Hawaii und Heimreise
Donnerstag, 4.9.97
Um
5 Uhr morgens landeten wir in Honolulu. Die Außentemperatur
betrug 26°C, die langen Pullover werden wir hier ganz unten in den
Koffer stopfen. Mit einem Bus wurden alle Fluggäste zum
Einwanderungsbüro gefahren. Die Passkontrolle verlief sehr schnell
und die Koffer standen schon bereit. Manfred fragte einen herumstehenden
Busfahrer, wo wir ALAMO (Autovermieter) fänden. Der meinte, die würden
hier zwar mit Bussen ihre Kunden abholen, aber jetzt würden die
sicher noch nicht arbeiten. Also versuchte es Manfred bei einem
Informationsstand in der Ankunftshalle. Dort kam aber nur eine Durchsage
vom Anrufbeantworter. Als er wieder herauskam, um uns das mitzuteilen fuhr
zufällig ein ALAMO Bus vor. Wir bekamen heraus, dass ALAMO täglich
ab 5 Uhr mit seinen Bussen vom Flughafen zur Vermietstation pendelte. Was
macht man da mit so blöden Aussagen, wie der von unserem Reisebüro:
Wir brauchen uns keine Sorgen machen, die großen Autoverleiher
haben sicher Tag und Nacht geöffnet." Was hätten wir
angestellt, wenn wir pünktlich um 3.40 Uhr gelandet wären? Wir
erhielten einen blauen Chevrolet. Nach einer guten Stunde an der Ostküste
entlang erreichten wir Kahuku und unsere Unterkunft: Turtle Bay
Hilton. Der Ort liegt am Nordzipfel der Insel Oahu, also auf
der gegenüberliegenden Seite von Honolulu. Durch die 22 Stunden
Zeitverschiebung zu Neuseeland fing der Donnerstag jetzt noch einmal von
vorne an. Unser Zimmer entpuppte sich als ein Häuschen von etwa 60m²
Fläche, bestehend aus Bad, Essecke, Schlafbereich, Kaffee Kochecke
und großer Terrasse mit Blick aufs Meer. (Wie ein kleines
Reihenhaus), abseits vom Haupthotel. Ein bisschen bummelten wir am Strand
entlang, kauften in einem riesigen Supermarkt ein und ruhten etwas aus. An
unserem Zimmertelefon blinkte plötzlich das Message"
Zeichen auf. Manfred fragte an der Rezeption nach. Dort meldete man uns
ein angekommenes Fax. Natürlich war es wieder von meinem Vater zur
Begrüßung. Bis zum Abendessen fuhren wir ein bisschen Richtung
Westen, auf der Suche nach einem schöneren Strand. Mir fielen beim
Autofahren langsam die Augen zu und Ingrid wollte Schatten. So verweilten
wir die restliche Zeit im Hotelzimmer. Zum Essen fuhren wir nach Haleiwa,
der Ort ist uns vorhin als ganz schön, aufgefallen. Wir fanden gleich
am Ortseingang ein nettes Lokal, wo man draußen sitzen konnte.
Manfred aß Lachs mit Kartoffelbrei und Knoblauch, ich Mahi Mahi,
(Goldbarschfilet) mit Folienkartoffel und Ingrid Spiralnudeln mit Tomaten.
Dazu gab es ein großes Salatbüfett, von dem wir uns alle
bedienten. Es war zwar sehr lecker, aber zur fortgeschrittener Stunde
mehrten sich die Mückenangriffe. Ingrid, die das am lästigsten
fand wurde gar nicht gestochen, Manfred zählte drei Stiche und ich
dreißig an den Beinen. Von nun an galt für mich: Nie mehr
abends Essengehen ohne LANGE HOSEN! Ingrid fand, dass sie noch nie einen
so langen Tag erlebt hatte.
Freitag, 5.9.97
Die
Sonne schien, wir haben alle drei gut geschlafen (9-10 Stunden) und
genossen jetzt unser erstes Frühstück im Zimmer, mit Blick aufs
Meer. Als wir durch die Pforte des Hotelparkplatzes fuhren, bekamen Ingrid
und ich jeweils ein Blümchen geschenkt, um es hinter das Ohr zu
stecken. Zuerst an der Ostküste entlang, dann durch die Berge und den
Blick vom Pali Lookout genießend, fuhren wir heute Richtung
Honolulu. Unser Auto parkten wir am Aloha Tower und bummelten am Hafen
entlang.
