Sydney


Sonntag, 02.8.98
 

Market in ManlyLandung am frühen Morgen in Sydney, 11°C und Sonnenschein. Mit allem Drum und Dran benötigten wir eine Stunde, vom Ausstieg aus dem Flugzeug, bis zum Verlassen des Flughafengebäudes: Passkontrolle, lange Fußmärsche und Gepäckabholung. Mit Bus, Fähre und Taxi gelangten wir zu unserem Domizil in Manly. Die gesamte Reisezeit von Haustür zu Haustür betrug 36 Stunden. Jetzt begann der angenehme Teil des Urlaubs. Aber ganz stimmt das nicht, eigentlich schon Circular Quay. Zwar war es kühl, aber es ist immer wieder ein tolles Gefühl, nach dem langen Flug hier zu stehen. Der Blick fiel auf das, von der Morgensonne beleuchtete Opernhaus, die vertrauten Geräusche des Hafens drangen ins Ohr und die Düfte der Fast Food Shops regten den Appetit an. Zu unserem Schrecken lasen wir in der Zeitung und fanden auch im Aufzug eine Warnung, dass vor einer Woche ein krankheitserregender Bazillus in Sydneys Trinkwasser entdeckt wurde, der in Amerika vor ein paar Jahren eine Epidemie auslöste. Das Wasser sollte also jetzt abgekocht werden. Mittags hauten wir uns eine Stunde aufs Ohr, dann stürzten wir uns in das rege Treiben von Manly (Markt in der Fußgängerzone) und genossen den Sonnenuntergang am Hafen.


Montag, 03.8.98 

Bank Holiday in Taronga Zoo Nach einem reichhaltigen Frühstück brachen wir zu Sydneys Taronga Zoo auf. Manfred hatte gelesen, Montags und Dienstags wären die besucherärmsten Tage. Das Wetter war sonnig. Die Seilbahn hatte leider geschlossen, wahrscheinlich im Umbau für die Olympiade. Wie es der Zufall wollte, war heute Bankfeiertag (erster Montag im August). Das bedeutete Hunderte von Schulklassen bevölkerten den Zoo (irgendwelche Veranstaltungen der Banken). Jedenfalls war es trotzdem schön wie immer. Abends aßen wir im uns schon bekannten "Rumps & Rips" in Manly. Ingrid aß Cheeseburger mit Pommes Frites (sie hatte Mühe den Mund so weit aufzusperren), Manfred aß Tintenfisch mit Reis und Pommes Frites (zwei Tintenfischkörper ohne Arme) und ich - Sirloin "für den kleinen Hunger" (250g Steak) mit Pellkartoffeln.

 

Dienstag, 04.08.98 

Bushwalk: Manly - Spit BridgeHeute morgen überraschte uns Ingrid mit dem Frühstück. Dazu schauten wir uns im Fernsehen die Nachrichten der Deutschen Welle an, die man hier schon seit Jahren, von 8.30 Uhr bis 9.00 Uhr auf dem Sender SBS empfangen kann. So ist man wenigstens ein bisschen informiert über Deutschland. Übrigens bringen sie einen tollen Wetterbericht von der ganzen Welt. Dann brachen wir zum Scenic Walk: Manly - Spit Bridge auf. Der etwa 10 km lange Wanderweg beginnt am Aquarium, führt meistens an der Küste entlang und endet an der Spit Bridge, einer Straßenbrücke, die bei Bedarf für Schiffe geöffnet werden kann. Der Weg führte uns zu Beginn zwischen hübsch gelegenen Villen auf der einen Seite und Meer auf der anderen Seite vorbei. Dieser Teil endete auf einem Spielplatz mit kleinem Lebensmittelladen dahinter. Für den weiteren Weg deckten wir uns hier mit Getränken und Schokoriegeln ein. Dann folgte Buschland mit tollen Aussichtspunkten auf die Sydneyer Buchten und die Hafeneinfahrt. Der letzte Abschnitt verlief am Strand, mündete wieder auf einem Spielplatz und dann war auch schon der Zielpunkt in Sicht. Gesamtgehzeit etwa vier Stunden. Gemeinsam mit einer Frau warteten wir eine ganze Weile am an der Haltestelle auf unseren Bus, der uns nach Manly zurückfahren sollte. Die Frau hörte sich die ganze Zeit, ohne die geringste Miene zu verziehen unsere Gespräche an. Erst als ein Bus vorbeifahren wollte ohne anzuhalten, gab sie sich laut fluchend als Deutsche zu erkennen. Aber mir geht es ja ähnlich. Wenn ich im Urlaub Landsmänner/-frauen entdecke, halte ich auch lieber Abstand, denn schließlich ist ja Urlaub. Abends aßen wir gegenüber des Manly'er Hafens im "Wood & Stone", einer Pizzeria mit Holzofen: Pizza mit geräuchertem Kängurufleisch und Kürbis, Pizza mit Lachs, Sahne und Zwiebeln und Kinderpizza mit Tomaten und Schinken. War alles sehr lecker bis auf die vielen Kürbisse auf Manfreds Pizza (schmeckte wie gezuckerter Kartoffelbrei).


