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Springbok
 
Mittwoch, 14. Juni 2006
 

Der Ort Springbok bekam erst Bedeutung, als hier 1952 im großen Ausmaß Kupfer abgebaut wurde. Man fand Kupfer zwar schon gute 200 Jahre früher, aber es gab logistische Probleme den Kupfer wegzutransportieren. Heute ist er für viele Durchgangsstation für die Reise von Kapstadt nach Namibia. Im Frühling, wenn die Blumenblüte beginnt, sind oft die Herbergen, wegen der nahen Nationalparks ausgebucht, die dann besonders gern besucht werden.

 
von Yzerfontein nach Springbok
Unsere Reise von Yzerfontein nach Springbok
 

Wir entdeckten Annie’s B&B Guesthouse recht schnell, es lag inmitten eines schönen Gartens. Wir erhielten ein nettes Zimmer. In Springbok bummelten wir ein wenig durch den Ort. Erst wollten wir zu Fuß zum Essen gehen, aber es war doch zu finster, und laut vieler Warnungen sollte man in Südafrika nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr unterwegs sein. So fuhren wir lieber mit dem Auto zu Tibits. Manfred parkte den Wagen anfänglich auf einen Parkplatz, von dem man nachher ohne zu wenden wieder zurückfahren konnte, aber nachdem schon die ersten „selbsternannten“ Parkwächter geradewegs aus dem Bottleshop auf uns zu torkelten, stellten wir die Karre lieber direkt vor die Restauranttür.

 
Annie’s B&B Guesthouse

Wir aßen als einzige Gäste jeder eine Pizza. Mit Getränken zahlten wir zusammen umgerechnet (inklusive 15% Trinkgeld) knappe 20 Euro.

Um 21 Uhr schauten wir uns noch das Fußballspiel Deutschland gegen Polen an, bei dem ich nebenbei Tagebuch schrieb. Über den Sieg der Deutschen in allerletzter Sekunde freute ich mich natürlich, so habe ich bei meiner Wette zuhause im WoMo-Forum noch rasch 2 Punkte ergattert :-).

<-- Annie’s B&B Guesthouse

 

Benzinpreis: Das Benzin kostet mit 95 Octan. 6,39 Rand/Liter, Diesel: 6,29 Rand/Liter. 8 bis 9 Rand sind ungefähr 1 Euro.

Wetter: schön mit kleinen Schauern, Temperatur morgens 16°C, mittags: 14
Gefahrene Kilometer
: 595 km in 6,5 Stunden

 
 
Donnerstag, 15. Juni 2006
 

Heute Nacht dachten Manfred und ich, dass es ganz fürchterlich regnen würde, es hörte sich zumindest immer wieder so an, aber es waren nur starke Windböen, die die Blätter der vielen Bäume in Bewegung brachten. Um so erstaunter waren wir beim Blick aus dem Fenster, als die Sonne aus allen Löchern knallte. Unser Handywecker weckte uns um 7:45 Uhr, da es nur bis 9 Uhr Frühstück gab und wir wollten ja auch nicht den halben Urlaub verschlafen.

Im winzigen Frühstückszimmer, das mehr als reich dekoriert war, erhielten wir gerade noch einen Tisch. Es gab Erdbeerjoghurt, Müsli, Obst, Toasts mit einem eigenen Toaster auf jedem Tisch, Wurst, Käse usw. Dazu konnte man sich noch etwas Warmes, wie Rühreier oder so etwas bestellen. Die Wirtin unterhielt sich anschließend noch mit uns, wollte wissen, was wir so planten in Springbok usw. Sie fragte woher wir kämen und aus welcher Ecke in Deutschland. Nachdem sie hörte, wir kämen aus dem Süden, vertraute sie uns an, dass sie die Norddeutschen nicht so gerne möge. Zum Glück verriet Manfred nicht meine Herkunft ;-)

