Die Neurosen der Chefs und wie Sie mit ihnen fertig werden...
Quelle: Hesse/Schrader 1999

In der Mehrheit scheinen wir mit unseren Chefs eher unzufrieden bis kreuzunglücklich zu sein, nur im seltenen Glücksfall leidlich zufrieden.

Viele Arbeitnehmer beklagen an ihren Vorgesetzten mangelndes Einfühlungsvermögen und nicht vorhandene Zuhörfähigkeit sowie vor allem das völlige Ausbleiben positiven Feedbacks.

Die Qualität des Betriebsklimas und der Arbeitsergebnisse sind in jedem Unternehmen zu einem entscheidenden Teil vom Verhalten der Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern abhängig.

Der Neurotiker leidet - ganz global beschrieben - am "Leben", und die Menschen in seiner Umgebung leiden unter ihm und seinen abnormen Verhaltensweisen.

Wichtige Charakteristika neurotischer Persönlichkeiten sind: - Ich-Haftigkeit, damit: mangelndes Einfühlungsvermögen; - die mangelnde Fähigkeit zu befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen.

Andere Menschen werden vom Narzissten entweder als ideal (nur gut) oder bedrohlich (nur böse und schlecht) wahrgenommen. Diese Spaltung in Gut und Böse dient dazu, sich selbst als vollkommen in Ordnung zu erleben, während alles Negative und Schlechte den anderen zugeschrieben wird. Diesen "Bösen" gilt dann nach einer Enttäuschung ihr oftmals ungezügelter Hass.

Die Instrumentalisierung von Mitarbeitern ist ein Hauptmerkmal des Arbeitsverhaltens narzsstisch gestörter Persönlichkeiten. Als Vorgesetzte sind sie kaum in der Lage, konstruktiv zu kooperieren. Andere Abteilungen werden entweder abgewertet ("Nur Idioten") oder paranoid in die Rolle des "Bösen" gedrängt.

Narzisstische Chefs verlangen - wie ihre zwanghaften und paranoiden Kollegen - nicht nur absoluten Gehorsam und Unterordnung, sondern wollen zusätzlich noch von ihren Untergebenen geliebt werden. Auf diese Weise schafft der narzisstische Chef ein Klima, das Können und Vermögen, insbesondere die Entwicklung und Pflege des kreativen Potentials unter den Mitarbeitern massiv behindert, gar verunmöglicht.

Großzügig unterstützend zeigt sich ein solcher Vorgesetzter bisweilen schwächeren, bedürftigen, insbesondere neuen Mitarbeitern gegenüber, die er gerne anleitet, ausbildet und demonstrativ an seinem grandiosen Erfahrungsschatz teilhaben lässt, um durch sie abgöttische Bewunderung zu ernten.

Wegen der Unfähigkeit narzisstischer Persönlichkeiten, sich in andere Menschen einzufühlen, herrscht unter den Mitarbeitern oft eine hohe Fluktuation. Scheitern Projekte, die mit der Hoffnung auf einen strahlenden Erfolg begonnen wurden, werden Sündenböcke gesucht. Schuld sind grundsätzlich immer die anderen.

Führungskräfte mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung stellen nach Kernberg das größte Risiko für Unternehmen und Institutionen dar.

Das Ansinnen, narzisstische Persönlichkeiten durch eine Art geduldiges gutes Zureden verändern zu wollen, hätte Züge genau der Größenphantasien, mit denen man es beim Narzissten zu tun hat.

Die aller oberste Führungsebene ist für das Verhalten der von ihnen eingesetzten Manager und Vorgesetzten mitverantwortlich.

Aufgrund seiner übermäßigen Empfindlichkeit reagiert der neurotische Mensch auf kleinste Kränkungen mit narzisstischer Wut, hinter der er sein Verletzt sein, seinen Schmerz verbirgt.

Auch hier wird es wiederum deutlich, dass sich Vorgesetzte psychologisch gesehen in der Nachfolge von Elternfiguren befinden, die es in der Hand haben, die Potentiale ihrer Kinder durch autoritäres Verhalten zu zerstören oder durch einfühlsame, autonomiestärkende Ermutigung zu fördern.

Nur engagierte Mitarbeiter sind der Schlüssen für Produktivität. Unabdingbare Voraussetzungen: vertrauens- und respektvolle persönliche Beziehungen, gleich welcher Ebene der Interaktionspartner entstammt.

Die Arbeit der Zukunft, ist die Vereinigung von Anstrengung und Lust.

Dieses auf Kontrolle, auf Gehorsam, auf das Einhalten von Dienstwegen ausgerichtete Denken ist fehl am Platz. Viele zwischengeschaltete Hierarchieebenen behindern Entscheidungen, hemmen Eigeninitiative, verwässern jedes Gefühl der Verantwortung auf Seiten der Mitarbeiter.

"In meiner Firma herrschen ein schlechtes Betriebsklima und ein rüder Umgangston", klagt der Chef. "Woran könnte das liegen?" fragt der Unternehmensberater. "Das sollen Sie doch herausfinden - Sie Arschloch!"

Heutzutage muss man seine Leute motivieren. Anbrüllen allein nützt nichts mehr.

 

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