Mittwoch, 05.08.98 

Wie angekündigt, war das Wetter regnerisch, darum entschlossen wir uns für das Aquarium in Sydney. Es war recht gut besucht. Hier findet man sicher alle Fische Australiens. Am beeindruckendsten sind natürlich immer wieder die beiden Glasröhren, die unter die Meeresoberfläche führen. Von einer können Haie, Rochen, Riesenschildkröten usw. beobachtet werden, von der anderen kleinere Fische, die wahrscheinlich nicht lange mit den Haien im gleichen Becken zusammen schwimmen würden. Dann gibt es noch eine Plattform mit Glasboden und gläsernen Wänden, von der man die spielenden Seehunde betrachten kann. Wo wir schon mal hier waren spazierten wir noch durch das nahegelegene Einkaufszentrum Darling Harbour. Sehr viele Geschäfte wurden renoviert, d.h. sie waren geschlossen. Alles für die Olympiade.


Donnerstag, 06.08.98 

Wet Manly Die ganze Nacht und den heutigen Tag stürmte und schüttete es ohne Unterbrechung. Das hatten wir bisher noch nie hier erlebt. Darum gibt es auch vom heutigen Tag nicht viel zu berichten. Wir setzten keinen Fuß vor die Tür. Außer ein paar eisernen Surfern sah man auch nur eilige Fußgänger, die wohl zur Arbeit mussten, mit Schirmen vorbeifliegen. Abends orderte Manfred über einen Pizzaservice ein "Family saver" für nur 24,95$. Der bestand aus zwei großen Pizzas, einem Knoblauchbrot, einer Lasagne, einer bayerischen Schokolade (Eis mit Mürbeteig) und 1,25l Coke. Wir behielten für morgen noch ein komplettes Mittagessen übrig, so viel war das!

 

Freitag, 07.08.98 

Am Vormittag hielt ich es trotz Sturm und Regen nicht mehr in der Wohnung aus und kämpfte mich in die Fußgängerzone vor. Ein nasser, junger Mann, dem ich an der Haustür begegnete, wünschte mir noch: "Good luck". Ich besorgte die Tageszeitung und ein paar Lebensmittel und warf ein paar Postkarten ein. Wieder in der Wohnung zurück, musste ich mich tropfnass wie ich war, ab Anorak abwärts neu einkleiden. Gegen 14 Uhr stürmte es plötzlich so stark, dass kleine Steinchen vom Nachbarflachdach gegen unsere Scheiben prasselten und das Haus leicht schwankte. Ich hatte schon ein bisschen Sorge, da ich nicht wusste, ob solche Stürme öfter auftraten und ob das Haus stabil genug war. Wir schlossen lieber die Vorhänge, falls die Scheiben zu Bruch gingen und die Splitter durch die Wohnung flögen. Auch der Fährverkehr wurde eingestellt. Abends kämpften wir uns zu einem Inder durch: "Ashiana" und saßen dort mit nassen Oberschenkeln. Das Essen war sehr lecker. Ingrid und ich sahen uns im Fernsehen später einen deutschen Film mit englischen Untertiteln an: "Drei Frauen und ein Mann". War recht lustig der Film.


