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Sonntag, 14. August 2011
 

Heute Morgen um 7 Uhr hörte ich es schon, wie es draußen in Strömen regnete. Um 8:30 Uhr wanderten Manfred und ich zum Frühstück hinunter. Außer uns saß nur ein weiterer Gast beim Frühstück. Die "Frühstücksfrau" brachte uns eine Thermoskanne voll Kaffee und wir bedienten uns schon mal am reichhaltigen Buffet. Es gab zwei verschiedene Saftsorten aus einem Automaten, wo es so langsam herausrann, dass die Hand schon lahm wurde. Man hatte die Auswahl verschiedenster Müslisorten in gläsernen Gefäßen, deren Aufschrift man leider nicht mehr entziffern konnte, Joghurts mit und ohne Früchte, Obstsalat aus der Dose, das übliche portionierte Marmelden- und Honigsortiment, Wurst, Käse, verschiedene Brötchensorten und süße Teilchen, Rührei mit Wurst und hartgekochte Eier. A und S gesellten sich zu uns, aber eine zusätzliche Kaffeekanne erhielten wir nicht, Manfred bediente sich in der Küche selber, da die Frühstücksfrau uns keines Blickes würdigte sondern ins Gespräch mit anderen Angestellten? vertieft war.

Beim Frühstück klingelte plötzlich mein Handy, F rief an mit den Worten, der Worst Case sei eingetreten, es regnet so stark, dass man keinen Schritt vor die Tür wagen könne, ohne zu riskieren, völlig durchnässt zu sein. Sie bat uns an, dass P uns direkt vom Hotel in ihre Wohnung bringen würde, um zu beratschlagen, was man tun könnte. Unser "Chauffeur" stand superpünktlich vorm Hotel. Bei F stießen wir mit einem Gläschen Sekt auf das Wetter an und beschlossen bei dem jetzt nachlassenen Regen den Dom zu besichtigen. Die Gottesdienste waren inzwischen vorüber, so stand einer Dombesichtigung nichts mehr im Wege.

Mit Bus und S-Bahn fuhren wir zum Dom, der ja direkt neben dem Hauptbahnhof steht. Ein paar Wörtchen zum Dom. Das muss jetzt sein, da er die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands ist mit seinen 20.000 Besuchern pro Tag (Stand 2004):

Der Kölner Dom ist eine katholische Kirche und steht unter dem Patronat des Heiligen Petrus. Man kann den Dom auch besteigen, die Öffnungszeiten findet man auf der Webseite und ebenso die aktuellen Eintrittspreise. Auch die Domschatzkammer kann zu bestimmten Zeiten besichtigt werden.

Der Alte Dom wurde im Jahr 870 geweiht. Unter dem heutigen Dom wurden Reste des alten Domes gefunden. Im Jahr 1164 ließ Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom bringen. Nachdem der alte Dom über 300 Jahre alt war, wurde zu Ehren der heiligen Drei Könige eine neue, gotische Kathedrale errichtet. Teile des alten Doms plante man stehen zu lassen, bis die neue Kathedrale errichtet war. Aus Versehen brannte dann aber der Teil des restlichen Baus ab.

 

Kölner Dom von außen

Kölner Dom von innen
Kölner Dom von außen und von innen
 

Am 15.8.1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den ersten Stein für den neuen gotischen Dom. Im Jahr 1265 konnte in den Kapellen des Chorumgangs schon Gottesdienste gefeiert werden. Im Jahr 1322 wurde der östliche Teil der Kathedrale eingeweiht. Während der folgenden 200 Jahre baute man ein Stockwerk des Kirchenschiffs und zwei Stockwerke des Südturmes. Der Dom wurde mit vielen Kunstwerken und kostbaren Glasfenstern geschmückt. In den 1530er Jahren wurden die Bauarbeiten mit einem provisorischen Dach eingestellt.

