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Yzerfontein
 
Montag, 12. Juni 2006
 

Über Namibia, mussten wir uns wegen starker Luftturbulenzen anschnallen. Morgens gegen 3:30 Uhr wurden wir geweckt, das Frühstück und Zollformulare wurden verteilt und um 5:10 Uhr landeten wir in Kapstadt. Es regnete und die Außentemperatur betrug 10°C.

Vor der Passkontrolle wurde mit Schnüren der Weg abgespannt, damit sich eine Schlange bildete und kein chaotischer Haufen entstand, was ich eigentlich sehr gut finde. Aber in der Kurve drängelte sich ein Mann ziemlich bauerntrampelhaft vor uns, bzw. schnitt uns den Weg ab. Ich tippte natürlich gleich auf Landsleute, aber nein, es war ein Ire. Nach der Passkontrolle wurde mir der Grund klar, er stürzte sofort auf die Herrentoilette :-) Übrigens mussten wir tatsächlich unser Rückreiseticket bzw. die Bescheinigung bei der Einreise vorlegen.

Unseren Hertz-Leihwagen, einen Nissan Almera Automatik übernahmen wir beim Kilometerstand (Tageszähler: 698 km). Der Angestellte, der uns den Wagen übergab, meinte, im Regen und bei Dunkelheit könne er die Schrammen nicht so genau erkennen. Wenn wir noch eine entdecken sollten, sollen wir sie einfach eintragen. Um 6:25 Uhr fuhren wir Richtung Yzerfontein. Der arme Manfred durfte uns durch dichtes Berufsgetümmel, auf der linken Seite der Straße, im Dunkeln, an die Westküste kutschieren. Es dämmert erst gegen 7:30 Uhr. Hier wurde es dann angenehmer mit dem Verkehr. Nur noch vereinzelt fuhren Autos.

 
Yzerfontein
Hier liegt Yzerfontein
 

Und überall liefen an den Straßenrändern auf der Standspur Schwarze lange, lange Strecken zu Fuß zur Arbeit, in der Hoffnung auf Mitfahrgelegenheiten. Viele Schwarze können sich weder Auto noch Fahrrad leisten, sie laufen oft etliche Kilometer täglich zu Fuß zur Arbeit. Am Rande von Kapstadt passierten wir nicht enden wollende Townships, deren Häuser man eigentlich nicht unbedingt als Häuser bezeichnen kann, es sind zum Teil zusammengenagelte Bretterbuden.

Gegen 8:20 Uhr erreichten wir unser Domizil für die nächsten 2 Nächte, das B&B Harbour View in Yzerfontein. Leider war noch keiner im Hause, also fuhren wir ins 30 km entfernte Langebaarn, wo wir nach einem Strandspaziergang ausgiebig frühstückten mit Spiegelei, Würstchen (was nach Zimt schmeckte), Pilzen, Tomate, Schinken, Toast und Kaffee. Peinlich, peinlich, die Bedienung stellte mir viele unvorbereitete Fragen, wie ich z.B. die Eier möchte. Irgendwie antwortete ich dann falsch, jedenfalls zum Schluss einigten wir uns auf irgendetwas, Manfred meinte der Einfachheit halber, er möchte genau das gleiche. Es war sehr lecker. Der Vorteil dieser gemütlichen Wirtschaft war ein offener Kamin, an dem ich mir den Rücken wärmen konnte.

Schließlich konnten wir unser Zimmer mit herrlichem Blick auf das Meer beziehen. Es stürmte und regnete, so legten wir hier im Zimmer eine längere Pause ein. Anschließend kauften wir ein paar Lebensmittel im Supermarkt. Wir fragten die Verkäuferin, ob man derzeit Wale sehen könne oder warum so viele Autos am Whalewatching-Parkplatz neben unserer Zimmertür halten würden? Sie meinte nein, aber gestern und vorgestern habe sie Delfine gesehen. Ab sofort nutzte ich jede Gelegenheit, die wir zu Hause (in der Pension) waren, um mit meinem Fernglas nach Delfinen Ausschau zu halten. Ich entdeckte leide keine.