An
einer Stelle des Hafenbeckens sah ich direkt unter mir Korallen mit hübschen,
farbigen Fischen. Ein bisschen bummelten wir durch ein Einkaufszentrum,
genossen zwischendurch, vom nebenstehenden Aloha Tower die
Aussicht und betrachteten auf Ingrids Wunsch noch alle restlichen Shops.
Irgend etwas schien ihr heute über die Leber gelaufen zu sein,
jedenfalls maulte sie zuerst, weil wir uns nicht alle Geschäfte
ansahen, dann weil es zu heiß war, weil wir den Tower hinauffahren
mussten usw. Für unser frisch ausgebautes Dachgeschoß erstanden
wir eine Hängematte und alle möglichen anderen Kleinigkeiten.
Zurück fuhren wir durch das verstopfte Waikiki zum Diamond Head. Im
Reiseführer war dieser erloschene Vulkan als Aussichtsberg empfohlen.
Man konnte angeblich bis zum Kraterrand fahren und von dort die letzten
Meter durch einen Tunnel aufwärts krabbeln. Aber auch nach
dreimaligen Vorbeifahren, fanden wir nicht den richtigen Weg. Schließlich
gaben wir uns geschlagen und kehrten zum Hotel zurück. (Man muss sich
ja auch etwas für den nächsten Besuch aufheben.) Abends aßen
wir in einer alten, zu einem Restaurant umgebauten Mühle. Innen saßen
nur Einheimische an der Bar. Einer von ihnen begrüßte uns
gleich laut und gestikulierend mit Aloha", dass wir ihn anfänglich
für Betrunken hielten. Aber er war einfach nur, für uns
ungewohnt, freundlich. Die Stimmung war also recht locker. Wir setzten uns
in einen umgebauten Eisenbahnwagen. Ingrid schmauste Hamburger mit Pommes
Frites und wir beide Mahi Mahi mit Gemüse. Das Essen war sehr lecker
und nur halb so teuer wie gestern. Manfred fragte die Bedienung, sie war
wohl eine Hawaiianerin, was Hot Lau Lau" bedeutete. Dieses
Schild ist uns mehrfach am Straßenrand ins Auge gesprungen. Sie erklärte
uns, das wäre Schweinefleisch oder Fisch in speziellen Blättern
gegart. Das ist eine Spezialität. Zum Abschied drückte uns der
gleiche Mann von der Bar noch einmal die Hand.
Samstag, 6.9.97
Gegen
9 Uhr standen wir auf, frühstückten und brachen zum Waimea
Valley auf. Aber schon nach ein paar Kilometern, am Sunset Beach,
konnten wir dem klaren, in allen Farben schillernden Meer und dem Palmen
umsäumten Strand nicht widerstehen. Wir hielten diesmal nicht nur zum
Fotografieren, sondern schmissen uns in die Fluten. Hinterher besuchten
wir das Waimea Valley. Das ist ein Tal, als Botanischer
Garten zurecht gemacht, durch das ein Spazierweg führt. Auf der
halben Strecke finden stündliche Hulavorführungen statt und am
Ende springen Einheimische einen Wasserfall herunter. Ingrid stöhnte
und schnaufte vor Hitze, so dass wir ihr eine Pause mit Frozen
Yoghurt" gönnten. Das ist gefrorenes Früchtejoghurt am
Stiel, schmeckte gut! Zuhause spielten wir mit unseren neugekauften
Frisbees hinter unserem Bungalow und kauften ein. Das machte in dem großen
Shopping Center richtig Spaß. Es gab hier viele praktische kleine
Sachen, die ich nicht kannte aber eigentlich auch nicht brauche. Zum
Beispiel gab es ein Rädchen zum Pizzaschneiden, oder ein
Spaghettikneifer mit Löchern im Stiel, um die Portionen abzumessen,
usw.. Abend aßen wir in Pizza Bobs in Haleiwa. Man konnte
zwischen verschiedenen Pizzagrößen wählen: halbe Pizza,
ganze Pizza und noch zwei Nummern größer. Ingrid und ich
teilten uns eine halbe Pizza Hawaii und hatten damit mehr als genug,
Manfred schaffte auch nur eine halbe Pizza. Die Portionen sehen zwar klein
aus, aber das täuscht bei den dicken Böden.
