Kuranda

Kuranda Der idyllisch, mitten im Wald gelegene Ort zählt etwa 3000 Einwohner. In den 70er Jahren siedelten sich hier hauptsächlich Künstler an. An den drei Markttagen in der Woche ist Kuranda ziemlich überlaufen und es werden hier inzwischen mehr T-Shirt verkauft als echte Kunstgegenstände. Abends und an den anderen Tagen ist der Ort wie ausgestorben.


Freitag, 3.9.99

Wir wählten auf unserer Reise nach Kuranda die Route über Mossman durchs Atherton Tableland, was uns interessanter erschien als die Küstenstrecke. Die Ernte an den vielen Zuckerrohrfeldern, an denen wir vorbeifuhren, war in vollem Gange. Eisenbahnwaggons wurden beladen und unzählige, mit Zuckerrohr beladene Lastwagen kamen uns entgegen. Der erste Ort, durch den wir fuhren hieß Mount Molloy. Manfred las, dass dieser Ort (120 Einwohner) irgendwelche Preise gewann, für die Restauration des Stadtbildes. Wir konnten aber außer fünf Häusern am Straßenrand und einer Tankstelle nicht viel entdecken und ließen den Ort links liegen. Termitenhügel säumten auf der Weiterfahrt unseren Weg. Manfred stellte kurz das Auto ab, um sie von der Nähe zu fotografieren. Da entdeckte er zwischen einer Felsspalte eine große, sich bewegende, zusammengerollte Schlange mit weiß, braunem Muster. Natürlich bin ich gleich zum Filmen hingerannt. Einen weiteren Stop legten wir am idyllisch gelegenen Mitchell Lake ein. Atherton TablelandPferde standen auf der Weide, ein Pelikan schwamm umher und weitere Wasservögel waren zu hören. Seit wir die Schlange gesehen haben, bewegten wir uns vorsichtig, bzw. laut stampfend durchs Gebüsch. Im "Kuranda Rainforest Resort" angekommen, warteten wir ein halbes Stündchen auf unsere Hütte, die direkt am Pool stand. Das ganze Ressort besteht aus lauter, auf Stelzen stehenden Holzhütten. In unserer ist unten der Wohnbereich und ein Schlafzimmer. Auf einer senkrecht stehenden Leiter kann man unter das Dach krabbeln, wo noch einmal vier Betten stehen. Vom Fenster hier oben, sieht man direkt auf den Pool. Zwischen Dach und Wand kann man auch ins Freie sehen. Vor der Haustür konnte man auf der Terrasse sitzen, wie im Botanischen Garten. Im Dorf besuchten wir noch den Markt, der noch eine Stunde geöffnet war und kauften bei dem Wolfsburger, wie schon vor drei Jahren ein. Ingrid bekam einen Bummerang-Anhänger mit Kette und ich eine schöne Opalkette. Der Verkäufer staunte nicht schlecht, als ich ihn fragte, ob er aus Wolfsburg stammte? Am Nachmittag saßen wir auf unsere schönen Terrasse, Manfred reparierte seinen Rucksack, ich schrieb Tagebuch und Ingrid spielte ganz aufgeregt mit ihrem elektronischen Spiel. Sie hat schon ein Krampf im Arm und schüttelt ihre Hände aus. Abends aßen wir im Hotel. 6$ setzten wir in einer Tombola ein, wurden aber nicht schlau aus den Gewinnchancen.


Samstag, 4.9.99

Nach einem reichhaltigen Frühstück am Swimming Pool, das zu unserer Überraschung im Zimmerpreis enthalten war, brachen wir zu einem Ausflug ins Atherton Tableland auf. Es ist hier in Kuranda etwas kühler als in Port Douglas. Über Mareeba fuhren wir ins 70 km entfernte Atherton, dem Hauptort im Tableland. 1885 wurde der jetzt 6000 Einwohner zählende Ort als Holzfällerstützpunkt gegründet. Inzwischen ist er das Zentrum der Landwirtschaft (Maisanbau). Mitten in der Hauptstraße gibt es die "Crystal Cave", die wir uns unbedingt ansehen mussten. Durch einen Shop, der alle möglichen Edelsteine und Edelsteinarbeiten verkaufte, ging es zum Eingang der künstlich angelegten Höhle. Jeder erhielt einen Grubenhelm mit Lampe. Vorbei ging es an beschrifteten größeren und kleineren Edelsteinen aus aller Welt. OpalsteinDie ganze Runde dauerte vielleicht ½ Stunde mit Fotopausen. Hat sich aber gelohnt. Weiter ging es an den Eacham Lake. Der 146 Meter tiefe Kratersee liegt idyllisch inmitten des Regenwaldes. Das Wasser ist glasklar. Es gibt sogar Schildkröten. Zwar haben wir keine gesehen, dafür standen aber Schilder mit: Schildkröten füttern verboten am Ufer. Eigentlich wollten wir am Seeufer eine Weile umher spazieren, aber der Weg war gesperrt. So liefen wir einen 700 Meter langen Pfad durch den Wald, mit markierten Punkten. Sonderbare Vogelgeräusche machten den Bushwalk noch stimmungsvoller. Auf dem Rückweg hielten wir in Yungaburra in einem Geschäft mit Holzhandwerk. Es gab schon tolle Möbel. Wir überlegten ernsthaft einen Tisch zu kaufen, wollten aber erst noch Preisvergleiche anstellen. In dem angrenzenden Restaurant. "Nick’s Restaurant" ließen wir uns bei Schweizer Musik auf der Terrasse nieder. Der Schweizer Wirt begrüßte uns auf deutsch und plauderte noch ein bisschen mit uns.. Zum Möbelpreisvergleich hielten wir noch im bekannteren Tolga. Aber die Preise waren etwa doppelt so hoch und das Personal dafür doppelt unfreundlich. Schnell weiter! Abends wollten wir eigentlich in Kuranda essen, der Ort war aber völlig ausgestorben. So fuhren wir in einer halben Stunde nach Cairns runter. Wir bummelten durch die Hauptgeschäftsstraße, den Nachtmarkt, durch laute Fresshallen, schrieben Mails und fanden schließlich in den Pier einen Italiener, wo wir uns Pizzas reinzogen. Auf dem Weg zum Auto, am Wasser entlang, entdeckte ich einen kleinen Rochen, etwa 40 cm lang, der am Ufer entlang schwamm. Die Mittagstemperatur betrug heute: 30°C.