 
Yzerfontein Yzerfontein
Harbour View in Yzerfontein Blick aus unserem Fenster im Harbour View
 

Abends fuhren wir zu Loony’s nahe dem Supermarkt und aßen dort Pizza bzw. ich in den Lokal Fisch, namens Snoke. Bis gegen 22 Uhr sah Manfred noch ein wenig Fußball im TV, dann schliefen wir.

Wetter: Sturm mit Schauern, Temperatur morgens 10°C, Mittags: 17°C
Gefahrene Kilometer: 250 km

 
 
Dienstag, 13. Juni 2006
 

Zum Glück hatten wir Heizdecken. Heute Nacht wachte ich einmal auf, stellte die Heizdecke an, bis es warm genug war, stellte sie wieder aus und schlief durch bis 8 Uhr morgens. Was für ein Unterschied zu gestern! Heute schien die Sonne aus allen Knopflöchern.

Gestern erhielten wir von unserer Wirtin jeweils 2 Frühstücksgutscheine bei dem nahe gelegenen Einkaufszentrum. Unser Harbour View war zwar eine B & B Pension, aber sie bauten den Frühstücksbereich gerade um, so dass man hier nicht frühstücken konnte. Leider hing an dem Laden, wo sie uns hinschickte ein Zettel an der geschlossenen Tür in Afrikaans, wir konnten nicht herausbekommen, was drauf stand. Nichts mit Frühstück! Erst viel später übersetzte ich den Text Online.

 
Laden hatte geschlossen
 

Und so übersetzte der Online Afrikaans Deutsch Übersetzer den Text:

"Shop wird geschlossen morgen 13/06/06 werden. Sorry für die Unannehmlichkeiten. Außerhalb unserer Kontrolle. Siehe Mittwoch! Traurig".

Wir versuchten es im Supermarkt daneben, der ein kleiner Tante Emma Laden mit Imbiss war. Er hatte geöffnet und hier kauften wir uns Kaffee und getostete Sandwiches. Draußen konnte man vor dem Laden schon gemütlich in der Sonne sitzen. An der Kasse lagen irgendwelche Teilchen, die aussahen wir Donuts. Nach dem wir die Sandwiches verdrückt hatten, wollten wir noch irgendetwas Süßes essen. Manfred kaufte uns noch diese so gut aussehenden Teilchen. Er hatte zwar gefragt was das sei, hatte die Antwort aber nicht verstanden, nur dass alle die es bisher gegessen hätten davon schwärmten. Wir bissen hinein und es waren in Teig gebackene Currybohnen oder so ähnlich, sogar noch warm. Geschmacklich waren sie sehr lecker, aber ich packte beim besten Willen maximal die Hälfte.

Da wir keine ordentlichen Karten der Umgebung hatten, steuerten wir das gleich um die Ecke gelegene Info-Center an. Die Dame vom Nachbarladen meinte, heute käme keiner, morgen erst wieder. Gut, wir ließen unser Auto hier stehen und spazierten den endlos langen, leeren Strand von Yzerfontein ab. Gestern bei dem Sturm sind Tonnen von Muscheln hier gestrandet. Die Möwen freuten sich. Ich beobachtete einige Möwen beim Versuch, die zum Teil noch geschlossenen Muscheln zu öffnen. Ganz schön raffiniert! Sie nahmen eine Muschel in den Schnabel, flogen ca. 10 Meter in die Höhe, sahen sich die Stelle unter ihnen genau an, ließen die Muschel nach unten plumpsen und stürzen hinterher, um die Muschel aus der zerplatzen Schale zu essen.

Auf einem Felsen sah ich ganz still irgendein Tier sitzen, was von weitem einem Seehund ähnelte. Aus der Nähe war es nicht nur eins, sondern bestimmt 20. Sie sahen jetzt eher wie Murmeltiere aus. Es waren Rock Dassies.