Sonntag, 7.9.97
Heute
war ein Tag für Ingrid. Sie durfte wählen zwischen Sea
Life Park" und Zoo und entschloss sich für das erste. Gleich
hinter dem Eingang des Sea Life Parks" befand sich ein
haushohes Wasserbecken mit nachgebildetem Riff. Von mehreren Etagen konnte
man in dies Becken hineinschauen, wo hiesige Fische umher schwammen. Als nächstes
begann die Delfinshow, bei der ein bis zwei Delphine ihre Kunststückchen
vorführten. Zum Schluss der Show wurden alle Kinder aufgefordert,
sich an den Beckenrand zu stellen. Erwartungsvoll versammelten sich viele
Kinder und auch Mütter mit Kleinkindern auf dem Arm. Dann spritzte
ein Delphin auf Kommando alle dort unten stehenden nass. Ingrid war froh,
dass sie nicht mitgemacht hatte, denn einige kamen mit klitschnassen
T-Shirts zurück. Bei der Seehundfütterung ergatterten wir uns
einen Platz ganz vorne am Gitter. Man konnte sich Fisch kaufen und selber
füttern. Die Robben konnten es kaum erwarten. Laut bettelnd schauten
sie am Gitter zu uns empor. Sie hätten sicher auch ein paar Kinderfüße
nicht verschmäht, die auf dem Gitter standen. Eine Seehundmutter säugte
gerade ihr Baby, niedlich. Ingrid bekam ein paar Fische von einer netten
Frau geschenkt, die sie einer, unter ihr schreienden Robbe ins Maul warf.
Im heißen Auto begaben wir uns auf den Heimweg, nachdem wir uns an
einer im Auto gelagerten Coke die Zunge verbrannten.
Montag, 8.9.97
Beim
Frühstück erhielten wir Besuch von einer Katze auf der Terrasse.
Manfred bot ihr Cornflakes an, die sie aber verschmähte, während
sie unsere fettarme Wurst gerne mochte. Auch die Milch schleckte sie bis
zum letzten Schluck aus. Eigentlich wollten wir wieder den Sunset Beach
besuchen, aber dort wurde heute vor starken Strömungen gewarnt. So
fuhren wir weiter durchs Landesinnere, an riesigen Ananasfeldern der Firma
Dóle vorbei. Die Erde ist hier so rot wie in Australien und die
Ernte ist gerade im Gange. Ab Pearl City fuhren wir die Westküste
hinauf. Die Landschaft ist hier viel trockener, kahle Berge und viel
weniger bewohnt. Am Makaha Beach Park, einem richtig leeren
Traumstrand mit Sand und Palmen und blau-, grün schimmernden Wasser
nahmen wir schließlich unser ersehntes Bad. Nur ein Taucher, ein
paar Surfer und ein Safegard hielten sich außer uns dort auf. Wenn
sich eine Wolke vor die Sonne schob, war es im Meer sogar wärmer als
draußen. Der Sand war so heiß, dass man sich ohne Schuhe die Füße
verbrannte. Ingrid stöhnte, sie falle gleich um, wenn es noch ein
bisschen wärmer werden würde. Also steuerten wir lieber den nächsten
Supermarkt an und kauften Getränke. Danach ging es ihr sofort wieder
gut. Ziemlich früh fuhren wir nach Haleiwa, in das Lokal, wo wir von
den Mücken geplagt waren. Diesmal saßen wir lieber Innen (Mückenplage!).
Manfred aß Steak, ich Ahi (Thunfisch) und Ingrid Nudeln mit Tomaten.
Dienstag, 9.9.97
Zwar
gingen wir gestern sehr früh zu Bett, aber wenn ich muss, kann ich
natürlich nicht schlafen, also war ich ab Mitternacht wieder wach. Um
zwei Uhr mussten wir zum Flughafen fahren. Ingrid und ich warfen vor
unserer Abfahrt noch einmal einen Blick durch die geschlossenen Vorhänge
auf die Terrasse. Jetzt saßen schon zwei Katzen dort und warteten
geduldig auf unsere Fütterung. Unsere Nachfolger werden ihre Freude
haben. Die Autobahn durchs Landesinnere zum Flughafen war ganz leer und
wir erreichten zeitig unseren Autovermieter. Einmal umkreisten wir ALAMO,
auf der Suche nach dem Eingang, aber wir fanden keinen. Die Einfahrten
waren geschlossen, mit Bussen zugeparkt. Bei der zweiten Runde kam ein
Wachmann auf uns zu, parkte unser Auto und wir standen mit unseren Koffern
am Straßenrand. ALAMO hatte noch geschlossen. Manfred durfte von
einer Telefonzelle ein Taxi bestellen. Nachdem Ingrid und ich fünf
Minuten lang, Koffer bewachend auf der leeren Straße standen, kam
das Taxi schließlich, das wir selbst zahlen durften. Das Flugzeug
startete pünktlich, wir dösten, bekamen Frühstück und
landeten nach fünf Stunden und zwanzig Minuten in Los Angeles. Es ist
auch beim zweitenmal beeindruckend, was für riesige Dimensionen diese
Stadt hat. Man sieht nichts als Häuser, noch mehr Häuser,
kilometerlange, gerade Straßen und Strände. In der Wartehalle
des Flughafens wurde man wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt.