Zurück im Zimmer fragte Manfred plötzlich, ob ich seine Diafilme gesehen hätte. Er durchsuchte seine ganzen Taschen samt Nebenfächer und schaute ziemlich ratlos drein, ob er die Filme etwa in der Schublade in der letzten Unterkunft habe liegenlassen. Ich überlegte ziemlich ernsthaft, wie wir das managen könnten, die Diafilme für die Safari zu beschaffen. Denn diese bekommt man kaum in Südafrika. Manfred sah im Auto nach, aber nichts! Wir knöpften uns alle seine Taschen der Reihe nach vor, und ich wurde zum Glück in seinem Handgepäck fündig! Manfred fiel ein Stein vom Herzen! Seitdem nahmen wir uns vor immer einen Doppelcheck zu starten. Da keine Wolke am Himmel zu entdecken war, besuchten wir nun das 15 km entfernte Goegap Nature Reserve.

Goegap Nature Reserve
Der Naturpark umfasst eine Fläche von 25.000ha und wurde 1960 gegründet. Er besteht hauptsächlich aus Granitfelsen und sandiger Ebene, die typisch für diese Gegend ist. Es ist eine Halbwüste, der Jahresniederschlag beträgt 80 bis 160 mm (1/10 der Niederschlagsmenge in Deutschland) und die Temperatur schwankt zwischen 10°C im Winter und 46°C im Sommer. An Tieren leben hier 25 Reptilienarten, Mountain Zebras, Gemsbok, Springbok, Klipspringer, Erdwölfe…Es gibt 94 Vogelarten, zum Beispiel den Strauß, Adler,… und es wachsen über 580 Pflanzenarten, unter anderem der Köcherbaum, viele Wildblumen, auch eine reichhaltige Sukkulentensammlung findet man am Office. Nebenbei, der Köcherbaum hat seinen Namen europäischen Siedlern zu verdanken, die sahen, dass die San, deren Zweige aushöhlten und als Köcher für ihre Pfeile benutzten. Er ist übrigens eine Baum-Aloenart, von der es in Südafrika nur drei gibt. Nun konnten wir mit ruhigem Gewissen den Tag im National Park genießen. Vorher besuchten wir noch das Infobüro, holten Geld am Automaten und Getränke.

 
Goegap Nature Reserve Goegap Nature Reserve
Sogar Manfred friert Wanderstartpunkt
 
Wir waren die ersten Besucher des Parks (15 Rand Eintritt pro Person). Die nette Dame im Office empfahl uns einen 6km oder 4km Trail. Wir wählten den 6km Trail, weil er an einem Aussichtspunkt vorbeikam. Der Wanderweg startete direkt am Office führte als erstes durch den Sukkulentengarten.
 
Köcherbaum Spuren im Sand
Köcherbaum Was sehe ich denn da?
 

Ohne Wanderschuhe hätten wir die Wanderung nicht machen können. Es ging über Steine, mal steil bergauf, mal flach. Ab und zu war der Weg mit einem gelben, gemalten kleinen Huf auf einem Stein gekennzeichnet. Bis zum View Point fanden wir den Weg ganz gut, dann begann die Suche. Verirrte man sich, sahen die Zwischenräume zwischen dem Gebüsch wie Wege aus.

Auch unsere Fußspuren vom Hinweg konnte man hier oben nicht mehr erkennen, der sehr starke Wind hatte die im Nu verwischt. Schließlich fanden wir den richtigen Weg wieder. Er führte einmal um den Berg herum und zu einem Aussichtsberg hinauf. Anschließend abwärts am Bach entlang zum Office zurück. Etwas irreführend war auch die Wegekennzeichnung am Gipfel. Danach sollte man über die Felsen zum Office klettern. Das konnte ich mir kaum vorstellen, der Wind blies hier oben so kräftig und die Felsen waren so steil, dass man unweigerlich abgestürzt wäre.

 
Goegap Nature Reserve Goegap Nature Reserve
 

Nachdem wir die Wanderung nach 3 Stunden beendet hatten, wollten wir zurück nach Springbok fahren. Wir hielten, weil wir weit entfernt am Felsen ein großes Tier erblickten. Zufällig hielt eine Rangerin neben uns und empfahl uns den 13 Km Tourist Drive zu fahren, man könne das auch mit 2 WD und man sähe eventuell Bergzebras. Wir starteten die Runde und entdecken erst kurz vor Schluss ein Rudel Springböcke und Gemsböcke und einen Strauß. Hat sich aber trotzdem unbedingt gelohnt diese Tour.

