Fahrt nach Melbourne

Von Sydney nach Melbourne

Dienstag, 11.08.98 

Leider ist heute Abreisetag. In 6 Tagen wollten wir von hier, über Canberra nach Melbourne fahren. Auf ging es Richtung Melbourne. In Sydney irrten wir ein bisschen umher. Aber nach 1 ½ Stunden Fahrt erreichten wir schließlich den Parkeingang des ältesten Nationalparks der Welt, den Royal National Park (1879 gegründet). Eintritt braucht man nur bezahlen, wenn man innerhalb des Parks irgendwo sein Auto abstellt. Die reine Durchfahrt kostet nichts. Man kann hier sicher Tagelang schöne Wanderungen unternehmen. Beim letzten großen Brand verbrannten hier Tausende von Tieren, da sie keine Ausweichmöglichkeit haben. Der Park ist in allen Richtungen von Wohnsiedlungen oder Wasser begrenzt. Zuerst führte uns die Straße weiter an der Küste entlang bis Albion Park, dann bogen wir ins Landesinnere über den Maquarie Pass zum Hume Highway. Diese Autobahn ist vierspurig ausgebaut und wurde merkwürdigerweise Richtung Canberra, Australiens Hauptstadt, immer leerer. Bevölkerung des ACT (Australian Capital Territory): 275.000, davon 220.000 in Canberra. Das ganze ACT umfaßt 6200 km². Die Hauptstadt Australiens feierte 1993 ihren 80sten Geburtstag. Im Informationszentrum der Stadt suchten wir uns ein Quartier aus: das "Motor Village Inn", ein paar km nördlich der Innenstadt. Unsere Unterkunft bestand aus einem stationären Wohnwagen mit zwei Schlafzimmern. Da das Motelrestaurant ausgebucht war, eine Schulklasse speiste gerade, fuhren wir in die Innenstadt. Das heißt wir suchten sie vergeblich. Nach ¼ Stunde Fahrt, auf einem toll ausgebauten Straßennetz, wunderten wir uns, warum die Umgebung immer ländlicher wurde. Plötzlich standen wir in Wohngegenden ohne irgendein Geschäft oder Lokal. Wir studierten die Karte, fuhren zurück und stellten fest, dass wir versehentlich schon unbemerkt die Stadtmitte passiert hatten. So unscheinbar ist die Hauptstadt!

Gefahrene Strecke heute: 330 km, Zeit: 5 Stunden

Mittwoch, 12.08.98 

Westfield Shopping CenterHeute Nacht habe ich das erste mal im Urlaub so richtig gefroren. Auch die vier Decken nützten nicht sehr viel. Ingrid schlief im Schlafsack, sie fand es angenehm. 10°C zeigte das Thermometer im Wohnwagen. Man musste sich gestern Abend entscheiden, entweder Heizung an, warm und laut oder Heizung aus, leise und kalt. Ingrid und ich entschlossen uns für die zweite Möglichkeit, Manfred war es egal. Es regnete und die Aussichten für die nächsten Tage waren nicht viel besser. Was macht man bei Regen in Canberra? Wir besuchten ein riesiges Shopping Center mit über 200 Geschäften und 3000 Parkplätzen: "Westfield Shopping Center". QuestaconAls wir hier fertig waren machte der Regen auch eine kleine Pause, so dass wir zum Telstra Tower fahren konnten. Das ist ein Sendeturm der australischen Telefongesellschaft, der auf einem der vier Aussichtsberge von Canberra steht und von dem man einen schönen Blick auf die Stadt haben soll. Am Parkplatz angelangt schimpfte Manfred über unsere Zentralverriegelung, die auch nach dem fünften Versuch nicht funktionierte. Als ich direkt vor meiner Nase ein Schild entdeckte, mit der Aufschrift, dass die starken Sendeantennen die Autoelektrik stören könnten, war alles klar.Auf Ingrids Wunsch besuchten wir in der Stadt das Questacon. Das ist ein technisches Museum, in dem Physikalische Phänomene selbst ausprobiert werden können. 11 Busse standen vor der Tür, es waren lauter Schulklassen. Ingrid hatte Mühe an irgendeinem interessanten Versuch selbst etwas auszuprobieren. Auf dem Weg zum Red Hill, einem der anderen drei Aussichtsberge, entdeckte ich eine ganze Wiese voller rosaner Kakadus. Oben erhielten wir dann doch noch Aussicht auf die Stadt. Das auffälligste Gebäude der Stadt war das Parlament mit einem riesigen Springbrunnen davor. Mit uns war noch ein Auto oben. Die Insassen sahen aus, wie eine Delegation aus Tibet: Zwei Männer mit kahl rasierten Köpfe, lange Gewänder und barfuß in Sandalen. Es wurde auch empfohlen durch das Botschaftsviertel zu fahren. Viele Botschaftsgebäude waren im jeweiligen Stil des Landes gebaut.