 
Rock Dassie Rock Dassies
Rock Dassie
 

Plötzlich wusste Manfred nicht mehr genau, ob er, den im Auto zurückgelassenen Rucksack auf dem Beifahrersitz hatte stehen lassen und eventuell die Türen nicht abgeschlossen hatte und das in Südafrika! Also kehrten wir im Affenzahn um. Zum Glück war alles verschlossen und das Auto noch nicht aufgebrochen. Wir fuhren noch ans andere Ende von Yzerfontein, zum 2 km entfernten Pearl Bay, dort wurden derzeit viele Traumvillen aus dem Boden gestampft. Und der Strand war noch weißer, länger und schöner als in Yzerfontein.

Gegen Mittag fuhren wir zum nahe gelegenen West Coast N.P. Außerhalb der Blütezeit beträgt der Eintritt 20 Rand (2,50 Euro) pro Person. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von 27.600 ha, schließt eine 15 km lange Lagune ein, mehrere Inseln und den Sixteen Mile Beach bis Yzerfontein. Er beheimatet über 250 Vogelarten. Vor 300 Jahren lebten hier Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Löwen und Leoparden.

Hauptattraktionen des Parks sind heute das weltweit bedeutende Feuchtgebiet, Seevögel, Strandveld-Vegetation, Frühlingsblumen, Bootsfahrten, Wanderwege, zur Blütezeit der Postberg, der 15 seltene und bedrohte Pflanzenarten beheimatet, sowie Wildkatzen, Antilopen, Zebras, Kudus…. Übernachten kann man auf einem Campingplatz mit sanitären Einrichtungen am Postberg und in Geelbeck in Schlafsälen mit Schlafkojen.

 
Conicosia-pugioniformis Strauß
Schweinewurzel? Der erste Strauß tauchte neben uns auf
 
Nicht weit hinter der Pforte stand schon der erste Strauß am Straßenrand, der, als er uns sah, lieber das Weite suchte. Um das Wasserloch am Abrahamskraal drehten wir zu Fuß eine Runde. Viele Wasservögel konnte man beobachten, unter anderem den Ibis, Auch viele Schildkröten Geometric Tortoise wanderten umher.
 
Vogelbeobachtung Ibisse
Zur Vogelbeobachtung Ibisse
   
Geometric Tortoise Geometric Tortoise
Die Schildkröte raste über die Straße Geometric Tortoise
 

Zum Schluss schmausten wir im Restaurant neben dem Information Center. Beide aßen wir Straußenfleisch, Manfred als Schnitzel mit Gemüse und Kartoffeln und ich als Burger mit viel Salat und statt des üblichen, weichen Pappbrötchens gab es leckeren Fladen. Ach ja, für das Essen, es waren riesige Portionen, 2 Bier und 2 Eistee bezahlten wir umgerechnet mit Trinkgeld 22 Euro. Im Anschluss schauten wir zu einer Vogelbeobachtungsstelle, die man über einen sehr langen Steg erreichen würde. Kurz vor dem Ende fehlten leider 2 Meter Steg. Wir sahen die angekündigten Flamingos nicht, dafür viele andere Wasservögel.

Nachmittags versuchte Manfred mit seiner Vodafone-Karte ins Internet zu kommen, klappte. Wir setzten rasch ein paar Mails ab. Abendessen brauchten wir keins mehr.

Wetter: schön, mit Wolken, Temperatur morgens: 14°C, mittags: 18°C
Gefahrene Kilometer: 148 km

 
 
Mittwoch, 14. Juni 2006
 

Die Sonne schien wieder aus allen Löchern und auch der Wind legte sich. Zum Frühstück fuhren wir wieder zu dem gestern geschlossenen Lokal, um unserer Gutschein einzulösen. Dieses Mal hatte der Shop geöffnet. Wir waren die einzigen Gäste in dem winzigen Laden. Die Wirtin bereitete uns Spiegeleier, Schinken, Tomaten und Würstchen mit Toast, Butter, Marmelade und Schmelzkäse und Kaffee. Wir saßen am Fenster und dachten an nichts Böses, als plötzlich ganz schüchtern ein kleiner Vogel das Restaurant betrat und ganz vorsichtig aus einer bereitgestellten Untertasse etwas herauspickte und schnell verschwand. Etwas später kreischte eine Möwe vor der Tür herum, bis sie sich endlich auch hereintraute und ganz hastig etwas aus der Schüssel pickte und schnell verschwand. Das Frühstück war riesig, heute Mittag brauchten wir sicher nichts mehr.

