SÜDAFRIKA
Graaff Reinet
| Donnerstag, 22. Juni 2006 |
|
|
In der Mailbox fanden wir heute eine Antwort der B & B Pensionen Obesa, von 5 Uhr heute morgen, die noch ein schönes Zimmer für uns frei habe. Wir sagten zu und reisten nach dem Frühstück los. Die
Straßen waren so gähnend leer, dass man Autos an
einer Hand abzählen konnte. Aber sie waren super in Ordnung.
Die Städte waren vielleicht 50 bis 100 km auseinander liegend,
dazwischen war nichts bewohnt. Hin und wieder stand ein
Strauß in der kargen, felsigen Landschaft, auch einen
Springbock sahen wir sowie Rinderherden, Pferde und Schafherden.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Graaff Reinet: Wetter:
Schauer / Temperatur morgens: 6°C, mittags: 16°C |
|
|
|
|
| Freitag, 23. Juni 2006 |
|
|
Pünktlich um 8:30 Uhr wurde uns das „Englische Frühstück“ aufs Zimmer serviert: Spiegelei mit Wurst, Speck und Tomate, Toast, Marmelade, Butter, Saft, Erdbeerjoghurt und Kaffee oder Tee nach Wahl. Schmeckte lecker und ich testete ganz vorsichtig ein Spiegelei, was mir gut bekam. Anschließend wanderten wir zum Infozentrum. Man kann dies, wie viele Geschäfte nicht einfach so betreten, sondern man klingelt oder wird gesehen, dann wird einem die vergitterte Tür geöffnet. Übrigens auch unsere Pension ist rundum mit vergitterten Fenstern versehen. Die Tür zur Straße lässt sich nur mit einem Schlüssel öffnen. Das dazu, jedenfalls fanden wir in dem Zentrum viele Infos der Umgebung und ein Mitbringsel für Ingrid. Als ich gerade zahlte und Manfred sich draußen umsah, trat ein Schwarzer mit den Worten „Wie geht’s?“ auf Manfred zu. Manfred wunderte sich und der Schwarze, namens Soli erzählte, er lerne seit 7 Monaten Deutsch, wozu er jeden Montag ins 250 km entfernte Port Elizabeth führe. Er arbeitete als Tourguide und erzählte uns von 1,5-stündigen Touren durch die Townships, die er führte. Gut, wir verabschiedeten uns und auf dem Rückweg überlegten wir, ob wir so eine Tour für morgen nicht doch rasch noch buchen sollten. Also noch mal zurück zum Infozentrum! Hier buchten wir nun die 1½-stündige Tour für morgen um 10 Uhr (75 Rand pro Person.). Woran Soli Manfred als Deutschen erkannt hatte, verriet er uns nicht. Wir tankten
noch, 40,6l / 438km / 260Rand. Dann fuhren wir zum 14 km entfernten Valley
of Desolation, der Attraktion dieser Gegend. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Hinterher
besuchten wir den nahegelegenen Wildpark. Man kann hier
übrigens schon gleich die Eintrittsgebühr
für beide Parks (Valley of Desolation und Wildpark) zahlen,
was wir versehentlich, durch Verständigungsprobleme hier noch
einmal doppelt taten. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Wetter:
Schön, keine Wolke mit 6°C morgens
und 18°C mittags. |
|
| Samstag, 24. Juni 2006 |
|
|
Wie üblich wachten wir gegen 7:30 Uhr auf. Nach dem Frühstück brachen wir zu unserer Tour durchs Township auf. Aber zuerst zapften wir noch Kohle und fanden sogar ein Büchergeschäft, wo wir ein kleines Büchlein von Graaff-Reinet erstanden. Punkt 10:30 Uhr stand Soli vor dem Infozentrum und nahm uns mit. Zu Fuß gingen wir zum 10 Minuten entfernten Township. Soli fragte uns, wie viel Zeit wir hätten, da heute eine Beerdigung stattfinden würde, zu der wir herzlich eingeladen wären. Wir hatten den ganzen Tag Zeit. Also führte er uns zuerst in die anglikanische Kirche, wo der Gottesdienst im vollen Gange war. Wir durften beim Gesang knipsen und filmen. Soli war Vorstand des Kirchenchors, so dass ihm unsere Teilnahme ganz Recht war, ansonsten hätte er uns gleich durchs Township führen müssen und hätte nicht mitsingen können. So ein Gottesdienst läuft hier etwas anders ab, als bei uns. Gepredigt wird in Xhosa und Africaans. Nur 15% des Townshipbewohner können Africaans, es leben 98 % Xhosa-Leute in diesem Township. Zwischendurch wird viel gesungen und dabei zum Teil getanzt. Die anglikanische Kirche darf übrigens von Schwarz und Weiß besucht werden, in der Methodistenkirche herrscht noch Apartheid, hier hätten wir nicht teilnehmen dürfen. Nach der Kirche ging’s mittels sehr abenteuerlichen Transports auf den Friedhof. In einem Nissan Minivan, zugelassen für 12 Personen, quetschten wir uns zu 17. Vor mir hing mühsam ein Jugendlicher, mit seinem ultramodernen Handy spielend. Die Fahrt war sehr laut, es wurde ständig gesungen und zum Takt mit den Händen auf das Gesangbuch geklopft. Soli, der neben mir saß, erklärte mir beim Vorbeifahren an einer anderen Wohnsiedlung, dass hier Colered wohnten, Mischlinge. Sie leben hier seit der Apartheid und sind besser angesehen als Schwarze, auch sehen ihre Häuser nicht so ärmlich aus, wie die der Xhosa. Auf der
Beerdigung selber ging es wieder sehr lebhaft zu. Zwischen den Reden
wurde immer wieder fröhlich gesungen und mitgeschaukelt.