1794 zogen die französischen Soldaten in Köln ein, der Erzbischof floh. Der Dom wurde als Lager, als Stall und als Gefängnis missbraucht.1801 wurden wieder Gottesdienste gefeiert. 1842 wurde der Dom endlich weitergebaut. Die Hälfte des Geldes hatten Kölner Bürger mit Hilfe des Zentral Dombau-Vereines gesammelt, den es heute noch gibt. Die andere Hälfte des Geldes kam aus der preußischen Staatskasse. Der Dom erhielt einen Dachstuhl aus Eisen und 1880 wurden die beiden Türme fertiggestellt. Nun war der Bau des Doms endlich vollendet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom von vierzehn Fliegerbomben getroffen. Sogar heute noch arbeitet man daran, die Schäden, die die Fliegerbomben angerichtet haben, zu beseitigen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden einige Schmuckelemente und Skulpturen nicht mehr nach dem Vorbild der Gotik restauriert oder erneuert, sondern nach dem heutigen Geschmack, z.B. der Vierungsturm oder die Malereien unter der Orgelempore. Ständig arbeiten im oder am Dom fleißige Handwerker, sei es, dass Schäden des zweiten Weltkriegs beseitigt werden, Umweltschäden (saurer Regen) oder "normale" Sturmschäden. Der Dom scheint nie fertigzuwerden. Darum prägten die Kölner das Sprichwort: "Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter". Der Kölner Dom wurde 1996 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

 

Glasfenster im Dom

Im Hintergrund, der Schrein der Heiligen Drei Könige

Eins der vielen hübschen Kirchenfenster Im Hintergrund, der Schrein der Heiligen Drei Könige
 

Es herrschte reges Gedränge im Dom, aber die 20.000 Besucher pro Tag mussten ja irgendwo sein. Oh Wunder, als wir aus dem Dom traten, hörte der Regen auf und wir erhielten von F und P eine kleine Stadtführung. Vorbei an Tünnes und Schäl, am Brunnen der Heinzelmännchen, an der Parkbank mit Willi Millowitsch... zum Rheinufer, wo wir uns mit einem Kaffee stärkten. Aber langsam langsam...

Wer sind denn Tünnes und Schäl:
Die beiden Figuren sind im vorherigen Jahrhundert im Hänneschentheater entstanden. Tünnes (von Anton), ist der bäuerlich-deftige Kerl, der mit seiner Bauernschläue überzeugt. Schäl (von schielend), der hinterhältig-listige. Beide zusammen verkörpern einige Kölsche Eigenarten. Die lebensgroßen Bronzefiguren der beiden findet man in der Nähe des Alten Markts in einem Innenhof, der zur Kirche Groß St. Martin führt. Bei jeder Touristenführung wird erzählt, wer die Nase von Tünnes anfasst, hat Glück im Leben. Entsprechend auffallend glänzt sie deshalb auch.

Willy Millowitsch:
Er wurde am 8.1.1909 in Köln geboren und war der Sohn einer Schauspielerdynastie. 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und fünf Jahre später verlieh die Stadt Köln Willy Millowitsch die Ehrenbürgerwürde. 1999 starb er in Köln an Herzversagen. Ich glaube zu Willy Millowitsch muss ich nicht viel sagen, er ist wohl durch die Liste seiner vielen Filme und seiner Schauspielerei auf der Bühne nicht nur in Köln bekannt. In einem Hinterhof, dem Eisenmarkt, auf dem sich auch der Eingang des Hänneschen-Theaters befindet, kann man sich unter Bäumen auf einer Parkbank zu Willy Millowitsch gesellen, der sich hier als Statue ausruht.

Heinzelmännchenbrunnen:
Der Brunnen wurde 1899 vom Kölner Verschönerungsverein gestiftet, zum 100. Geburtstag des schlesischen Dichters August Kopisch, der die Ballade von den Heinzelmännchen zu Köln verfaßt hat. Zwar kannte ich die Geschichte der Heinzelmännchen aus meiner Kindheit, hatte sie aber nicht mit Köln in Verbindung gebracht.

 
 

Heinzelmännchenbrunnen

Tünnes und Schäl
Heinzelmännchenbrunnen Tünnes und Schäl
   

Irgendwo in der Altstadt

Irgendwo in der Altstadt
Bummel durch die Altstadt
 
Willy Millowitsch

Blick vom Anleger Richtung Altstadt

Willy Millowitsch Blick vom Anleger Richtung Altstadt
 

Wir beschlossen, trotz nicht soooo tollen Wetters, eine einstündige Rheinfahrt zu unternehmen. Wir kauften uns Karten in der Nähe der Anlegestelle für eine einstündige Tour und bummelten bis zur Abfahrt der MS Jan von Werth um 16:30 Uhr, über das gerade stattfindende Kölner Promenadenfest, passierten dabei den geklonten Bruder von Willi Millowitsch, der seine Lieder trällerte. Wirklich interessant für uns Nichtkölner, was da gleich für Stimmung aufkam bei den Kölnern. Beim Schokoladenmuseum, unserem Umkehrpunkt, lag derzeit bis zum 13. Oktober 2011 die Arche Noah, eine Nachbildung der biblischen Arche. Sie ist ein Projekt des Künstlers und Puppenspielers Aad Peters. Hier werden auf vier Stockwerken biblische Geschichten mit Puppen dargestellt.

