Moreton Island
Pünktlich um 5 Uhr war der Transfer zur Stelle und
brachte uns in nur 20 Minuten durch das ausgestorbene Sydney zum
Flughafen. Unser heutiges Ziel ist Moreton Island bei Brisbane.
Moreton Island Die Insel liegt etwa 20 km vor Brisbane und ist mit verschiedenen Fähren zu erreichen. Sie ist 38 km lang und etwa 7 km breit und ist eine reine Sandinsel. Es gibt keine geteerten Straßen und man sollte nur mit Autos, die 4 Rad Antrieb besitzen, fahren. Die ganze Insel ist Nationalpark, außer drei kleinen Orten und dem "Tangalooma Resort", in dem wir untergebracht waren. Die Besonderheit dieses Ressorts sind die allabendlich erscheinenden Delfine. Haustiere sind übrigens grundsätzlich verboten. Fand ich toll! An größeren Säugetieren gibt es hier Schweine, die früher ausgesetzt wurden, damit die Seefahrer mit Fleisch versorgt waren. Koalas und Känguruhs will man jetzt auch ansiedeln.
Nach einem Flug von einer Stunde und 20 Minuten landeten wir in Brisbane. Auf die etwa 20 Koffer der Reisenden warteten wir eine gute Stunde. Koffer und Reisetasche erschienen, aber der Rucksack nicht. Nachdem wir ganz alleine am Band standen, und kein Koffer mehr in Sicht war, steckte ein Mann seinen Kopf aus der Tür und schickte uns zum Service Office. Der Beamte dort fing mühsam an sein Formblatt auszufüllen, wies uns zurecht, weil auf unserem Gepäckanhänger die Zieladresse unseres nächsten Aufenthaltsortes stand und nicht unsere Heimatadresse. So ein Schwachsinn, was sollten wir wohl zu Hause mit dem Rucksack, wenn wir uns noch gute 2 Wochen hier aufhielten. Plötzlich entdeckte Manfred den Rucksack zu Füßen des pingeligen Beamten. Gott sei Dank! Er war wohl vom Wagen gefallen, recht nass und dann hier abgegeben worden. Ein freundlicher Taxifahrer brachte uns nun zur Holtstreet Wharf, von wo die Fähre nach Moreton Island fahren sollte. So häufig kommt das wohl nicht vor, denn er musste im Stadtplan erst nachsehen. Zugig und bei leichtem Sprühregen warteten wir vermummt auf aufgeschlitzten, feuchten Polstersitzen, dass irgend etwas passieren möge. Ingrid und ich waren mit je einem T-Shirt, 2 Sweatshirts und einer Jacke bekleidet und froren wie die Schneider. Manfred fror nie! Schließlich ging es dann doch los. In 1¼ Stunden erreichten wir auf der vollbesetzten Fähre das "Tangalooma Resort" auf Moreton Island. Kurz vor dem Anlegen entdeckten wir auch zwei Delfine, die hinter dem Schiff hersprangen. Wir erhielten hier eine kleine Wohnung mit Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Küche und Bad in einem zweistöckigen Gebäude. Von unserem Balkon führte eine Treppe direkt zum Strand hinunter. Abends aßen wir im Hotel Restaurant "Tursiops" mit Bufet. (Ausgesprochen Tör-sie-ops, benannt nach einer Delfinart). Die Mittagstemperatur betrug heute 20°C, gar nicht so kalt, wie ich dachte.
