Robina an der Gold Coast
Sonntag, 24.8.97
Mit
zwanzig Minuten Verspätung landeten wir in Brisbane. Als nach
einer Stunde das Gepäck endlich erschien und wir den Leihwagen
hatten, fuhren wir zu Christine. (Sowohl auf das Gepäck, als auch
beim AVIS-Schalter mussten wir sehr lange warten. Nächstes Mal wollten
wir es getrennt machen: einer holt das Gepäck und einer den
Leihwagen). Wir fanden den Weg auch im Dunkeln einigermaßen. Sogar
ein Stadtplan von Robina lag im Auto. Christine, die unser Essen
schon seit einer Stunde warm hielt, erwartete uns sehnsüchtig. Sie
sah mit ihren 83 Jahren gut aus wie immer. Der Bungalow ist ein Palast: 2
Wohnzimmer, 1 Arbeitszimmer, 1 Esszimmer, 1 Küche, 2 Bäder,
1 Zimmer für Waschmaschine und Trockner, 5 Schlafzimmer und ein großer
Garten mit Salzwasser-Swimmingpool. Zum Essen gab es Gemüsesuppe,
Rindfleisch mit Kartoffeln und Bohnen-/Karottensalat und dazu ein kühles
Bierchen..
Montag, 25.8.97
Heute
Nacht schlief ich mit Ingrid im Doppelbett und Manfred alleine. Aber, beim
besten Willen kann ich mich nicht an diese Betten gewöhnen mit nur
einer großen Matratze pro Doppelbett und einer Zudecke, wie es in
ganz Australien üblich ist. Zuerst zog mir Ingrid nach und nach die
Decke weg. Ich holte mir schließlich eine eigene Wolldecke. Wenn man
dann endlich kurz vorm Einschlafen ist, wird man durch das Umdrehen des
anderen wieder wachgeschaukelt, denn die ganze Matratze schwankte. Morgens
führte uns Christine erst einmal ihren schönen Garten vor. Und
da die Sonne so schön schien, frühstückten wir draußen,
wie früher in Sydney. Dazu lachten zwei Kookaburras. Jetzt lernten
wir endlich mal Christines Tochter Gerti kennen. Sie empfahl uns einen
netten Ausflug für heute. Zuerst fuhren wir in einer ¾ Stunde
nach Sovereign Island. Das ist eine künstlich aufgeschüttete
Insel mit Supervillen. Nachts werden die Eingangstore zur Insel
geschlossen. Um ein bisschen vom Hinterland kennen zulernen fuhren wir von
der Küste weg, ins Gebirge, zum Mount Tamborine. Im Ort
Eagle Height legten wir eine Rast ein. Hier wohnten viele Schweizer,
mit kitschig hergerichteten Häuschen, in denen man alle möglichen
Handwerksdinge erstehen konnte. Das reichte von australischen Andenken bis
zu Kuckucksuhren" und Heino CDs. In einem Gartencafé,
wo man Cheesecake" und Applestrudel bestellen konnte, ließen
wir uns nieder. Ingrid testete auch gleich den Käsekuchen, der vom
Geschmack aber nicht viel Ähnlichkeiten mit dem Unsrigen besaß
(viel strenger). Manfred bemerkte plötzlich auf jedem zweiten Tisch
einen Stift, der wie ein Deoroller aussah. Es stand Roll on"
darauf. Vielleicht ist das ein dezenter Hinweis an die stinkenden Gäste?
Wir wunderten uns aber, dass er die Aufschrift trug, von Kindern
fernhalten. Bis wir schließlich feststellten, dass es ein
Insektenstift war. Weiter fuhren wir durch die Berge und dichtem Wald aus
Eukalyptusbäumen. Später ging es dann in Farmland über, als
wir uns wieder der Küste näherten. Christine und Gerti waren
schon beim Kochen, als wir erschienen.
Dienstag, 26.8.97
Ziemlich
frisch war es heute morgen, 14°C im Haus. Christine schimpfte: So
kalt war es seit ich hier wohne noch nicht". Aber draußen, in
der Sonne war es angenehm, dort ließen wir uns das Frühstück
schmecken. Endlich kam Ingrid wieder auf ihre Kosten. Wir besuchten Sea
World, als Ersatz für das entgangene Disney Land in Los Angeles.
Der Parkplatz vor Sea World war gegen 11 Uhr nur halb voll. Der Eintritt
zusammen betrug 107 $ (etwa 135 DM). Im Preis waren alle Aktivitäten
inbegriffen, Delfinshow, Haifischfütterung, Seehundvorführung,
Achterbahn, Monorail ... Ingrid saß bei der ersten Show, einer
Seehundvorführung, vor uns. Sie war so begeistert, dass sie richtig
mitmachte: klatschte, mitschaukelte, laut lachte und 15 Bilder ihres Films
verschoss. Die Delfinvorführung war auch toll. Die Haifischfütterung
fand in einem Kinosaal statt, wobei die Leinwand ein riesiges Aquarium
war, in dem Haie, Rochen und andere große Fische umherschwammen.