 
Goegap Nature Reserve Goegap Nature Reserve
Aussicht vom View Point auf die "Mondlandschaft" Ein Gemsbok in der Ferne
 
 
View Point Office
Am View Point Das Office kommt in Sicht
 

Gegen 15 Uhr landeten wir im Cottage, Später bummelten wir  durch den Ort, auf der erfolglosen Suche nach einem Buchgeschäft, dafür surften wir ein wenig im Internet, eine Minute kostete 1 Rand (ca. 9 Cent).

Abends fuhren wir ins Titbits und fragten die Bedienung, ob wir wieder an dem gleichen Tisch sitzen dürften wie gestern. Die Bedienung war nicht auf den Kopf gefallen, sie fragte ob wir auch wieder das gleiche essen wollten? Wollten wir aber nicht. Wir bestellten Rumpsteaks mit Pommes und Gemüsemus. Das Ganze bekamen wir auf der heißen Platte und bezahlten umgerechnet 22,50 Euro für alles (inklusive 15% Trinkgeld).

Wetter: schön, aber sehr windig, Temperatur: 8°C bis 17°C
Wanderung
: 6 km, 2 h 50 m.
Gefahrene Kilometer
: 50 km / getankt: Spritpreis 6,62 Rand/Liter.

 
 
Freitag, 16. Juni 2006
 

Das erste Mal, dass ich den Wecker um 7:45 Uhr verschlief und Manfred mich um 8 Uhr, als er fertig war, weckte. Nach dem Frühstück ging’s Richtung Upington.

Abfahrt um 9:23 Uhr wieder bei strahlendem Sonnenschein. Die Straße war so gähnend leer, dass man die Autos hätte zählen können bis zum Ziel, habe ich aber leider vergessen. LKWs waren nicht unterwegs. Wir stellten später fest, dass in Südafrika Feiertag war. Die Straße war durchweg in gutem Zustand mit Seitenstreifen und Zaun zu beiden Seiten. Ab und zu sah man vereinzelt Rinder- oder Schafherden und 3 Strauße. Vögel nutzten die Strommasten, um dort zwischen den Isolatoren ihre Nester zu bauen. Eine Vogelart, die Webervogel bastelten riesige, mindestens einen Meter herabhängende Nester, mit Öffnung von unten.

Webervögel sind typische Kalahari Bewohner: Ihre Nester bestehen aus Zweigen, Stöcken und Gras. Bis zu 500 Vögel wohnen manchmal in solchen Nestern zusammen. Als Unterbau dient den Vögeln Kameldorn, Köcherbäume und Telefonmasten. Die Nester schützen vor Kälte und Hitze. Tagsüber ist es innen 2 bis 3 Grad kälter und nachts bis zu 8 Grad wärmer als außen. Ihre Feinde sind der Dachs und die Kobra. Vor Dachsen werden sie aber auf den Strommasten einigermaßen sicher sein.

 
Webervögelnest Protea Lodge
Webervögelnest auf einem Strommasten Unser Hotelzimmer in Upington
 

Wir durchquerten die ganze Fahrt hindurch Halbwüste. Es begann mit Bergen, rötlichen Felsbrocken in jeder Größe, dann wurde die Landschaft flach, ähnelte einer Steppenlandschaft mit weißen Gräsern. Dies wechselte ein paar Mal. Als wir nach ca. 300 km auf den Oranje Fluss trafen, änderte sich die Landschaft. Hier wurde Wein und Obst angebaut und die Abstände der Dörfer wurden kleiner. Um 13 Uhr trafen wir nach 380 km in Upington ein und fanden die Protea Lodge sogar nach nur einer Schleife.

Wetter: schön, Temperatur morgens: 10 °C.

 
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