Sonntag, 5.9.99

Bei 16°C und Sonnenschein standen wir heute gegen 8 Uhr auf. Die Hütte kühlte nachts ziemlich stark ab. Deswegen braucht man hier das ganze Jahr hindurch weder Klimaanlage noch Heizung. Auf einem Spazierweg besuchten wir noch einmal das 25 Minuten entfernte Kuranda. Heute war bedeutend mehr los als am Freitag. Ganze Busse rollten an. Ein Künstler gab uns in seiner Bildergalerie eine Privatführung. Auf dem Markt wurde Manfred angehalten und ließ sich seine Schuhe mit Emufett putzen. Anschließend besuchten wir den Schmetterlingspark. Schmetterlingsfarm KurandaWitzig, dass man den gleichen Leute, wie vor sechs, bzw. drei Jahren wieder begegnete. Außer dem bekannten Wolfsburger erkannten Manfred und ich beide eine Gitarrenspielerin wieder. Manfred war mit seinen Gedanken wohl dauernd beim Emufett bzw. Emuöl, jedenfalls kehrte er noch einmal zum Markt zurück, um sich das Allheilmittel für 40$ zu besorgen. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Und wenn seine, sich in Port Douglas geholte Schürfwunde jetzt doppelt so schnell heilte, lag das sicher am Emuöl :-)) Nachmittags fuhren wir noch ein bisschen an die Strände runter. Zuerst testeten wir Trinity Beach, flohen aber sofort. Das war der erste volle Strand, den ich bisher in Australien gesehen hatte. (Im Vergleich zu Bibione aber sicher noch leer). Weiter ging es Richtung Port Douglas zum Buchan Point. Dieser Strand war schön und leer. Während wir am Wasser entlang schlenderten suchte Ingrid Muscheln. Eine Gruppe Aborigines sammelten ebenfalls Muscheln, aber lebende. Abends aßen wir mal wieder im Hotel. Es gab zu unserer Überraschung Büfett. Vorweg: Brokkolisuppe, dann: Schweinebraten mit Apfelmus, Rinderbraten, Huhn, Kartoffeln, Kürbis, Blumenkohl, Mais, Erbsen, Nudelsalate, gemischte Salate, zum Nachtisch: Schokokuchen und Passionsfruchtkuchen.


Montag, 6.9.99

Granite GorgeBeim Frühstück erschienen heute ein paar freche Raben. Einer setzte sich auf die Stuhllehne, blickte sich kurz um und flog dann auf den gerade frei gewordenen Tisch. Er schnappte sich eine ganze Scheibe Toast und flog davon. Kurz darauf landete einer vor dem warmen Büfett und pickte sich Rührei heraus. Wahrscheinlich war ihm der Toast ohne Auflage zu trocken. Die Bedienung hatte alle Hände voll zu tun, sie zu verscheuchen. Morgens nutzten Ingrid und ich den Pool. Eigentlich waren es zwei Pools. Einer war recht tief mit einem kleinen Wasserfall. Der größere Pool war am Rande überall flach, und nur an wenigen Stellen tief. Man konnte direkt am Restaurant vorbei schwimmen. Wasser war schön. Es wird, glaube ich, durch Sonnenkollektoren beheizt. Mittags fuhren wir noch einmal ins Atherton Tableland nach Yungaburra, direkt zu dem Laden mit dem Holzhandwerk, denn wir hatten beschlossen einen Tisch zu kaufen. Wir entschieden uns nach längeren Diskussionen alle für einen Tisch aus Camphor Laurel (Kampferbaum). Er wog 17 kg, kostete inklusive Luftfracht 660$, davon 250$ für Luftfracht. Nebenan, auf der Terrasse von "Nick's Restaurant" feierten wir unseren Kauf. Nick gab uns zum Abschied noch ein paar Tipps für die Umgebung: z.B., dass wir uns unbedingt den naheliegenden Stausee Lake Tinaroo besuchen sollten. Wir machten einen kleinen Abstecher zu dem See. Er lag wirklich idyllisch. Seine Küstenlinie beträgt immerhin 200 km. Weiter ging es zum spektakulären Malanda Wasserfall mit mindestens zwei Meter Höhe und fünf Meter Breite. Der untere Teil war als Swimmingpool eines angrenzenden Campingplatzes angelegt. Zum Schluss steuerten wir die Granite Gorge kurz vor Mareeba an. Der immer enger werdende Weg führte an Bananenplantagen und Zuckerrohrfeldern vorbei. Der hier wohnende Parkwächter wies uns auf die frei lebenden Wallibies hin, die wir auch gleich entdeckten. Sie waren gar nicht so scheu, wahrscheinlich wurden sie öfter von Besuchern gefüttert. Der Ausflug hierher hatte sich wirklich gelohnt. Man konnte auf den großen Felsen herumklettern, mit Blick übers Tableland und über eine recht abenteuerliche, provisorisch aussehende Brücke balancieren.


