Hütte bequem. Die Außentemperatur kletterte inzwischen auf 38°C. Ein bisschen spazierten wir zum 30 Meter vor der Haustür gelegenen Kernriver, als Manfred plötzlich Gold im Fluss entdeckte. Und tatsächlich, der Sand im Fluss glitzerte. Zum Abendessen fuhren wir zum Italiener „Pine Cone Inn" nach Kernville. Manfred freute sich schon den ganzen Mittag auf Pizza und bestellte sich eine. Man sah es der Pizza nicht an, aber der Boden war so dick, dass sogar Manfred sie nicht schaffte. Ingrid schmauste Kinderspaghetti mit scharfer Soße und ich Heilbutt mit Kartoffel in Folie (sehr lecker). Den Sonnenuntergang genossen wir am Lake Isabella.


Samstag, 16.8.97 

Am KernriverBei Goldsuche Sonnenschein und blitzblankem Himmel wachten wir gegen 7.30 Uhr auf. Wir packten unsere sieben Sachen. Ingrid und ich warteten im Auto, während Manfred den Schlüssel abgeben wollte. Freudestrahlend kehrte er zurück. Im letzten Moment hatte ein Gast abgesagt. Wir konnten hier blieben, mussten nur das Haus wechseln. Heute ging es am Kernriver aufwärts nach Southern Creek Falls. Die Berge, die unsere Straße säumten, waren zwischen 1500 und 3300 Meter hoch. Es gab alte Goldminen, Höhlen und Relikte aus Indianerzeiten. Wieder im Haus packte uns das Goldfieber und wir schürften, ausgerüstet mit einem leeren Filmdöschen und einer Pinzette, nach Gold. Mit unserer Ausbeute konnten wir zwar nicht das Motelzimmer zahlen, aber fürs Tagebuch (zum Hineinkleben) reichte es allemal. Trotz fürchterlich lauter Nachbarn schlief ich diese Nacht, im Gegensatz zu Manfred sehr gut. Die beiden Frauen von nebenan kamen spät heim, ließen die ganze Nacht den Fernseher laufen und plauderten ununterbrochen. Manfred donnerte morgens um fünf Uhr einmal gegen die Wand, aber es kam überhaupt keine Reaktion. An der Tür zu klopfen trauten wir uns wegen des dritten Mitbewohners, einer großen Dogge, nicht. Der Fernseher lief weiter und das Getratsche verstummte auch nicht. Nur die Dogge war still.


Sonntag, 17.8.97
 

Bademode in Santa MonicaAbfahrt heute um 9.35 Uhr Richtung L.A. Flughafen. Zuerst ging es, den uns schon bekannten Weg am östlichen Ufer des Lake Isabella zurück, dann auf der 178 nach Osten, durch die Berge. Hagen RockAm Straßenrand entdeckten wir mannshohe Kakteen und die in dieser Gegend bekannten Joshua Trees. Hier gab es kaum noch Landwirtschaft. Es wurde immer wüstenhafter. Wir querten spektakuläre Felsformationen. Ein Schild wies nach California City. Dem Namen nach vermuteten wir eine größere Stadt, vielleicht sogar mit alten Gebäuden aus der Gründerzeit. Denn es wurde am Straßenrand auch mit „Living in" geworben. Wir nahmen also die 20 Meilen Umweg gern in Kauf und fuhren und fuhren, durch endlose Vororte. Aber nirgends war eine Stadtmitte zu entdecken. Enttäuscht gaben wir auf, die Stadt schien nur aus Vororten zu bestehen. Die Landschaft war bis Mujave sehr reizvoll, dann wurde es flacher. Industrie säumte die Straße und der Verkehr nahm auch zu. Dank der geduldigen, amerikanischen Autofahrer schlängelten wir uns irgendwie über die bis zu sechsspurigen (pro Richtung) Autobahnen von Los Angeles, zur Santa Monica Bay. Da der Flughafen nicht weit von hier lag, verbrachten wir hier unsere restliche Zeit bis zum Abflug. Mit ein paar Schwierigkeiten fanden wir unseren Autovermieter „DOLLAR Rent a car". Wir saßen schon im Flugzeug, als ein Mann an meinem Platz erschien und fragte, ob ich Sabine Weis wäre. Ich bekam einen Riesenschreck und vermutete, dass entweder Zuhause irgend etwas Schlimmes passiert wäre, oder dass in meinem Koffer etwas Merkwürdiges gefunden wurde. Wäre letzteres der Fall gewesen, hätte er aber nicht speziell nach meinem Namen gefragt. Er ließ sich aber bloß meine Bordkarte zeigen und verschwand wieder. Anschließend folgte eine Frau, die das gleiche fragte, sich auch meine Bordkarte zeigen ließ, sich bei mir bestätigen ließ, dass ich mein Flugticket abgegeben hatte und wieder verschwand. Wir vermuteten, dass sie dieses Ticket verschlampt hatten und jetzt dachten, ich wäre noch nicht im Flugzeug. Jedenfalls flogen wir gegen 23.30 Uhr endlich ab.


Montag, 18.8.97 

Den ganzen Montag verbrachten wir, dank Zeitverschiebung im Flugzeug, nahmen einen Schlummertrunk, schmausten, dösten und sahen uns Videos an. Unsere Stewardess gab sich bei uns gleich als Deutsche aus Nordrhein Westfalen zu erkennen. Wir konnten unsere Bestellungen also in deutsch aufgeben. Die mitfliegenden Gäste waren sehr angenehm und der Flug war es ebenso. Ingrid hielt sich mühsam während des Essens wach, dann schlief sie fest. Nach etwa sieben Stunden Flug wachte sie auf und fragte: „Stehen wir immer noch, oder fliegen wir schon?" Auch an das Essen hatte sie keine Erinnerung mehr.

Startseite Reisebericht 1997 Zurück zu den Reiseberichten Sydney
Datenschutz