Donnerstag, 13.08.98
 

Lakes Entrance: EmanuelleAbfahrt um 9.50 Uhr, bei leichtem Tröpfeln. Ab Cooma unternahmen wir einen kleinen Abstecher zu den Snowy Mountains . Man merkte, dass ab Cooma schon alles auf Wintersport eingestellt war: Ski- und Schneekettenverleih, viele Motels... Als der Regen immer stärker wurde und der Mount Kosciusko, Australiens höchster Berg (2228 m), in einer dicken Regenwolke verschwand, kehrten wir um. Die Straße von Cooma nach Cann River an der Küste war ellenlang, hier und dort eine Farm, hier und dort ein totes Känguru am Straßenrand und überhaupt kein Verkehr. Links und rechts auf den kargen Weiden grasten Merinoschafe. Das Wetter wechselte ständig. Am Spätnachmittag suchten wir langsam einem Quartier, da es gegen 17.30 Uhr dämmerte. Im Informationszentrum von Lakes Entrance besorgten wir uns die passenden Prospekte. Eine raffinierte Angestellte sprach uns an, fragte uns woher wir kämen, was wir suchen würden, und empfahl uns ein Motel. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie die Besitzerin war. Am liebsten hätte sie gleich an Ort und Stelle für uns gebucht. Wir sahen uns die Unterkunft aber lieber vorher an. Sie gefiel uns überhaupt nicht, direkt zwischen einem Campingpark und einer Tankstelle gelegen. Es gab Tausende von Motels, die Auswahl fiel uns schwer. Schließlich fanden wir eine Superunterkunft für 75$ pro Nacht: "Emanuelle" heißt sie. Wir buchten gleich für zwei Nächte. Lakes Entrance (4000 Einwohner) ist der "Eingang zur 400 km² großen Seenplatte" und hat hier seine einzige Verbindung zum Meer. Er ist zwar ein landesweit bekannter und demzufolge hoch-touristischer Ort, der sich aber durchaus seinen Charme erhalten hat. Die Region wirbt mit warmen Wintern und milden Sommern. Neben dem Mieten von Booten werden auch Kreuzfahrten auf der Seenplatte angeboten. Außerdem gibt es im Fischereihafen ausgezeichnete Seafood-Restaurants. (So steht es im Reiseführer). Gegessen haben wir in einem sehr netten Steak & Seafood Restaurant: "Crows Nest".

Gefahrene Strecke: 440 km, Zeit: 5½ Stunden.


Freitag, 14.08.98
 

Stiehl Arts in Lakes EntranceWetter wie gehabt: Schauerwetter. Morgens unternahmen wir trotzdem einen Spaziergang zum 90-Miles Beach. Kurz hinter unserer Haustür, am Hafen sägte ein Mann mit einer Motorsäge Skulpturen aus mannshohen Baumstümpfen. Es hielten auch mehrerer vorbeifahrende Autos an, um das zu fotografieren. Wir spazierten am Hafen entlang, wo eine Menge Schiffe lagen, überquerten eine Holzbrücke, die über die Lagune zur vorgelagerten Sandbank führte. Bei der Einweihung soll diese Brücke angeblich tausend Fußgänger getragen haben. Der Strand war endlos, in welche Richtung man auch blickte. Und kein Mensch weit und breit. Ingrid erfreute sich an den Muschelbergen, die man so gehäuft wie hier, selten findet. Sie konnte es kaum erwarten, den in meinem Reiseführer groß angekündigten Fun Park von Lakes Entrance zu testen. Das lohnte sich nun wirklich überhaupt nicht. Der Park war eigentlich ein großer Spielplatz mit ein paar umherhüpfenden Känguruhs und 4,50$ Eintritt. Wir gingen nicht hinein.