Montag, 23.8.99
Heute
morgen lachten sogar schon die Sonne und ein Kookaburra. Auf dem Weg zum
Frühstück kamen wir gerade recht an der Pelikanfütterung
vorbei. Es stand aber nur ein einzelner, schüchterner Pelikan im
Hintergrunde. Die restlichen 20 Vögel: Möwen und Kormorane saßen
dichtgedrängt, fast auf dem Fischeimer. Kormorane haben übrigens
kein wasserabweisendes Gefieder. Man sieht sie deshalb oft in der Sonne
stehen mit zum Trocknen ausgebreiteten Flügeln. Heute machten wir uns
auf den Weg am Strand entlang Richtung Norden. Nach etwa drei bis vier
Kilometern ließen wir uns zum Picknick nieder. Manfred und Ingrid
schwammen eine Runde, mir war es zu kalt. Was aber nichts zu bedeuten hat,
denn unter 24°C ist es mir immer zu kalt. Manfred musste ewig
weit ins Meer gehen, bis er überhaupt bis zum Bauch untertauchte. So
tolle, menschenleere Strände findet man in Europa, glaube ich,
nirgends. Die Australier wissen gar nicht, in was für einem Paradies
sie hier leben! Unsere Versuche Frisbee zu spielen, schlugen fehl. Er
machte sich selbstständig und jagte endlos, vom Wind getrieben, am
Wasser entlang. Wir hatten Mühe ihn einzuholen. Schlecht gelaunt kam
ich auf der Insel an: die Kälte gestern, der Sprühregen, die
Aussicht auf sechs Tage isoliertes Inselleben nach zwei Großstädten,
ein fast verlorener Rucksack, aber heute sah plötzlich alles ganz
anders aus: endlose, einsame Strände, klares Wasser, Delfine im
Hintergrund, einfach toll! Mit einem Fläschchen Wein im Zimmer ließen
wir den schönen Tag ausklingen.
Dienstag, 24.8.99
Heute
zogen wir mal Richtung Süden los. Zuerst eine halbe Stunde am Strand
entlang, rechts das Wasser, links Eukalyptusbäume und Bottlebrush mit
laut zwitschernden Rainbow Lorikees darin. Anschließend führte
uns ein Wanderweg landeinwärts, zwei Kilometer durch dichten Busch,
bergauf zur "Desert". Das ist eine, von der Royal
Airforce abgeholzte Fläche, von einem Kilometer Durchmesser und nur
aus Sand bestehend. Losmarschiert sind wir bei bedecktem Himmel. Jetzt riss
die Wolkendecke immer mehr auf, so dass wir uns sogar unsere
Sonnenbrandstellen von gestern eincremen mussten. Wir saßen gemütlich
am Wüstenrand, Ingrid tobte im Sand und zählte ihre, am Strand
gesammelten Muscheln, ich lauschte den Vogelstimmen: Raben, Raubvögel
und einem Vogel der Geräusche, wie ein kreischendes Kind ausstieß,
als plötzlich ein Bus am Horizont auftauchte. Vor einer steilen
Sandwand hielt er, und ein Haufen Leute quoll heraus. Im Gänsemarsch,
mit Brettern bewaffnet zogen sie den Berg hinauf. Mit lautem Geschrei
rutschten sie auf ihren Brettern wieder abwärts. Nach einer halben
Stunde war der ganze Spuck vorbei und der Bus verschwand wieder. Abartig!
Gegen 18 Uhr sahen wir uns die Delfinfütterung an. Jeden Tag, ab 13
Uhr kann man sich zur Fütterung anmelden. Man steht dazu mit einem
Fisch bewaffnet in einer langen Schlange. Wenn man an der Reihe ist, geht
man bis zum Bauch ins Wasser und füttert einen der acht täglich
erscheinenden Delfine. An einem Abend darf nicht mehr gefüttert
werden, als 1/3 des täglichen Bedarfs der Delfine, darum auch die
Voranmeldungen. Tatsächlich erschienen die Tiere pünktlich. Plötzlich
setzte starker Regen ein und wir verzogen uns ins Restaurant, während
die Fütterer weiter in der Schlange ausharren mussten.
Mittwoch, 25.8.99
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Nach dem Frühstück zogen wir los in Richtung Wracks. Das sind rostige Schiffe und eine Eisenbahn, die man an einer Stelle halb ins Meer versenkt hat, um dort Korallen anzusiedeln. Die Sonne war so stechend, dass ein paar Wolken ganz angenehm waren. Nach ca. einer Stunde entdeckten wir eine riesige verwesende Schildkröte am Strand. Sie war bestimmt ein Meter lang. Da sie ziemlich stank, schlugen wir unseren Rastplatz in größerer Entfernung auf. Die Luftmatratze war gerade aufgeblasen, Ingrid vom Baden zurück, da fing es an zu schütten. Wir kehrten lieber um. Nach halber Strecke hielt plötzlich ein Auto neben uns und nahm uns, naß wie wir waren, zum Hotel mit. Der Fahrer stammte aus Brisbane, seine Freundin aus USA. |
Donnerstag, 26.8.99
Merkwürdiges
Wetter! Beim ersten Blick aus dem Fenster schien zuerst die Sonne, dann goss
es plötzlich in Strömen, ein paar Minuten später wurde es
wieder schön mit Regenbogen. Und direkt vor unserem Balkon zogen
Delfine vorbei. Heute besuchten wir noch einmal "The Desert",
die uns so gut gefiel. Wir waren nicht die einzigen diesmal. Zwei
4-WD-Wagenladungen rodelten den Sandberg hinunter und später erschien
noch der Tangalooma Bus. Wir durchquerten die Wüste, in der Hoffnung
am anderen Ende, einen auf der Karte eingezeichneten See zu erreichen.
