Sydney
Dienstag, 19.8.97
Gerade
sagte der Flugkapitän durch, wir sollten unsere Woolies"
herausholen, denn die Temperatur in Sydney betrüge um 6.30
Uhr (Sydney Zeit), 7°C, aber das Wetter sei schön. Nach guten 14
Stunden landeten wir in Sydney. Das war bisher mein längster Flug. Am
Gepäckband warteten wir fast eine Stunde, aber dann klappte alles wie
am Schnürchen. Wir stiegen in Airport Bus 300, der uns am Circular
Quay absetzte. Auf den letzten Drücker erreichten wir die Fähre
nach Manly. Das letzte Stück legten wir im Taxi zurück. An der
Rezeption erwartete uns schon ein Willkommensfax von meinem damals 81 jährigen
Vater, netter Empfang vom anderen Ende der Welt. (Mein Vater begann mit
etwa 77 Jahren erfolgreich in die Computerei einzusteigen). Ein bisschen
vertraten wir unsere Füße in Manly und füllten unsere Küche
mit Lebensmitteln auf. Nachmittags schaukelten wir mit der Fähre nach
Darling Harbour. Inzwischen gibt es hier ja zwei Haltestellen, Aquarium
und neuerdings Maritime Museum. So ist man schneller im Einkaufszentrum.
Was uns erstaunte, fast jeder dritte Laden war verschlossen oder
Baustelle, schade, sicher wegen der bevorstehenden Olympiade im Jahre
2000. Auf der Fähre zurück, konnte Ingrid kaum ihre Augen
offenhalten.
Mittwoch, 20.8.97
Die Temperatur betrug heute 15°C um 6.30 Uhr. Solange und so gut habe ich den ganzen Urlaub noch nicht geschlafen. Ingrid hörte ich schon im Wohnzimmer summen und klappern. Sie deckte schon den Frühstückstisch. Die Straßen waren nass und es war bewölkt. Bei unsicherem Wetter haben wir Ingrid das Powerhouse Museum bei Darling Harbour versprochen. Es ist ein technisches Museum mit vielen Experimentiermöglichkeiten. Also nahmen wir das heute in Angriff. Mir taten nach zwei Stunden die Füße weh, aber Ingrid hatte noch lange nicht genug. Ihr machten hauptsächlich die vielen Knöpfe Spaß, woraufhin immer etwas passierte. Als wir fertig waren, regnete es leicht. Das war übrigens das einzige Mal, dass wir unsere Schirme im Urlaub brauchten. Mit der Fähre ging es über den Circular Quay nach Manly zurück. Gegessen haben wir in einem Chinesischen B.Y.O. Lokal vom Büfett. Dazu tranken wir eine Flasche mitgebrachten Long Flat Red (unser Lieblingswein). Für umgerechnet acht Mark konnte man so viel essen wie man wollte. Und die Auswahl war recht groß. Wir saßen gerade gemütlich beim Essen, als plötzlich draußen, vor der offenstehenden Tür ein Mann etwas schrie und in das Lokal warf, direkt vor das Büfett. Was er hineingeworfen hatte, sahen wir nicht, jedenfalls war es eine ganze Kehrschaufel voll. Und ein Gast, der vor dem Büfett stand, schien ein paar Spritzer abbekommen zu haben. Unter einem Stuhl auf der gegenüberliegenden Seite von uns lag so etwas, das wie ein Hühnerbein aussah. Die Besitzer wischten alles fort, aber machten den Eindruck, als ob das normal wäre. Wir mutmaßten, dass sie vielleicht ihre Abgaben an die chinesische Mafia nicht geleistet hatten. Heute gingen wir wieder sehr früh schlafen.
Donnerstag, 21.8.97
Ingrid
hörte ich schon um halb sieben rascheln, sie deckte wieder den Frühstückstisch.
Draußen waren es 16°C und bewölkt. Mit den Fähren
fuhren wir über den Circular Quay, zum Taronga Zoo. Die
Wolkendecke riss immer mehr auf. Mit der Seilbahn schwebten wir ans obere
Ende des Zoos und erhielten dabei einen tollen Blick über die Stadt.
Heute waren besonders viele Schulklassen unterwegs. Der Zoo ist für
die Olympiade ganz neu hergerichtet worden. Zum Beispiel ist der Rundweg
durch das Kängurugehege fertig, und auch das neue Schlangenhaus. Vor
diesem Haus standen zwei Tierpflegerinnen, eine mit einer amerikanischen
Kornschlange auf dem Arm, und eine, mit einem Lizzard. Beide durften
gestreichelt werden (Lizzard und Schlange, nicht die Tierpflegerinnen!).
Beim Lunch wurden einige Schülerinnen von einem aufdringlichen Ibis
geärgert. Ein Mädchen stellte ihre Pommes Frites ab, um sich
Ketschup zu holen und in der nächsten Sekunde stand der Ibis schon im
Essen. Er folgte ihr bis zum Tisch. Nachmittags genossen wir auf unserem
Balkon, beim Kaffee den Blick zum Strand, wo wir anschließend noch
entlangbummelten. In der Wohnung testete ich noch die Waschmaschine, denn
die hatte ich beim Kofferpacken schon eingeplant (wegen der Wäschestückzahl).
Im Rips and Rumps" an der Strandpromenade schmausten wir.