Samstag, 15.08.98 

Wilson Prom. ParkGegen 9.30 Uhr reisten wir weiter. Aber vorher musste ich einen Spatz aus der Wohnung scheuchen. Ingrid hatte ihn nämlich beim Frühstück vor unserer Balkontür gefüttert. Und als wir bei geöffneter Tür unser Gepäck im Auto verstauten, nutzte der Spatz gleich die Gelegenheit, um innen nach noch mehr Futter zu suchen. Bei recht gemischtem Wetter fuhren wir über Bairnsdale und Fosters zum Wilsons Prom. Park. Die Landschaft zwischen Lakes Entrance und dem Park: Zur Meerseite flaches, grünes Farmland, zur anderen Seite Allgäu. Ich habe noch nie so viele weiße Kakadus auf den Bäumen und Wiesen, zwischen den Schafen grasen sehen. Der Wilsons Prom. Park, ein Nationalpark, am südlichsten Zipfel Australiens gelegen, umfaßt ein Gebiet von 500 km² und seine Erhebungen ragen 700 Meter über den Meeresspiegel heraus. Der Eintritt betrug 8$, die sich aber unbedingt lohnten. Die Fahrt zum südlichsten Punkt verlief recht spektakulär, mal durch dichten Eukalyptuswald, dann recht kurvenreich an der Küste entlang, mit immer wieder atemberaubenden Ausblicken. Der Leuchtturm, am Südzipfel konnte nur in einer 5 Stunden Wanderung ab Parkplatz erreicht werden. Am Informationszentrum gab es ein Highlight für Ingrid: Viele kleine, bunte Papageien ließen sich von uns füttern. Ein Parkaufseher schenkte uns Sonnenblumensamen, wahrscheinlich, damit man die Vögel nicht mit Brot oder Pommes Frites, wie es manche taten, fütterte. Jetzt landeten die Vögel überall: auf dem Kopf, den Schultern, Armen usw. Zum Glück hielten sie wenigsten unten dicht. Aber als die Papageien in einer Drecklache badeten, verzogen wir uns lieber. Weiter ging es nach Phillip Island, berühmt für seine Pinguin Parade. Jeden Abend, wenn die Dämmerung einbricht, kommen die Pinguine von ihrer Fischjagd heim, und marschieren hier zu ihren Schlafplätzen. Das ganze Spektakel kann man mit Eintritt und vielen anderen Menschen (ganzen Busladungen) beobachten. Am Ende der Insel gibt es einen Seehundfelsen: "The Nobbies". Zu dem fuhren wir als erstes. Ingrid war froh über ihre Winterjacke bei dem sehr kühlen, kräftigen Wind. Seehunde sahen wir keine, dafür Tausende, brütende, kreischende Möwen und die Aussicht war einmalig. Auf die Pinguin Parade verzichteten wir wegen der Kälte und des Trubels. Wie wir später erfuhren, wurden vor einiger Zeit in der Nacht von irgendwelchen Rowdies Pinguine abgeschossen, seitdem wird die Zufahrtsstraße zu den Nobbies und der Pinguin Schlafstelle von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang gesperrt. Im Hauptort der Insel, Cowes, fanden wir ein nettes Motel: "Kaloha Holiday Resort". Auf die Frage, ob noch eine Unit mit zwei Schlafzimmern frei wäre, bekamen wir zur Antwort, nur noch eine mit vier Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und einer Küche. Na, um so besser. 

Gefahrene Strecke: 460 km


Sonntag, 16.08.98 

Koala Conservation CentreDas Wetter war wider Erwarten wunderbar. Und nach einem Frühstück im Hotel Anchor fuhren wir noch einmal zu den "Nobbies" zurück. Bei dem schönen Wetter und den klaren Blicken schossen wir schnell noch ein paar Fotos bzw. drehten Videos. Anschließend hatten wir Ingrid das "Koala Conservation Centre" versprochen, das auch auf dieser Insel liegt. Hier werden Koalas aufgezogen, gesund gepflegt und wieder in die freie Wildbahn entlassen. Die Koalas sind hauptsächlich in der Dämmerung aktiv und ziemlich langsam, darum wurden sehr viele von ihnen auf der Insel durch den Autoverkehr getötet und verletzt. Im offenen Bereich des Koalageländes wohnten 17 Tiere. Man wurde mittels Hinweisen aufgefordert sie zu suchen. Vier Plätze waren gekennzeichnet. Wir entdeckten nur diese vier. Auch an den Stellen, wo so eine Markierung war, fand man den Koala erst nach längerem Suchen. Da ist es wohl ziemlich unwahrscheinlich selbst mal einen in freier Wildbahn zu entdecken. Dafür beobachteten wir ein Rosellapaar, das gerade auf Nistplatzsuche war. Ein Vogel begutachtete die Baumhöhlen, der andere wartete geduldig daneben, niedlich. Im inneren Bereich, wo die Koalas gefüttert wurden, gab es sechs Tiere. Ihre Plätze waren alle gekennzeichnet. Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere Bekannten im Melbourner Vorort Hamilton. Das Haus hatte sogar eine Zentralheizung: Mit einem Gasbrenner wird Luft erhitzt, die in jedes Zimmer, durch ein Loch im Boden geleitet wird. Regulieren kann man die Wärme mittels verstellbarer Lamellen im Boden.