Wir verabschiedeten uns von unserer Wirtin. Sie setzte sich auf die kalten Eingangsstufen mit Blick auf das offene Meer mit den Worten, dies sei ihr Lieblingsplatz. Auf unser kritisches Gesicht, die seien doch sehr kalt, meinte sie, sie sei „Well padded“ :-).

 
Yzerfontein Yzerfontein
Good bye Yzerfontein
 

Um 10:20 Uhr starteten wir, immer an der Küste entlang Richtung Norden bis Elands Bay. Hierher ging es durch das Küstengebirge, war ein herrlicher Abschnitt. Mit immer unruhiger werdenden Blick auf die Tanknadel, waren wir froh hier nach 147 km eine Tankstelle, bzw. zwei Zapfsäulen zu finden. Weiter ging’s Richtung Lamberts Bay. Unterwegs mussten wir unbedingt einen Fotostop einlegen, die Umgebung sah einfach toll aus, Meer zur einen Seite, zur anderen Seite ein See eingebettet zwischen hohen felsigen Wänden.

Weiter ging’s! Ca. 5 oder 10 km vor Lamberts Bay hörte urplötzlich die geteerte Straße auf und ging in eine ungeteerte Straße über. „Na ja, wird nur ein paar Meter so sein“, dachten wir. Aber, die Straße ging ewig so weiter. Das wäre auch alles nicht so schlimm gewesen, wenn die Straße durch die Meeresnähe oder durch das vorgestrige Regenwetter nicht nass gewesen wäre. Wir hatten keinen 4WD. Plötzlich fuhr Manfred mit dem linken Vorderrad durch ein riesiges Schlagloch, dass wir dachten, gleich bricht die Achse! Wir schlingerten weiter über die, wie mit Schmierseife zu befahrene Fahrbahn, immer in der Hoffnung, dass es nicht schlimmer würde. Müssten wir umkehren, bedeutete das einen 100 km Umweg. Bei entgegen kommenden Pkws und Lkws hielten wir lieber an, denn unsere Fahrspur war manchmal nicht zu befahren, man wusste nicht, wie tief die mit Wasser gefüllten Schlaglöcher waren. Irgendwann, nach langem Bangen, kurz vor Lamberts Bay wurde die Straße wieder geteert. Dem Himmel sein Dank, ich sah mich schon schlammverschmiert die Karre anschiebend und im Auto übernachtend.

 
Lambert's Bay Unterwegs nach Springbok
Dirt Road vor Lambert's Bay Unterwegs nach Springbok
 

Ab hier fuhren wir schnurstracks auf dem Highway Nr. 7 Richtung Norden. Dafür war diese Straße bei Clanwilliam sehr stark mit Lkws befahren und wir hatten noch 330 km vor uns. Da es die Hauptverbindungsstraße zwischen Kapstadt und Namibia ist, rechneten wir mit viel Verkehr. Aber schon ab Vanrhynsdorp, 75 km weiter, ließ der Verkehr merklich nach und wir befanden uns fast alleine auf der Straße. Die Landschaft wechselte zwischen Küstenlandschaft und Gebirge. Man sah sehr viele Eukalyptusbäume. Auf der Straße hüpfen oft, wie fast überall Raben herum.

Je weiter wir Richtung Springbok kamen, desto beeindruckender wurde die Gebirgslandschaft. Wir passierten riesige Felsen, fast so beeindruckend wie Australiens Kata Tjuta. Nach 6,5 Stunden Fahrt erreichten wir schließlich Springbok.

 
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