Singapur
Mittwoch, 22. August 2001
Die
Boing 777 von Brisbane nach Singapur war bis auf den letzten Platz
ausgebucht. Aber die 7 ½ Stunden vergingen sehr rasch. Um 5:30 Uhr
landeten wir in Singapur. Unser Gepäck erschien fast als erstes.
Nachdem wir schnell ein bisschen Geld getauscht hatten, ging es
schnurstracks zum SIA Stopover Schalter, um unsere Voucher gegen einen
Transfer zum Hotel Orchard einzutauschen und Gutscheine für
alle möglichen Unternehmungen abzuholen. Klappte alles wunderbar.
Sogar die Hotelzimmer durften wir schon bei Ankunft um 7:30 Uhr beziehen.
Nachdem wir uns alle drei erfrischt hatten, bummelten wir auf der Orchard
Road entlang, staunten über die vielen Shopping Malls, checkten
unsere Emails und erfrischten uns mit Kaffee und Kuchen im Café
Spinelli. Wir kamen übrigens an keinem Anzugladen vorbei, ohne
dass Manfred angesprochen wurde. Zeigte man ein wenig Interesse an
Fotoschaufenstern, stürzte sofort einer heraus, mit den Worten: "Come
in, have a look!". In einem Shopping Center wurde Manfred von einem
Aufsichtsbeamten freundlich ermahnt, bitte nicht zu fotografieren.
Witzige
ungeschriebene Gesetze gibt es hier. Wir entdeckten in ganz Singapur an
fast jeder Ecke Aufsichtbeamten. Da wir im Reiseführer gelesen
hatten, dass es mindestens ebenso viele Nichtuniformierte gibt, kann man
davon ausgehen, dass alles bewacht ist. Nachmittags setzten wir uns an den
hauseigenen Swimmingpool und hielten es sage und schreibe 3
Stunden dort lesend, schwimmend und später Cocktailtrinkend aus. Was
will man mehr, warme Tropenluft, ein leerer Pool und einen "Singapore
Sling" (bzw. Ingrid: "Coconut Kiss") vor sich stehen. Müde
und hungrig suchten wir ein Lokal und entschlossen uns für das
Chinesische im Hause. Mir legte man eine Karte mit Menüs hin, die
preislich bei 68S$ pro Person begannen, auf Manfreds Karte standen alle möglichen
Sachen, die uns vollkommen unbekannt waren. Auf die Frage, was Chicken mit
ich weiß nicht mehr was wäre, meinte die Bedienung,
Froschschenkel. Wir erhielten eine scharf saure Suppe, die sie extra für
uns nicht scharf würzten, wir fanden sie trotzdem scharf. Dann kam
mein Huhn mit Kiwi, leider mit einer dicken Mayonnaisenschicht darüber,
Ingrids "Gemüseeintopf mit Glasnudeln" und allerlei
undefinierbaren Dingen und Manfreds Schwein süßsauer, das noch
am besten schmeckte. Wir versuchten unser Glück mit Stäbchen,
funktionierte auch ganz gut. Unser Geld konnten wir kaum unterbringen.
Zwar liefen alle Angestellten und es waren nicht wenige, fürchterlich
geschäftig umher, aber keiner warf uns auch nur einen Blick zu als
Manfred zahlen wollte. Erst bei der 15. Aufforderung reagierten sie überhaupt.
Ein Experiment war es wert. Man erhält die Speisen übrigens
nicht pro Person, die man bestellt hat, sondern alle bekommen der Reihe
nach von allen bestellten Speisen. Zu den Kartenpreisen kommen übrigens
noch alle möglichen Dinge hinzu: Bedienung 10%, Mehrwertsteuer und
noch irgendetwas unbekanntes. Ziemlich früh fielen wir ins Bett.
Donnerstag, 23. August 2001
Gut
ausgeschlafen wachten wir gegen 7 Uhr auf, frühstückten unten am
Büfett und liefen anschließend zur MRT Station (U-Bahn),
um zum Singapore River zu gelangen. Unten, in der Station musste
man als erstes, wenn man kein Kleingeld besaß zum Passenger Service
gehen, der Scheine in Münzen wechselte, dann im Automaten sein Ticket
besorgen. Die Preise zu den Zielstationen hingen auf einem Plakat über
den Automaten. In unserem Fall waren es 1$ pro Person von Station Orchard
zu Raffles Station. Angekommen irrten wir wohl versehentlich in die ganz
falsche Richtung, jedenfalls kamen wir an einem Pier heraus, wo man sofort
auf uns zustürzte, um uns in einer recht heruntergekommen aussehenden
Dschunke eine dreistündige Hafenrundfahrt anzubieten . Als wir
ablehnten kam das nächsten Angebot, eine Hafenrundfahrt für 10$
pro Person eine Stunde lang. Sogar der Kapitän, der ohne eine Miene
zu verziehen steif auf seinem Küchenstuhl saß, wurde uns
vorgestellt. Auch das Angebot lehnten wir nach einigem hin und her ab.