Alles spricht deutsch. Die Urlaubsstimmung ist schnell dahin. Warum müssen
sich manche Deutschen so auffallend dämlich benehmen? Auf keinem
Flughafen, außer hier, ist es uns bis jetzt passiert, dass gleich
zwei Väter mit ihren Kindern Fußball spielen mussten, in einer
Halle, umgeben von Glaswänden. Das Flugzeug startete pünktlich
um 14.45 Uhr. Zuerst wurden Getränke gereicht. Manfred und ich
genehmigten uns zum Abschluss ein Gläschen Sekt. Zu unserer aller
Freude wurden zum Essen zwei Mr. Bean Filme gezeigt: Im Schwimmbad und
Sandwich im Park. Ich durfte nach langen Kämpfen mit Ingrid am
Fenster sitzen und hatte etwa drei Stunden lang Blick auf Amerika. Das war
toll. Man sah Wüste, Salt Lake City, Berge... Dann mussten wir leider
die Fenster abdunkeln für zwei superdoofe Videos. Gezeigt wurden ein
amerikanischer Thriller und ein Ballerfilm, wo alle zwei Minuten etwas in
die Luft flog.
Mittwoch, 10.9.97
Wir dösten so ein paar Stündchen dahin bis das Frühstück gereicht wurde. Etwa eine Stunde vor Ankunft, flogen wir über braune, unbewohnte Berge. Die Frauen vor uns tippten auf Island, aber ich glaubte eher Schottland, da man von Island länger als eine Stunde nach Frankfurt benötigt? Dann ging es an der Ostküste von England entlang, sah toll aus: zu Beginn Sandstrände, später steile Klippen. Zwischen Holland und dem Ruhrgebiet war es dichter bewölkt und man sah nicht viel. Über dem Dorf" Frankfurt viel mir jetzt der Größenunterschied zu Los Angeles besonders auf. Pünktlich landeten wir bei 21°C und Sonnenschein. Beim Aussteigen fragte mich Ingrid ganz ernst: Nur theoretisch, bekommt man beim Flugzeugabsturz eigentlich sein Geld zurück?" Unsere Vorderfrauen schmunzelten. Im Frankfurter Flughafen herrschte Verwirrung wie immer: Das Gepäck wurde auf zwei Bändern ausgegeben. Wir verteilten uns daraufhin. Unser Gepäck erschien merkwürdigerweise an dem Band mit dem Schild: First Class und Crew". Auch kostete es Manfred ziemliche Mühe einen Gepäckwagen zu ergattern. Als Manfred mit dem voll beladenen Gepäckwagen drei Sekunden vor der Rolltreppe zögerte und nicht wusste, ob man mit dem Wagen dort hinunterfahren durfte, kam schon eine blöde Bemerkung von hinten: Das kennt man ja schon, immer am Eingang bleiben die Leute stehen!" Muffig gelaunte Menschen, wir waren zurück in Deutschland! Nur 1½ Stunden nach der Landung standen wir schon nach längerem Suchen auf dem richtigen S-Bahn Gleis Richtung Hauptbahnhof. Aber tröstlich war, es ging nicht nur uns so. Als uns eine Familie aus Ulm auf dem Gleis entdeckte, stürzte sie auch vom gegenüberliegenden Bahnsteig zu uns herüber. Sie reisten schon seit Honolulu mit uns. In der letzten Minute erklommen wir einen bereitstehenden ICE, der zwei Stunden vor unserem gebuchten fuhr. Sogar eine schöne Vierersitzgruppe mit Tischchen fanden wir nach längerem Suchen. Gegen 15 Uhr waren wir Zuhause. Unsere Nachbarn luden uns zum Empfang auf ein Gläschen Rotwein ein, und es blieb wirklich bei dem einen Glas, denn so langsam fielen uns die Augen zu. Ingrid war noch munter. Reisezeit von Haustür zu Haustür betrug: 25 Stunden.