 

Gurkenverkäuferin auf dem Promenadenfest

Willi Millowitsch Imitator
Gurkenverkäuferin auf dem Promenadenfest Willi Millowitsch Imitator
   
Schokoladenmuseum

Arche Noah

Schokoladenmuseum Arche Noah
 

F, P und ich setzten uns unter Deck, da es leicht tröpfelte, bzw. dicke Wolken drohten, Manfred, A und S setzten sich mutig oben aufs Sonnendeck. Wir wurden über die Sehenswürdigkeiten links und rechts des Rheins theoretisch sehr gut informiert, wenn nicht der kleine Titus und ein paar andere Kinder zu unseren Füßen, laut kreischend das Schiff als ihr Spielplatz vereinnahmt hätten. Die Eltern kümmerten sich nicht. (Nebenbei, wie kann man sein armes Kind Titus nennen).

Jedenfalls schipperte uns die Jan von Werth zuerst rheinabwärts am Rheinauhafen entlang an den Kranhäusern vorbei, jetzt ein architektonisches Vorzeigeprojekt, früher wurden hier Schiffe entladen. Entworfen wurden die Kranhäuser von einem Hamburger Architekturbüro, fertiggestellt wurden sie 2008. In einem der Kranhäuser sind Luxuswohnungen untergebracht, in den beiden anderen Büros. Die Form der Häuser sollen an drei Hafenkräne mit Auslegern in Rheinrichtung erinnern. Nach einer Weile drehten wir um und fuhren in die andere Richtung, vorbei an den ganzen Sehenswürdigkeiten der Altstadt...

Trotz kreischenden Titus und trüben Wetters lohnte sich die Rheinfahrt unbedingt. Man bekommt einen Eindruck, wie groß Köln eigentlich ist. Städte, die direkt an Gewässern liegen, strahlen für mich immer ein besonderes Flair aus, seien es Sydney am Meer, Lindau am Bodensee, Köln am Rhein....

 
Rheinufer mit den Kranhäusern im Hintergrund

Kranhaus mit Luxuxwohnungen

Rheinufer mit den Kranhäusern im Hintergrund Kranhaus mit Luxuxwohnungen
   
Schokoladenmuseum

Groß St. Martin und Dom

Schokoladenmuseum Groß St. Martin und Dom
   
Haxenhaus

Im Haxenhaus (mit arrogantem Ober) stillten wir unseren Hunger und verabschiedeten uns von unseren Gastgebern F und P, die heute früh ins Bett mussten, da sie Morgen keinen Feiertag hatten im Gegensatz zu uns und leider früh raus mussten.

(Wer die deftige rheinische Küche nicht so gut verträgt, ist besser beraten, ein paar Häuser weiter zum Italiener zum Essen zu gehen).

 

 

<-- Haxenhaus - Biergarten

 

Wir vier freuten uns über das immer besser werdende Wetter und bummelten bei Sonnenschein über die Hohenzollernbrücke, genossen die Spiegelungen auf dem Rhein und die untergehende Sonne hinterm Dom, bummelten auf der anderen Rheinseite zur Deutzer Brücke und dort rüber zum Heumarkt, wo wir das Treiben auf einer Bank mit einem Eis in der Hand, genossen.

 
Am Rheinufer

Reiterstatue von Friedrich Wilhelm IV. (Preußen)

Am Rheinufer Reiterstatue von Friedrich Wilhelm IV. (Preußen)
   
Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke

Abendspaziergang mit Blick auf den Dom

Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke Abendspaziergang mit Blick auf den Dom

 

An der Haltestelle Neumarkt lösten wir schon mal für Morgen ein Tagesticket, da wir nicht wussten, ob es einen Automaten an unserer Hotelhaltestelle Moltkestraße gab.

Diese Nacht schlief ich besser, wahrscheinlich enthielten die Pröbchen vorgestern doch zu viel Alkohol zum guten Einschlafen.

Wetter:
Nachlassender Starkregen, abends Sonne pur.
Temperatur morgens 13,8°C, mittags 20,1°C

 
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