Daraufhin sprach uns ein weiterer an. Wir zeigten ihm unserer Voucher für
die Flussrundfahrt und fragten ob wir bei ihm richtig seien. Obwohl er überhaupt
kein Geschäft mit uns machte, erklärte er uns freundlich den Weg
dorthin. Am Raffles Place, wo die Flusstour stattfinden sollte,
bummelten wir am geschäftigen Flussufer entlang. Wir passierten ein
Lokal nach zwei anderen, von fast allen wurden wir umworben, bei ihnen
einzukehren. Von Durst geplagt bei Sonnenschein und 32 Grad, ließen
wir uns im Cafe Java nieder und erfrischten uns mit frisch
gepresstem Melonen- bzw. Orangensaft, sehr lecker. Schließlich
fanden wir auch den Ableger für unsere Fahrt.
Lohnte
sich wirklich so eine Rundfahrt. Etwa eine halbe Stunde tuckerte das Boot,
mit Kommentaren aus einem Lautsprecher dröhnend, den Fluss auf und
ab, bis zum Hafen. So unfreundlich der Bootsführer auch anfangs
wirkte, wieder täuschten wir uns. Ständig fragte er Manfred, ob
er ihn nicht fotografieren sollte mit den typischen Sehenswürdigkeiten
im Hintergrund. Manfred nahm es dankend an. Ingrid und ich saßen nämlich
etwas abseits und bekamen von der Fotoaktion gar nichts mit. Danach
begaben wir uns wieder auf den Rückweg. In der Orchard Road standen
auf einer Kreuzung Polizeimotorräder um eine Kreuzung abzusperren.
Mehrere wichtige Karossen mit den Autonummern 1, 2, 3, 4 und 5, begleitet
von Motorrädern, passierten nun die Kreuzung. Anschließend
brachen die Polizisten im Laufschritt zu ihren Fahrzeugen auf, gaben die
Straße frei und düsten davon. Wir checkten noch unsere Mails,
shopten im Hardrock Cafe, legten ein kleines Päuschen am Pool ein und
tranken Kaffee. Gegen 18: 30 Uhr wurden wir in unserem Hotel von einem
kleinen Bus abgeholt, zu einem großen Bus transportiert, der uns zur
Nachtsafari im Zoo brachte. Anfangs war ich ziemlich skeptisch,
da schon mindestens 5 Busse dort standen und ein ziemliches Gewimmel am
Eingang herrschte. Der Nachtsafariteil des Zoos öffnete um 19:30
Uhr. Unser Bus wurde an den riesigen Menschenschlangen, die an der Tram
anstanden vorbeigeschleust und zu einem Extrastand geführt. Hier
warteten wir höchstens 5 Minuten bis die Tram erschien. In 40 Minuten
drehte die Tram eine Runde durch den dunklen Zoo, nur die Tiergehege waren
etwas beleuchtet. War recht interessant. Der Führer ermahnte uns zum
Stillschweigen, da man die Tiere dann besser sehen könne und brüllte
dabei selber recht laut dröhnend seine Kommentare nonstop durch den
Lautssprecher. Man erhielt einen guten Überblick über die
verschiedenen Bereiche des Zoos. Anschließend konnte man entweder an
einer Show teilnehmen oder den Zoo auf vorgegebenen Trails selbst
erkunden. Wir zogen letzteres vor. Das lohnte sich ganz besonders. Anfängliche
Menschenmassen verteilten sich im Laufe der Wege. Das Besondere dieses
Zoos ist eigentlich die Stimmung in der Nacht, einige Tiere sieht man
wahrscheinlich tagsüber nicht so aktiv, wie die Otter oder einige
Raubkatzen, die Eulen, Fledermäuse und so weiter. Am Schluss
erfrischten wir uns mit einem Tiger Bier und Ingrid mit "Fresh young
Coconut". Das war eine kleine geschälte Kokosnuss, oben mit
einem Häutchen verschlossen, durch die man den Strohalm steckte.
Treffpunkt war 21:50 Uhr und gegen 22:20 Uhr wurden wir an unserem Hotel
abgesetzt. Wir waren der Meinung, die Nachtsafari musste man unbedingt
einmal gemacht haben, wenn man in Singapur war!
Freitag, 24. August 2001
Heute
war Abreisetag. Bis 13 Uhr durften wir im Hotelzimmer verweilen, hatten
aber um 11 Uhr keine Lust mehr zum Herumsitzen, sondern checkten aus,
lagerten unsere Koffer und schweren Handgepäckteile ein und brachen
Richtung Orchard U-Bahn Haltestelle auf. Auf Geratewohl fuhren wir
zum China Garten, dass ist die drittletzte Haltestelle der Linie
2. Von der Hoteltür bis zum China Garten benötigten wir ziemlich
genau eine Stunde und die einfache Fahrt kostete gerade mal 1,40$. Direkt
an der Haltestelle begann der Chinesische Garten, daran schloss sich am
Ende der Japanische Garten an. Umgeben von Wohnsilos ist dieser Park eine
regelrechte grüne Ruhezone. Plötzlich befand man sich fernab von
den Menschenmassen, von denen man sonst überall umgeben war.