Taucher fütterten die Fische. Es wurde dabei die Geschichte der
Taucherausrüstung vorgeführt. Die Taucher erschienen dabei mit
immer moderneren Ausrüstungen. Abends luden wir Gerti und Christine
nach Surfers Paradise zum Essen ein. Das Restaurant lag in einem riesigen
Hotelkomplex von Conrad und Jupiter, wo es auch Kasinos, Läden, noch
mehr Restaurants und Bars gab. Man zahlte pro Person 23$ und konnte vom Büfett
essen, so viel man wollte. Es gab kaum etwas, was es nicht gab. Schade,
dass man irgendwann satt wurde. Im Anschluss wollte uns Gerti in der Bar
mit einem befreundeten Stuttgarter Ehepaar bekannt machen. Leider durfte
sich Ingrid nach 18 Uhr nicht mehr in Bars aufhalten, so lud uns das Paar
in ihre nahegelegene Wohnung ein. Während Christine, Gerti und
Manfred im Kasino an den Pokermaschinen noch ihr Glück versuchten,
mussten Ingrid und ich davor auf- und abgehen, dort durfte sie natürlich
auch nicht rein. Die Wohnung von Brigitte und Peter lag in einem 30 stöckigen
Wolkenkratzer in Surfers Paradise. Unten gab es einen Swimmingpool und
einen Fitnessraum. Die beiden wohnten im zweiten Stock. Alle Außenwände
des Wohnzimmers bestanden aus riesigen Fenstern. Brigitte und Peter, beide
etwa Mitte 50, lebten hier seit Januar und versuchten mit alle möglichen
Tricks ihre Aufenthaltsdauer zu verlängern. Die Art und Weise, wie
unsere Gastgeber Christine behandelten fand ich schon ziemlich unverschämt.
Vertrauend auf ihre Schwerhörigkeit ließ Peter allerlei blöde
Bemerkungen über sie fallen und machte sich dabei über sie
lustig, während Brigitte sie ständig mit Mama"
ansprach.
Mittwoch, 27.8.97
Wieder
knallte die Sonne, aber im Haus war es kühl, knappe 14°C. Das Frühstück
im Garten war unsere Henkersmahlzeit in Robina. Es gab wieder alles: Müsli
mit Kiwi oder Äpfeln, Toast mit Wurst, Hüttenkäse und
Himbeermarmelade, selbstgebackenen Rosinenkuchen und per Zufall harte oder
weiche Eier. Gerti verabschiedete sich schon früh von uns, da sie zur
Arbeit musste. Sie war Managerin in einem Feinschmeckerlokal von Surfers
Paradise und erzählte uns alle möglichen interessanten Dinge aus
ihrem" Restaurant. Zum Beispiel wie riesige Reisegruppen von
Japanern einströmten, sich innerhalb von 1½ Stunden ein drei Gänge
Menü reinzogen und dabei schon halb schlafend auf den Tischen lagen.
Denn der Tagesablauf eines Japaners scheint im Urlaub sehr anstrengend zu
sein. Aber ohne Reisegruppen würde die Hälfte der Arbeitsplätze
in dieser Gegend verloren gehen. Denn die Masse bringts und nicht der
einzelne Individualtourist. Wir verabschiedeten uns von Christine und ab
ging es Richtung Brisbane zum Flughafen. Uns blieb noch reichlich Zeit bis
zum Abflug, darum stoppten wir erst auf einem netten Spielplatz und ein
zweites Mal in Shorncliffe, nördlich des Flughafens.
Das
Thermometer zeigte inzwischen 24°C. Wir spazierten in diesem Ort an
den Hafen. Plötzlich hatten wir ein richtiges Hitchcock"
Erlebnis. Auf einer großen Wiese mit Baum stürzte sich ein
Macpie direkt auf den Kopf von der vorweglaufenden Ingrid. Wir bekamen
Angst und wären lieber umgekehrt. Aber Manfred war nicht dabei, und
was man nicht sieht das glaubt man nicht. Er wehrte unser Gerede als
Unsinn ab und marschierte voraus. Plötzlich merkte auch Manfred an
seinem Ohr eine Schnabelspitze. Jetzt kehrten wir auf dem schnellsten Wege
um. Immer nach Macpies Ausschau haltend, gingen wir jetzt lieber in die
andere Richtung, zum Strand und Bootssteg. Dort
wuchsen keine Bäume, wo sie vielleicht brüteten. Als Ingrid und
ich auf dem Bootssteg einen Blick in das Meer warfen, entdeckten wir
Tausende blauer Quallen. Schließlich ging es ab zum Brisbaner
Flughafen. Kaum suchten Manfred und Ingrid ¼ Stunde, schon fanden
sie im 3. Stock des Flughafengebäudes einen Gepäckwagen, während
ich unten am Leihwagen wartete. Aber es ging allen so. In der
Warteschlange beim Einchecken drückte man uns je einen Ausreisebogen
mit je 20 Fragen in die Hand. In der Annahme, wir müssten die Karten
sofort abgeben, füllte Manfred alle drei im Affenzahn aus. Aber als
wir schließlich an die Reihe kamen, brauchten wir sie gar nicht,
sondern erst beim Zoll. Das ging mehreren so, denn viele standen in der
Schlange und schrieben wie die Wahnsinnigen. Pünktlich saßen
wir im Flugzeug. Der dreistündige Flug nach Neuseeland verging so
schnell, dass man gar nicht zum Lesen kam. Zuerst mussten die
Einreisekarten ausgefüllt werden, dann wurden Drinks serviert und
schließlich das Essen. Schon waren zwei Stunden vorbei. Einen
Schrecken versetzte uns die Frage auf den Einreisezetteln, nach
mitgebrachten Muscheln. Wir wussten nicht, dass man die nicht einführen
durfte. Einen Muschelbeutel hatten wir in Ingrids Handgepäck verstaut
und einen im großen Rucksack, den wir als Gepäck aufgegeben
hatten. Ingrids Muschelbeutel ließen wir einfach im Flugzeug liegen
und den anderen entfernten wir sofort, nach der Gepäckausgabe. Zum Glück,
wie sich herausstellte, denn alle Gepäckstücke wurden geröntgt
und von Hunden beschnüffelt. Da hätten wir ganz schön Ärger
bekommen können.