Übrigens finden alle Beerdigungen Samstags statt. Neben mir
stand die Frau, die auch in der Kirche neben mir saß und
erklärte mir, warum es so lebhaft zuginge. Die Menschen
müssten ihre Trauer rauslassen mit singen und tanzen, dann
erst können sie ihre Trauer überwinden.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Eindrücke vom Township |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Eindrücke vom Township |
|
|
|
|
|
Zur Zeit der Apartheid wurden die die Menschen nach ihrer Hautfarbe in drei Klassen eingeteilt, Schwarze, Colered und Weiße. In den Köpfen mancher Weißer existiert die Apartheid leider immer noch, erzählte Soli. Townships hießen früher nicht Townships, sondern u.a. Kaffernviertel. Es gab riesige Flutlichter in den Townships, mit denen sie zur Überwachung beleuchtet wurden in der Dunkelheit. Es gab weder Strom, noch Wasser noch Abwasser, noch Krankenhäuser, noch Bildungsmöglichkeiten. Jetzt gibt es kostenlos Strom, bis zu einer bestimmten Menge, es gibt Wasser, Abwasser wird abgeleitet, es gibt kostenlose ärztliche Versorgung (Kondome sind gratis wegen der hohen AIDS-Rate von offiziell 13%). Die staubigen Straßen wurden geteert. Die Schule im Township kostet jedes Kind 40 Rand im Jahr und es wird Englisch, Africaans und Xhosa gelehrt. Rentner bekommen ab 60 Jahren eine staatliche Rente von 300 Rand/Monat, Kinder unter 7 Jahren erhalten 100 Rand/Monat. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 60%, sicher eine Folge der schlechten bis gar keinen Bildung, während der Apartheid. Arbeitgeber sind heutzutage verpflichtet einen großen Prozentsatz Schwarze einzustellen, aber was nützen die Quoten, wenn es an Ausbildung mangelte? Jobs gibt es hauptsächlich um Kapstadt und Johannesburg herum. So verdient ein schwarzer Arbeiter ca. 1200 Rand in 2 Wochen bei Kapstadt, hier bei Graaff Reinet nur die Hälfte. Colored erhalten bessere Jobs, zum Beispiel auch als Aushilfspolizist und Bürojobs. Wegen des schlechten Verdienstes sieht man Schwarze auch nie in Restaurants. Und sie wohnen deswegen auch weiterhin in ihren Townships. Die Miete in der Stadt ist unerschwinglich, dort wohnen fast nur Weiße. Gegen 14 Uhr war Soli mit seiner Führung fertig, aus den 1,5 Stunden wurden 3,5 Stunden. Aber so tiefe Einblicke in das Leben der Xhosa hätte man ohne Soli nie bekommen. Zuhause relaxten wir und ich schrieb natürlich erst mal alles schnell nieder, um es nicht zu vergessen. Ein wenig saß ich noch im Garten, dann schauten wir Fußball und gingen schon um 20 Uhr ins Bett in der Hoffnung, dass Manfred ein wenig seine Erkältung auskurieren konnte. Wetter: Schön, keine Wolke mit 7°C morgens und 17°C mittags. |
|