Der
Eintritt betrug 2,50 S$ pro Person, der sich lohnte. Außer Wasser
und Wiesen gab es zwei begehbare chinesische Türme mit Aussicht,
Anlagen mit Bonsaibäumen und anderen hübschen Pflanzen, ein
kleiner Wasserfall usw.. Nach ein oder zwei Stunden brütender Hitze
hatten wir genug und fuhren mit der U-Bahn zurück zur Orchard
Road. Die Bahn fährt übrigens, zumindest alltags im 5
Minuten Takt. In "unserem" Café Spinelli in der
Orchsrd Road, schräg gegenüber dem Hotel Mandarin gelegen,
erfrischten wir uns bei Kaffee und Kuchen. Die Lage des Cafés hat
uns besonders überzeugt, im Freien, trotzdem nicht zu heiß und
etwas abseits der stark befahrenen Orchard Road. Ingrid und ich
unternahmen noch einen kleinen Abstecher zum direkt gegenüberliegenden
Esprit Shop. Die letzten Stunden bis zum Abflug verbrachten wir am
Hotelpool und im Hotelrestaurant mit Büfett. Sehr lecker übrigens.
Jetzt noch kurze Hosen schnell gegen lange getauscht und schon stand der
SIA-Transfer überpünktlich abholbereit vorm Hotel. Zwei
weitere Hotels steuerte er an, und ca. ¾ Stunde später standen
wir auf dem Flughafen. Die Schalterangestellte beim Einchecken war sehr
freundlich, wir erhielten die vorgemerkten Fensterplätze (hat in
diesem Urlaub bei allen Singapore Air Flügen funktioniert), außerdem
druckte sie uns sogar schon die Boardingkarten für unseren Weiterflug
von Frankfurt nach Augsburg aus (Reihe 1). Umgekehrt ging es merkwürdigerweise
nicht.
Samstag, 25. August 2001
Pünktlich gegen Mitternacht hob die Boing 747-400 ab, ebenso pünktlich landeten wir um 6:30 Uhr in Frankfurt. Der 12 Stunden Nachtflug von Singapur nach Frankfurt kam mir erholsamer vor, als der acht Stunden Nachtflug von Brisbane nach Singapur, da man mehr Zeit zum Schlummern oder Dösen hatte. Die Kabine wurde ca. drei bis vier Stunden nach Abflug abgedunkelt und drei Stunden vorm Landen wurden die Lichter wieder angeknipst, heiße Waschlappen ausgeteilt und Frühstück gereicht. Am Frankfurter Flughafen herrschte Chaos. Am Ende der Gangway musste man die Pässe bereithalten, der Zollbeamte schaute auf die Pässe und winkte weiter. Bei einem Lufthansa Stand erkundigten wir uns nach dem Weiterflug nach Augsburg. Der Angestellte wusste es nicht, war noch nicht auf seinem Bildschirm (Abflug in zwei Stunden), wir sollten uns beim Lufthansa Infostand erkundigen, Rolltreppe rauf, dann rechts. Dort befand sich ein Schalter mit der Beschriftung: Transit. Dahinter eine 20 Meter lange Schlange. In der Hoffnung uns da nicht anstellen zu müssen, fragten wir bei irgendeinem Schalter, wo nur drei vor uns warteten. Zum Glück gab man uns hier die Antwort, das Gate stände nicht fest, höchstwahrscheinlich A9. Das war doch schon mal etwas. Jetzt mussten wir durch die Passkontrolle mit der schwachsinnigen Einteilung: EU-Bürger, Nicht EU-Bürger und Transit. Wir nahmen die kleinste Schlange, mit der Aufschrift Transit und es funktionierte. Scheinbar sind gerade Umbauarbeiten im Gange, denn es wurden allgemein bei Gate A nur den ersten acht Flügen auf der Liste eine bestimmte Nummer zugewiesen. Dieser letzte Flug mit einer Dash 8 ist immer der schönste. Ganz vorne sitzend konnten wir die Beine ausstrecken, hatten einen wunderbaren Blick auf die Landschaft, sogar Nördlingen konnte man erkennen und das Frühstück war wunderbar im Vergleich zu den großen Jumbos: Eine leckere, hauchdünn geschnittene Vollkornbrotscheibe mit Schinken und Käse, ein Schokoladenmuffin, Getränk nach Wunsch und ein Schokolädchen. Zudem war die einzige Stewardess an Board besonders freundlich. Leider dauerte dieser Flug nur 40 Minuten. Um 10 Uhr morgens waren wir zurück. Urlaub beendet!