Samstag, 08.08.98
 

Nachts stürmte und regnete es weiter. Das hörte wohl nie auf. Die Fähren fuhren immer noch nicht, aber mit Ersatzbussen wurden wir nach Sydney transportiert. Wir wollten nämlich heute unseren bestellten Leihwagen abholen. Halb durchnäßt erreichten wir schließlich Hertz. Regen und Sturm ließen nach, und wir konnten eine Proberunde mit unserem "Ford Falcon" nach Palm Beach unternehmen. Sogar die Sonne blinzelte ab und zu durch die Wolken. Viele Wochenendausflügler und Surfer waren unterwegs. Abends aßen wir im "Red Gum" an Manlys Hafen. Ingrid aß Nudeln mit Lachs, Manfred und ich Känguru mit Kartoffel-, Erbsenbrei und Gemüsespieß.


Sonntag, 9.08.98
 

Waratah Park: Twins Irgendwann in der Nacht krakelten ein paar Partygäste. Es wurde, glaube ich, etwas in den Pool geworfen, dann ging es kicher, kicher und so weiter. Das hatten wir im letzten Jahr auch erlebt. Scheinbar ist es hier "in", sich am Samstag eine Wohnung zu mieten um dort eine Party zu feiern. Nachdem wir schön lange ausgeschlafen hatten fuhren wir mit unserem Ford zum Waratah Park (Skippy-Drehaufnahmen-Ort). Ein besonderes Highlight für Ingrid war die Wellensittich-Voliere, durch die man inmitten der Vögel durchmarschieren konnte. Sie waren so zutraulich, dass sie bei einem Kind sogar am Turnschuh knabberten. Nett waren auch die Känguruhs. Manfred musste ein Känguru oben und unten füttern, damit das Baby im Beutel auch etwas abbekam. Nachmittags ging es auf der immer noch stark schwankenden Fähre, die inzwischen wieder fuhr, in die City. Wir schlenderten zur Oper, genossen den Sonnenuntergang unter der Harbour Bridge und bummelten durch die Rocks. Hier aßen wir auch in unserem schon bekannten "Pancakes on the Rocks". Cirqular Quay at night

 

Montag, 10.08.98

Strahlend blauer Himmel! Dieses Wetter mussten wir nutzen. Nachdem ich unsere ganze Wäsche einmal durchgewaschen hatte, fuhren wir in den Ku-Ring-Gai Chase National Park. Dieser Park liegt gegenüber (westlich) der Landzunge von Palm Beach. Trotz Kassenhäuschens am Parkeingang kassierte keiner, wahrscheinlich nur im Sommer. 12 km führte uns die menschenleere Straße durch dicht bewachsenes Buschland zum West Point, der eigentlich auch der nördlichste Zipfel des Parks ist. Links und rechts konnte man immer wieder halten und auf markierten Wegen kilometerweit wandern. Die Fahrt zum West Point lohnt sich, man sieht von hier die zerklüftete Nordküste und natürlich die malerische Landzunge von Palm Beach mit seinem Leuchtturm an der Spitze. Ein älteres Paar saß hier ganz einsam beim Picknick. So stelle ich mir mein Rentnerdasein vor. Auf dem Rückweg hielten wir an einem Wanderparkplatz und kletterten den "Flint & Steel Trail" abwärts, zum gleichnamigen Strand an der Westseite des Parks gelegen, mit Blick auf die Mündung des Hawkins Rivers. (Wanderzeit und Dauer etwa ½ Stunde und 2 km). Der Weg verlief recht abenteuerlich, durch Urwald. Das Meer lud nicht zum Baden ein. Es lag eine Menge, durch den Sturm angeschwemmter Dreck am Ufer. Den letzten Abend in Sydney ließen wir im Manly'er "Imperial Peking" ausklingen.

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