|
Donnerstag,
27. Juli 2000
Endlich Urlaubsbeginn! Diesen Augenblick genieße ich wie jedes Jahr,
neues Tagebuch aufschlagen und mit dem Schreiben beginnen. Der
Zubringerflug nach Frankfurt, wo unsere Maschine nach Singapur starten
sollte war im Ticketpreis, Fly & Fly, inbegriffen. Das ist eine
praktische Sache, wenn man sein Gepäck nicht über Bahnhöfe
und durch Züge schleifen muss, sondern es gleich hier am winzigen
Heimatflughafen bis Singapur aufgeben kann. Obwohl uns die Singapore
Airlines per Email zusicherte, dass wir unsere Bordkarten für den
Weiterflug nach Singapur schon hier erhalten könnten, klappte es
nicht. Die Dame am Check-in Schalter meinte, sie hätte keinen Zugriff
auf den Computer der Singapore Airlines in Frankfurt, das Reisebüro hätte
es versäumt irgendeine Freischaltung zu beantragen. Na ja, egal! Ein
weiteres kleines Pännchen passierte uns hier, sie riss aus Ingrids
Flugticket den falschen Abschnitt heraus. Ingrid hätte also in Perth
bleiben müssen (ist eigentlich keine Strafe, wenn man in Australien
bleiben muss), hätte nicht die Kontrolle beim Boarding diesen Fehler
entdeckt. Wegen Luftraumüberfüllung startete unser
Propellerflugzeug, eine Dash, mit 1/2 Stunde Verspätung. In Frankfurt
blieb uns jetzt noch eine Dreiviertelstunde zum Einchecken. Obwohl wir
fast die letzten waren, erhielten wir einen schönen Dreierplatz am
Fenster. Auch der folgende Flug mit einer Boing 747 startete über
eine Stunde zu spät.
|
Singapur
Freitag, 28. Juli
2000
Nach
elf Stunden und zwanzig Minuten landeten wir schließlich um 7 Uhr
Ortszeit auf dem Changi Airport in Singapur. Zuhause war es jetzt
1 Uhr morgens. Den Wechsel zu Freitag verbrachten wir irgendwo über
Indien. Der Flug verlief sehr angenehm, Ingrid und ich nutzten die
Nintendospiele auf den Monitoren der Rückenlehnen. Sogar die Weiterflüge
für Transitpassagiere wurden auf den Monitoren angezeigt. So viele nützliche
Informationen kenne ich von keiner anderen Fluggesellschaft. Der
Zollbeamte in Singapur, recht munter aufgelegt, begrüßte uns
auf deutsch. Beim SIA-Schalter, wo wir das Hotel gebucht hatten, erhielten
wir für unser Hotel-Voucher eine riesige Liste mit Gutscheinen für
alle möglichen attraktiven Aktivitäten z.B. Nachtzoo, Vogelpark,
natürlich Transfer zum Hotel, usw.. Mit einem Bus für etwa 50
Personen transportierte man uns mit etwa 5 weiteren Urlaubern ohne
Wartezeit zu unserer Unterkunft, die etwas außerhalb der Stadtmitte
lag: Hotel Copthorne Orchid. Obwohl
es erst acht Uhr morgens war, konnten wir unsere Zimmer schon beziehen.
Innerhalb von einer halben Stunde klopfte es 3 Mal an der Tür. Der
erste wollte den Kühlschrank auffüllen, die zweite schaute, ob
die Betten gemacht waren und die dritte war wohl eine Kontrolle der
Reinigungsfrauen. Jetzt fehlte eigentlich nur noch eine Kontrolle der
Kontrolle, blieb aber aus. Um den Jetlag schneller auszugleichen, gaben
wir unserer Müdigkeit nicht nach, sondern fuhren mit dem kostenlosen
Citytransfer in die Stadt, bummelten durch ein niegelnagelneues, leeres
Einkaufszentrum, Meridien Shopping Centre, aßen dort etwas
und setzten uns in den Hop on Bus, der für SIA-Bucher gratis
ist. Dieser Bus verkehrt im 1/2 Stunden Takt etwa 15 markante Stellen in
der Stadt an, wo man nach Belieben ein- und aussteigen darf. Wir stiegen
in China Town, am Sri Mariamman Temple, Singapurs ältestem
Hindu Tempel, aus. Ingrid fielen im Stehen fast die Augen zu, fehlende
Nacht, schwüle Hitze, so dass wir die Stadtbesichtigung beendeten. Während
ich im Hotel Tagebuch schrieb, konnte selbst die Baustelle mit Ramme,
direkt vor unserem Fenster, Ingrid nicht wecken. Nachmittags setzten uns
in den Hotel "Beer Garden" am Pool, doch die Trantüte von
Ober übersah uns ständig. Na, dann eben nicht! Abends aßen
wir im Hotelrestaurant. Es gab ein leckeres Büfett mit großer
Auswahl. Leider war ich etwas zu experimentierfreudig. Ich probierte
Seegurke, schmeckte eigentlich nach nichts und war sehr schwabbelig. Schon
kurz nach dem Essen meldete sich mein Magen ziemlich heftig und wollte die
Seegurke wieder loswerden. Mein Bauch kniff bis in die frühen
Morgenstunden. Da ich aber sehr müde war, baute ich das Kneifen in
meine Träume ein, jedenfalls träumte ich, man wollte uns
vergiften.
|
Samstag, 29. Juli 2000
Froh,
nicht vergiftet worden zu sein, wachte ich gegen 9 Uhr morgens ohne
Bauchschmerzen auf. Ingrid schlief trotz wieder eingesetzten Baustellenlärms
immer noch. Unter einem besonders günstigem Stern stand unser
Reisebeginn wohl nicht, jedenfalls fuhr Manfred heute etwas in den Rücken.