Gefahrene Strecke: 130 km


Montag, 17.08.98 

Alicia and IngridAlicia, die 9 jährige Tochter unserer Bekannten hatte heute extra einen Tag Schulfrei bekommen, um ihrer deutschen Freundin Ingrid Melbourne zu zeigen. Ihre Eltern mussten arbeiten. Als erstes zeigte sie uns den Melbourner Zoo, den drittältesten der Welt, aber der schönste, den ich bisher kennengelernt habe. Die Tiere bewegen sich alle in einer natürlichen Umgebung. Im Schmetterlingshaus schwirrten hunderte von Schmetterlingen umher und es dauerte eine gute halbe Stunde, bis unsere Kameras nicht mehr beschlagen waren. Wir staunten über Alicias Ausdauer. Sie zeigte uns, nicht müde werdend fast jedes Tier. Das Vogelhaus war auch sehr schön, man lief über Stege wie durch Urwald, und um uns herum flatterten die Piepmätze. Endlich sah man auch mal mehrere Wombats, die nicht nur schliefen, wie die beiden im Sydnyer Zoo. Genug vom Zoo, parkten wir unser Auto in der Nähe der Flinders Station, dem Melbourner Straßenbahndepot und setzten uns in den "City Circle". Das ist eine Straßenbahn mit doppelter Fußgängergeschwindigkeit, die im 10 Minuten Takt, in etwa einer Stunde, die Innenstadt umrundet. Sie verkehrt in beiden Richtungen und ist kostenlos. Im Rialto Tower, einem Hochhaus mit 55 Stockwerken, erhielten wir noch einen abschließenden Rundblick über Melbourne und seine Ausdehnungen. Mehr konnte man wirklich nicht unternehmen an einem Tag. Müde zurück am Abend, luden wir die Familie in ein Hotel ein, in dem es einen Raum zum Bingo spielen gab und einen zum Essen. Die aktuell gezogenen Zahlen wurden auf einem großen Bildschirm im Restaurant angezeigt, damit man beim Essen seinen Gewinn nicht verpasste. Es gab viele Gerichte, die man sich an der Theke bestellte und gleich bezahlte. Das fertige Essen wurde serviert. Ein Kindermenü mit Hauptgericht, Eis, Getränk und Salatbüfett kostete nur 5$. Vorweg aßen die Kinder Brot mit Apfelmus. Anschließend gab es Fish & Chips, Pizza mit Chips, Spaghetti Bolognaise, Chicken Nuggets mit Chips, Känguru (rare: durch aber noch rot innen) mit einer scharfen Pflaumensauce. Das war sehr lecker und das Fleisch ganz zart.


Dienstag, 18.08.98 

Ingrid durfte heute Alicia zur Schule begleiten. Alicia freute sich schon darauf, Ingrid ihren Mitschülern vorzustellen. Laut Ingrids Aussage klappte alles mit der Verständigung, obwohl keiner ein Wort deutsch sprach und sie kein Wort englisch. Auf ging es zum Flughafen in Melbourne. Wir brauchten ein gutes Stündchen auf der Stadtautobahn um Melbourne herum. Da wir zuerst mit Ansett Australia nach Sydney flogen und von dort mit der Air New Zealand weiter nach Los Angeles, konnten wir uns schon am Domestic Flughafen neben dem Ansett Australia Schalter, bei dessen Partner Fluglinien (Air New Zealand) anstellen. Hier gaben wir das Gepäck bis Los Angeles auf und erhielten die Bordpässe für beide Maschinen. Der erste Flug verlief reibungslos und pünktlich. Beim Landeanflug auf Sydney lag die ganze Stadt mit ihren Wahrzeichen unter uns: Oper, Brücke, Darling Harbor... Im Sydneyer Flughafen mussten wir vom Domestic zum International Gebäude wechseln. Dazu begaben wir uns in die Transferhalle am Gate A5. Alle fünf Minuten wird man dort von einem Bus hinüber transportiert. Im International Terminal mussten wir das erste Mal unsere Kopien der elektronischen Visa vorzeigen. Dank Ingrid durften wir wieder zu Beginn einsteigen. Mal sehen, wie lange sie noch als "Small Child" durchgeht.

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