Aber das Gebüsch war so dicht, dass wir den See nicht fanden.
Wieder sah und hörte man viele Vögel, den australischen Kuckuck,
Raben, viele unbekannte, melodisch klingende und bunte Vögel und ein
Raubvogelpaar (von unten weiß mit schwarzem Muster an den
Schwingenspitzen). Unser Thermometer zeigte 29°C. Zurück am
Strand spazierten wir in die Hotel entgegengesetzte Richtung. Unser
lustigstes Tiererlebnis waren die blauen Soldatenkrabben. Sie rannten zu
mehreren Hundert in eine Richtung, und änderten wie auf Kommando
gleichzeitig die Richtung. Näherte man sich den Krabben, versteckten
sie sich sofort im Sand und der Eingang wurde mit einem Sandkügelchen
verschlossen. Ein paar Meter weiter suchten Austernfischer nach "Pipi".
So heißt hier eine bekannte, recht häufig vorkommende
Muschelart, die früher gern von den Aborigines verspeist wurde. Und über
uns kreiste ein Raubvogelpaar mit graubraunem Bauch, etwas kleiner als die
Raubvögel aus der "Desert". Im Gebüsch, zwischen lila
Mittagsblumen, gelben Blumen und Banksia packten wir unser Picknick aus.
Auf dem Rückweg sahen wir noch einen toten, geleeähnlichen, etwa
20 cm langen und 3 cm dicken Wurm.
Freitag, 27.8.99
Um
die Insel besser kennen zulernen hatten wir für heute einen dreistündigen
Ausflug mit einem Bus gebucht. Um 9 Uhr startete der etwa 30 Jahre
alte Geländebus. Ein junges Paar aus München war auch mit von
der Partie. Zuerst ging es am Strand entlang, dann quer über die
Insel zum Ostufer. Empfindlich durfte man nicht sein, da es auf der
Sandstraße ganz nett holperte. Der Weg führte an dichtem Gebüsch
vorbei, bestehend aus Eukalyptusbäumen, Banksia, Grasbäumen
usw.. Am Ostufer war die Brandung bedeutend stärker als auf unserer
Seite. Hier trifft man hauptsächlich Angler und im Sommer wohl auch
Surfer. Ein paar Kilometer fuhr der Bus am Strand entlang, schließlich
bog er wieder Richtung Landesinnere zur "Blue Lagoon".
Das ist der größte Süßwassersee auf Moreton Island
und ist von dichtem Gebüsch umgeben. Auf dem Rückweg machten wir
am Strand eine kleine Rast mit Kaffee und Kuchen. Am Wasser entdeckten
Ingrid und ich ein merkwürdiges Meerestier: etwa 6 cm lang, auf einer
Seite dunkelblau, auf der anderen hell. Es bewegte sich noch und hatte unzählig
viele Arme. Vielleicht war es ein kleiner Tintenfisch? Außerdem
lagen Quallen herum mit sehr langen blauen Tentakeln. Vor dem Aufbruch
zeigte uns der Fahrer noch eine lebende "Pipi" (Muschel), öffnete
sie und bot sie der Allgemeinheit zum Verzehr an. Sie wurde ihm tatsächlich
abgenommen. Leider wissen wir nicht, wie die Kostprobe ausgefallen ist,
denn nach dem Ausflug sahen wir den Mann nie wieder.
Samstag, 28.8.99
Heute ist Abreisetag. Beim reichhaltigen Frühstück tauschten wir Emailadressen mit einer netten fünfköpfigen Familie aus Florida aus. Ein letztes mal sahen wir noch Delfine vorüberziehen.