Abreise

Dienstag, 7.9.99

Mc Donalds KL AirportHeute ist leider Abreisetag. Gestern Abend entdeckten Ingrid und ich je eine dicke 5 cm lange Kakerlake. Ingrids kam aus dem Spielzeug hervorgerannt und meine hinterm Koffer. Vielleicht spielten sie verstecken. Zum Glück sahen wir die erst am letzten Tag, sonst müsste ich dauernd danach Ausschau halten. Heute schlief ich nicht besonders gut. Einmal wachte ich auf, und dachte jemand wäre an der Tür, dann schleiften kleine Gegenstände über den Boden. Das letzte war vielleicht der Reisverschluss von Ingrids Schlafsack. Morgens entdeckte Manfred die dritte, ebenso große Kakerlake in einem leeren Bierglas. Heimreise Gegen 10:30 Uhr verließen wir das Ressort und waren pünktlich am Flughafen von Cairns. Auf der ersten Flugstrecke bis Darwin war der Airbus maximal ¼ gefüllt. Leider war Manfreds Sitzlehne ausgeleiert. Wenn er sich anlehnte, sackte er von alleine nach hinten. Er wechselte auf einen leeren Fensterplatz und erzählte es dem Steward. Der versprach, den Sitz in Darwin reparieren zu lassen, denn dort füllte sich das Flugzeug leider bis auf den letzten Platz. In Darwin probierten verschiedene Stewards und Stewardessen an Manfreds Sitz herum, wahrscheinlich glaubte man ihm nicht. Repariert werden konnte er leider nicht. Einen anderen Platz, hinten irgendwo eingezwängt boten sie ihm zwar zum Starten und Landen an, aber das wollte Manfred nicht so gerne. In Kuala Lumpur hatten wir drei Stunden Aufenthalt, die wir unter anderem mit einer schönen Pizza verbrachten. Der Flugzeugfraß stand uns bis zum Hals. In der wieder vollen Boing erhielten wir sogar einen Fensterplatz. Theoretisch war um 23:10 Uhr Abflug. Die Crew lief aufgeregt hin und her, das Wasser der Klimaanlage tropfte den Passagieren zwei Reihen vor uns ins Genick, und scheinbar funktionierte auch in einem Schaltkasten über der Tür nicht alles. Denn die Crew stand davor, drückte lauter Knöpfe und lachte sich tot. Um Mitternacht flogen wir endlich los. Der Pilot erklärte zehn Minuten lang auf malaiisch anschließend eine Minute auf nuschelndem Englisch, wahrscheinlich den Grund für die Verspätung. Wir haben beide nichts verstanden. Ich glaube, daß außer der Crew kein einziger Malaie an Bord war, trotzdem wurde alles sehr ausführlich in deren Landessprache erzählt.


Mittwoch, 8.9.99

Zum Erstaunen aller Crew Mitglieder ließen wir alle drei die erste Bordmahlzeit ausfallen. Sie fragten uns, ob wir eine Diät machen würden. Ingrid wollte zwar auch kein Frühstück und verschlief es fast, aber sie wachte unglücklicherweise ausgerechnet in dem Moment auf, als das Essen gereicht wurde. Die Stewardessen ließen nicht locker, bis sie es schließlich nahm und nur den Orangensaft trank. Ankunft in Frankfurt, super pünktlich trotz verspätetem Abflug um 5:30 Uhr. Das Gepäck unseres Jumbos kam wieder auf zwei Gepäckbändern, aber unseres erschien sogar ziemlich flott. Da wir diesmal keine Lust hatten Manfred zuzuschauen, wie er mit dem Gepäckwagen die Rolltreppe runterpurzelte, nahmen wir lieber ein Taxi zum Hauptbahnhof. Das Wetter war schön, es hatte schon 15°C. Man brauchte keinen Pullover. Das war wohl auch der Grund, warum Ingrid ihr bestes Sweatshirt im Taxi vergaß. Die folgende ICE-Fahrt war jedenfalls sehr gemütlich.

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