Manfred hatte eine Empfehlung über das Lokal gelesen. Ingrid bekam
gleich eine eigene Karte, die sie anschließend ausmalen konnte. Sie
bestellte Hähnchen Burger mit Chips, ich für den kleinen
Hunger" ein 250g Rumpsteak mit Babykartoffeln (waren so groß
wie normale bei uns) und Manfred aß Mixed Grill mit Chips. Das war
eine unbezwingbare Menge: sechs Rinderrippen, sechs Schweinerippen, eine
Wurst und ein Steak. Die Rippen waren ziemlich fett und alles war ziemlich
burned down. Ich war heilfroh, dass ich das nicht bestellt hatte, allein
das Steak von Manfreds Portion hätte mir gereicht. Meines schmeckte übrigens
ganz zart und auch Ingrid war zufrieden. Nach einem Gläschen Rotwein
und einer Fernsehsendung über Rommel (Deutsch mit englischen
Untertiteln), gingen wir dann gegen 21.30 Uhr in die Molle.
Freitag, 22.8.97
Der
Himmel war wolkenlos.
Auf dieses Wetter hatten wir gewartet für
unsere heutige Wanderung: Der Scenic Walk von Manly zur Spit Bridge,
eine unserer Lieblingswanderungen, wegen der tollen Ausblicke über
die Buchten von Sydney. Der Weg startete am Manlyer Aquarium, wo draußen
riesige Wasserschildkröten schwammen. Weiter
führte der Weg am Meer entlang, vorbei an tollen Villen mit üppig
blühender Vegetation. Nach einer Stunde erreichten wir einen
Spielplatz, wo wir natürlich verweilten. Etwas oberhalb lag ein
kleiner Tante Emma Laden. Dort füllten wir unseren Getränkevorrat
auf und genehmigten uns ein Eis am Stiel (Magnum, das gibt es hier auch).
Etwas unschlüssig blickten wir um uns, als uns vom Dach eines Hauses
ein Handwerker zurief, ob er uns helfen könne. Er wies uns den Weg,
der jetzt durch Wald und Buschland führte. Die Ausblicke auf den
blauen Ozean wurden immer schöner. Jetzt ging es treppauf, treppab,
teils über schmale Brücken zu einem Strand mit Spielplatz.
Obwohl wir jetzt 4½ Stunden unterwegs waren gefiel es auch Ingrid.
Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir die Bushaltestelle.
Samstag, 23.8.97
Hoffentlich
verschwinden die heute Nacht aufgezogenen Wolken bald, denn eigentlich war
schönes Wetter angesagt und wir wollten unseren letzten Tag in Palm
Beach verbringen. Nach dem Frühstück hielten wir erst einmal
nach Schuhen für Ingrid Ausschau. In ihren alten haben sich die
Innensohlen gelöst. Die Verkäuferin eines Fotogeschäfts gab
uns den Tipp nach Brookvale zu fahren, dort sei ein riesiges
Einkaufszentrum. Mit dem Taxi ließen wir uns dorthin transportieren,
da es sowieso auf dem Weg nach Palm Beach lag. Ingrid erstand ein Paar günstige
Turnschuhe aus dem Winterschlussverkauf für 11$, 16DM. Für die
restliche Strecke nach Palm Beach leisteten wir uns auch ein Taxi, da wir
durch die Busfahrpläne nicht durchblickten. Inzwischen war der Himmel
wieder blitzblank. Mit
Cola und Heidelbeermuffins eingedeckt spazierten wir zum Leuchtturm. Dort
fanden wir ein verstecktes Plätzchen mit Aussicht auf die ganze Nordküste.
Es waren nur ein paar Fischerboote unterwegs. Mit dem Bus L90 ging es
wieder zurück. Einmal mussten wir umsteigen, ich glaube es war
Brookvale, wo es mit dem 139 er nach Manly weiterging. Der Bus hielt
direkt vor unserer Haustür. Abends schmausten wir noch mal im Ribs
and Rumps". Glücklicherweise sind wir schon früh gekommen,
denn am heutigen Samstag war das ganze Lokal reserviert. Aber wir
erhielten einen hübschen Platz mit Aussicht im Nichtraucherbereich,
der erst in zwei Stunden reserviert war.
Sonntag, 24.8.97
Strahlender Sonnenschein aber es blies ein eisiger Wind. Leider mussten wir heute abreisen. In der Nacht stieg wohl irgendwo eine Fete im Haus. Jemanden hörte man die ganze Nacht draußen reden. Und eine Blondine im Lift fragte uns gestern Abend, ob wir auch zu der Party gingen. Beim Frühstück hörte man noch die letzten Betrunkenen auf dem Balkon herumlallen. Die mussten ja ganz schön kaputt sein heute. Wir packten unsere sieben Sachen und besuchten Oceanworld in Manly. Das war interessanter als wir immer dachten. Besonders die Plexiglasröhre im Wasser, von der man die um einen herumschwimmenden Haifische beobachten konnte, war beeindruckend. Es ist zwar alles etwas kleiner als im Sydneyer Aquarium, dafür war es schön leer. Gegen Mittag brachen wir mit dem Taxi zur Fähre auf. Der Wind blies so stark, dass die Passagiere, die aufs Deck hinaus wollten die Tür kaum aufbekamen. Vom Circular Quay ging es mit dem Airport Bus 300 in einer guten halben Stunde zum Flughafen. Als wir schon bereit zum Abflug im Flugzeug saßen, kam eine Stewardess mit einer Jeansjacke in der Hand durch den Gang. Ich dachte, ich sah nicht recht. Das war Ingrids. Sie hatte sie in der Abflughalle vergessen. Das war ja sehr aufmerksam von der Stewardess. Mit etwas Verspätung, ich hoffte nicht wegen Ingrids Jacke, flogen wir in einer ausgebuchten Boing 767 los. Zum Essen gab es verbrannten Pie mit grünem Tomaten Salsa. Wir ließen das alle drei liegen. Außerdem hatten wir von Christine auch die Anordnung bekommen hungrig zu erscheinen. Sie habe schon eine Menge vorbereitet.