Oder wir werden langsam älter. Nach langem hin und her entschieden
wir uns für den Jurong Birdpark. Ein Taxi ergatterten wir auf
Anhieb. In zwanzig Minuten, für umgerechnet etwa 15 DM erreichten wir
den größten Vogelpark im pazifischen Asien. Mehr als 8000 Vögel
und über 600 verschiedene Rassen leben hier. Im Park befindet sich
der größte, künstlich angelegte Wasserfall. Der Eintritt,
normal 33S$ pro Person (1S$ ungefähr 1,20 DM), war dank SIA gratis.
Am Eingang befindet sich der größte Storch der Welt, Pinguine
in einem klimatisierten Raum und große Papageien. Weiter führt
der Weg auf einem Holzsteg über einen See mit Flamingos, angelegt wie
im Dschungel. Am anderen Ende des Parks befindet sich eine riesige,
begehbare Voliere mit dem vorhin erwähnten Wasserfall.
Am
Ausgang, wie üblich Taxischlangen. Wir reihten uns ein, vier Gruppen
waren vor uns, 20 Minuten mussten wir warten. Manfred fragte den
Taxifahrer, welches Kaufhaus er uns empfehlen würde. Er setzte uns in
der Orchard Road, wo sich ein Kaufhaus an zwei andere reiht, vor
einem dieser Kästen ab. Den Namen habe ich leider vergessen. Es hatte
sechs Stockwerken und jede Etage beinhaltete Unmengen von einzelnen Shops,
das ging vom Friseur, über Bars und CD-Läden bis zu Internetcafés.
Man durfte nur nicht zu lange an etwas Interesse zeigen, schon stand einem
der Verkäufer zur Seite und teilte einem die Preise mit, die sowieso
schon dick überall hervorstachen. In einem Internetcafé
beantworteten wir unsere Emails, 3S$ für eine halbe Stunde. Hier
begann Ingrids Leiden. Manfred und ich nutzten, wenn es möglich war,
in jedem Ort die Internetcafés, und die gab es wirklich fast in
jedem kleinen Dorf. Wir saßen meistens jeder an einem PC und Ingrid
langweilte sich für die nächste halbe Stunde. Vielleicht legt
sich das in den nächsten Urlauben und sie mailt dann auch. Dann
brauchen wir drei PCs nebeneinander! Aber es machte trotzdem großen
Spaß, vor allem, wenn man einen netten Email Bekannten hat, der fast
täglich während des Urlaubs kleine Meldungen mit Neuigkeiten aus
der Heimat schickte und sich selbst auch über SMS aus dem Web.de
freute. In manchen Orten war es übrigens leichter und billiger per
Internet zuhause Bescheid zu geben, wo wir uns aufhielten, als über
das Telefon. Abends aßen wir wieder Büfett im Hotel. Diesmal
ließ ich die Seegurke, die es wieder gab, weg. Ich will der Seegurke
übrigens nicht Unrecht tun. Da ich gegen Krabben, Krebse uns so etwas
allergisch bin, kann natürlich die Seegurke auch darunter fallen.
Andere vertragen sie wahrscheinlich.
|
Sonntag, 30. Juli 2000
Heute
ist Abflugtag nach Sydney. Gegen 7 Uhr wurden wir pünktlich
abgeholt. Der Fahrer war besonders gut gelaunt. Er flötete und
gestikulierte dabei wild. Die Wartezeit auf diesem hübsch angelegten
Airport verging wie im Flug. Im Gegenteil, man schaffte es nicht sich
alles anzusehen. Wo sonst auf der Welt kann man bedenkenlos Teppichböden
auslegen, jeder andere Flughafen würde mit Kaugummiflecken kämpfen,
nicht im Kaugummifreien Singapur. Wir erhielten diesmal Mittelplätze
ziemlich weit hinten. Neben mir saß ein Monteur aus Rheine, der
beruflich auf dem Weg nach Newcastle zu einem Schiff war. Wie sich im
Laufe des Gesprächs herausstellte, arbeitete er bei einer Firma,
dessen Hauptsitz in meinem Wohnort lag, die Welt ist klein! Die
Stewardessen waren freundlich, wie beim letzten Flug, und um 18:25 Uhr
Ortszeit landeten wir in Sydney. Unterwegs überflogen wir übrigens
den Uluru. Manfred fotografierte ihn, ich konnte ihn nicht mehr sehen, da
alle zum Fenster stürzten. Der Pilot musste daraufhin gegensteuern,
dass wir nicht wegen Schlagseite abstürzten.
|